"Ein Schriftsteller ist ein Mensch, dessen Sprache der Welt entsagt hat, dessen Person in ihren Netzen verstrickt bleibt."
HEIMITO von DODERER

"Im Anfang war das Wort. Wir kommen von dort und gehen dorthin."
HEIMITO von DODERER

 

 

ARCHIV DES DICHTERISCHEN NACHLASSES DES FERDINAND FRIEDLOS


"Man sollte überhaupt die meisten totschiessen in der schönen Jugend, ausgenommen die wenigen Männer, die genial wären und die wenigen Frauen, die sanft wären."
JEAN PAUL

"Oh, der arme Mensch steht allemal mit zugebundenen Augen vor deinem scharfen Schwerte, unbegreifliches Schicksal!"
JEAN PAUL

 
“Ferdinand Friedlos” ist das dichterische Pseudonym des Büroangestellten Ernst Teslebens, der - zuständig für die Kundendatei vom Buchstaben ‘K’ bis ‘M’ und mit dem Ausblick, demnächst auch den Buchstaben ‘N’ übernehmen zu dürfen - vor einigen Jahren an seinem Arbeitsplatz in der Halsapp & Schneider AG (dem Weltmarktführer im Vertrieb von Schmonzes und Tinnef aller nur erdenklichen Art) im mumifizierten Zustand von seinen erschrockenen Arbeitskollegen aufgefunden wurde. Es stellte sich heraus, dass der Hausmeister vergessen hatte, am Montagmorgen den Raumbefeuchter wieder einzuschalten, woraufhin Teslebens sich binnen weniger Stunden in ein vertrocknetes Blatt verwandelte. Jegliche Wiederbefeuchtungsversuche durch die Kollegen, dem herbeigeeilten Notarzt und einem zufällig anwesenden Zimmerpflanzengärtner blieben ohne Erfolg, so dass an jenem tragischen Montag ein bis dato unbekanntes Dichtergenie vom Formate Kafkas auf das Format eines nur noch raschelnden und rasch zerfallenden Blattes reduziert wurde. Bei aller Tragik ist das Ende Teslebens - typisch für diesen von skurrilen Unglücken verfolgten, still leidenden Menschen - nicht ohne doppeltes ironisches Moment, hatte Teslebens zum einen sich und die moderne Menschheit - wie viele Dichter neigte er dazu, beides gleich zu setzen - doch stets als Opfer der in seinen Augen übermächtig gewordenen Technik betrachtet und war Teslebens doch zum anderen von abgrundtiefem Misstrauen gegen die Berufsgruppe der Hausmeister durchdrungen - in seinen Augen nur emsig-bösartige und besenbewehrte, stets rücksichtslos das dürre Laub wegfegende, subordinierte Handlanger der  teuflischen Technik. Nun wirkten also beide, die Technik und ihr alltägliches menschliches Werkzeug, der Hausmeister, zusammen, um Teslebens, den fast schon nervigen Mahner gegen beide Übel, den Garaus zu machen.

Nachdem man den welk raschelnden Teslebens im Beisein des beängstigend engen Familienkreises auf den herbstlichen Friedhof abgesetzt hatte, wo er unter all den welken, windverwehten Blättern nicht weiter auffiel (“Vom Leben vergessen zu werden ist eine Gnade,” soll Teslebens immer gesagt haben), entdeckte der eingesetzte Nachlassverwalter in der nun verwaisten, in der Hans-Dampf-Gasse des idyllischen fränkischen Städtchens Zotenburg gelegenen 2,5-Zimmerwohnung umfangreiche Manuskripte, die Teslebens unter dem Pseudonym “Ferdinand Friedlos” verfasst hatte. Wie sich später herausstellte, wählte Teslebens dieses anonyme Schriftstellerdasein, um seine autoritäre Erbtante Gisela Teslebens nicht zu verärgern, die in jungen Jahren von dem bekannten Dichterfürsten Reiner Maria Blanckhohn durch dessen zarte Verse verführt und anschließend sitzengelassen wurde und die seither einen geradezu fanatischen Hass auf alle Dichtkunst hegte. Das einzige Buch in ihrem Haushalt soll das Telefonbuch gewesen sein und selbst dieses benutzte sie nur mit größtem Widerwillen, was sich fatal auswirken sollte, als eines Nachts ein Raubmörder in ihre Wohnung eindrang und sie sich nicht entschließen konnte, die Notrufnummer der örtlichen Polizei nachzuschlagen. Teslebens, der wegen einer Lücke in seinem Rentenplan auf das freilich kleine Erbe seiner Tante angewiesen war, sah sich daher gezwungen, mit der Veröffentlichung seiner Werke bis nach deren Ableben zu warten, konnte diesen Plan aber wegen des oben geschilderten tragischen technischen Fehlers nicht mehr ausführen - die Pläne Teslebens wurden im Übrigen nur in den seltensten Fällen ausgeführt und wenn, dann nur zum Schaden ihres Urhebers, auf welchen sie dann laut krachend zurückzufallen pflegten. Der Nachlassverwalter - ein abgebrochener Germanistikstudent - erkannte jedoch schon beim ersten Durchblättern der Teslebenschen Manuskripte deren überwältigenden literarischen Rang und übergab diese der begeisterten geisteswissenschaftlichen Fakultät (“Daher also der Name!” hätte Teslebens / Friedlos freudig-erstaunt ausgerufen) der Universität Zotenburg, an der auch Teslebens selber bei dem bedeutenden Philosophen Leo Flappsiger seine Studien absolviert hatte. Beauftragt mit dem Redigieren und Publizieren des Fundes, der neben Gedichten und Aphorismen sowie einem unter den Pseudonym “Agnesia Achwemir” verfassten Frauenroman (“Seerosen haben keine Dornen”) auch ein alternatives Libretto zu Alwin Schmockbergs bekannter Skandaloper “Der Zahnstocher” (geschrieben für die Treppe hinunterfallendes Orchester) umfasst, wurde der ewige Privatdozent Matthaeus Artolaganus, der bisher weniger durch wissenschaftliche Leistung geglänzt hatte, sondern den Germanistenkollegen eher durch das ständige Reden über die Fortschritte an seiner Richard Wagner-Novelle (Arbeitstitel: “Die Bayreuther Schickse”), an der er seit über zwölf Jahren schrieb, auf die Nerven ging. Gezwungenermaßen wählte der wenig zahlenaffine Artolaganus, der sich in der Höhe des ihm zugeteilten Forschungsbudgets verlesen hatte und der deshalb in der ersten, euphorischen Freude über diese neue akademische Chance bereits einen Großteil eben dieses Budgets versoffen hatte, das Internet als kostengünstige Publikationsform für das Friedlossche Oeuvre.

Im Folgenden sind nun die bisher bearbeiteten Funde aus dem Friedlos-Archiv der Öffentlichkeit preisgegeben, jener Öffentlichkeit, die Teslebens / Friedlos stets zu meiden suchte, die aber bekanntlich noch jeden eingeholt hat.

 

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LICHTENBERGSCHE FIGUREN

Aus den aufgefunden Notizen des Ferdinand Friedlos




"Für das Begreifen ist keine Kürze zu kurz."
JEAN PAUL

"Eine gewisse Seelengröße macht zur Menschenkenntnis unfähig."
JEAN PAUL

"Wer die Wahrheit geigt, dem schlägt man leicht die Fiedel auf den Kopf."
JEAN PAUL


Die Bezeichnung "Lichtenbergsche Figuren" rührt von dem  Göttinger Physikprofessor und Aufklärer Georg Christoph Lichtenberg her, einem  Autoren des 18. Jahrhunderts. Er ist heute nur noch wegen seiner literarischen  Hinterlassenschaften, vornehmlich seinen sogenannten "Sudelbüchern" bekannt, in  denen er Einfälle und Gedankenblitze in aphoristischer Kürze zu notieren  pflegte, hatte aber als Physiker auch das Phänomen entdeckt, dass, wenn man  Bärlappsporen auf eine Metallplatte streut und diese dann unter Strom setzt,  sich diese Bärlappsporen nach regelmäßigen Mustern anordnen. Diese Muster wurden  dann als "Lichtenbergsche Figuren" bezeichnet und dieser Name sei auf die im  folgenden wiedergegebenen und in der Tradition des großen Göttingers stehenden  Merkwürdigkeiten übertragen.

Bärlappgewächse gehören übrigens zu den blütenlosen Pflanzen,  also in die gleiche Familie wie die Farne, die Moose und der Verfasser dieser  Zeilen.

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Parteien sind technische Aggregate zur Erzeugung von Pensionsberechtigungen.

Und an den Iden des März war wohl selbst Julius Caesar mit seinem Latein am Ende.

Wer die Religion als Opium des Volkes denunziert, tut dies in der Absicht, den Markt für Opium zu übernehmen.

Die modernen Menschen folgen jenen Gestalten, die ihren vielfältig wuchernden Neurosen einen griffigen und schmeichelhaften Namen geben.

Das unumstößliche Fundament der progressiven Theologie bildet das Dogma von der Küngschen Unfehlbarkeit.

"Der fortschrittliche Katholik spricht von der 'historischen Dimension' des Christentums, um die Geschichtlichkeit seines Ursprungs in die Endlichkeit seiner Ziele zu pervertieren.
'Reich Gottes' ist im Wortschatz des Fortschrittlers das kirchliche Synonym zu 'Reich des Menschen'."
NICOLÁS GÓMEZ DÁVILA

Der Kapitalismus beruht auf der Ausbeutung des  Menschen, der Sozialismus hingegen auf dem Genickschuss.

Biblisch: Es soll Geistliche geben, die gerichtlich dagegen vorgehen, dass man in ihrer Nachbarschaft Hähne hält.

"Im Allgemeinen haben sich diese fürchterlichen Priester seit dem Seminar daran gewöhnt, in der Bibel einen Prüfungsstoff zu sehen, der nichts mit dem zu tun hat, was sie 'das praktische Leben' nennen."
LÉON BLOY

Der Schweizerländische Alpenschmock (Rosalia philosophis - Artolaganus 1998), im Volksmund auch als der Philosophenkäfer bekannt.  Dieses ursprünglich nur im Alpenraum beheimatete Schadinsekt breitete sich seit  den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts in der deutschen  Universitätslandschaft rasant aus, wo es seitdem oft an mehreren Universitäten  zugleich, wenn auch in wechselnder Morphologie beobachtet wurde. Experten  beruhigen jedoch die interessierte Öffentlichkeit: das Tier wird zwar durch sein  umtriebiges Verhalten als lästig empfunden, richtet jedoch in der Regel,  abgesehen von einigen Fraßspuren, keinen dauerhaften Schaden an

Die Phrase ist der Ausdruck eines platten Gedankens unter Umgehung des eigenen Gehirns.

"Der Schall: das Fleisch der Sprache. Geschwätz: wenn sie den Weg allen Fleisches geht."
HEIMITO von DODERER

Die blonde Isolde, die kleine, nette, holde, die machte, was sie wollte und heiratete, nicht, wie sie sollte, den alten, knauserigen Bolte, sondern den jungen Alois Nolte - sonst wäre sie schon längst die Witwe Bolte.

Das Bestreben der deutschen Bischöfe, umtriebig das protestantische Geschäftsmodell der Anbequemung des Christentums an das bürgerliche Heldenleben zu übernehmen, erinnert an einen weltklugen Buchhändler, der, ob seiner pekuniären Verluste, seinen kleinen stimmungsvollen Laden mit den schönen, alten und gehaltvollen Leinenbänden in eine Videothek umwandelt.

"Nachdem die Wissenschaft und die Technik den Glauben und die ewige Seligkeit zerstörten, ist auch von der irdischen nicht viel übriggeblieben... Die Kirchen jedoch versuchen, der ernüchterten Welt sich anzupassen, sie sind nachsichtig gegen die Zweifelnden, bestehen nicht auf der Übernatur, geben den Himmel preis, der von Sputniks befahren wird, machen Gott zum Symbol, die Hoffnung zum Prinzip und das Paradies zur Legende. Was sie behalten wollen, ist die Ergänzung zur Gesetzlichkeit, die Leistung der Religion als Hilfe beim geordneten Zusammenleben. Doch indem die Absicht sichtbar wird, ist der Glaube schon vergangen, der Staat hat die Gesinnung selbst zu regulieren, er muß zum totalitären werden, da die Religion erledigt ist. Ich traure dem Aberglauben vom Jenseits nach, weil die Gesellschaft, die ohne ihn auskommt, mit jedem Schritt, mit dem sie dem Paradies auf Erden näherrückt, von dem Traum sich entfernt, der die Erde erträglich macht."
MAX HORKHEIMER

Die Soziologie wäre sicherlich eine interessante Fachrichtung, würde sie  nicht von Soziologen betrieben werden.

Haarige Szenen: Wenn Dänen sich beim Gähnen genussvoll aus den Fenstern lehnen,  werden sich die Strähnen ihrer Mähnen im Winde dehnen, während die Haare auf den  Zähnen sich im Paradiese wähnen.

Die Seelenlandschaft unserer Jugend ist eine Gemengelage  von guten und schlechten Gewächsen. Danken wir täglich Gott, wenn darin die  guten Gewächse schneller emporwachsen konnten, als die schlechten, so dass die  letzteren gezwungen sind in dichter Beschattung dahinzuvegetieren.

Die Menschen sehen fern, um das Naheliegende nicht betrachten zu müssen.

Weite Entfernungen legte sie lieber mit Hilfe ihrer Stimme als mit Hilfe ihrer Beine zurück.

Moderne menschliche Beziehungen erinnern in ihrem Charakter und ihrer Funktion stark an Wärmestuben oder Pissoirs.

Nachdem ein bekannter Fernsehkoch den Tipp gegeben hatte, Zwiebeln, um tränende Augen zu vermeiden, immer unter Wasser zu schneiden, ertranken mehrere Hausfrauen auf tragische Weise.

Das letzte Werk von Günter Grass: Beim Schneiden des Rotkohls.

Das aus der sakralen Sphäre herrührende Adjektiv "laienhaft" hat nun ausgerechnet in den Fragen des Glaubens und der Kirche seine pejorative Bedeutung verloren, verhindert also nicht länger den Zugriff der gierigen und schmierigen Finger des Bürgers auf diese Sphäre.

Vielleicht begeben sich gerade in diesem Augenblick die Pilze auf die Suche nach uns.

Hessischer Lemming (Lemmus  hassianis - Artolaganus 2012): Der Hessische Lemming, ein  dem Menschen äußerlich ähnliches Schadnagetier mit auffallend blondem und  lockigem Fell. Benagt vor allem kleine und mittelständische Firmen, deren  Inhaber und Mitarbeiter, sobald die Vorräte weggefressen sind, dem stets lustigen  Lemming in einem großen Umzug in den nächsten Abgrund folgen. Die Art  überwintert gemeinhin in einem dichten Lügengespinst, an welchem sie das ganze  Jahr über arbeitet, wobei sie sich immer mehr darin verheddert. Auffällig am  Verhalten dieses Lemmings ist außerdem, dass er - bei sonst vollkommen fehlendem  Schamgefühl - stets sehr darum besorgt ist, dass ihm niemand, wie er selber es  bei jeder Gelegenheit formuliert, "zu tief in den Popo schaut."  Verhaltensforscher rätseln über die Bedeutung dieser Eigenart, die sich um so  seltsamer ausnimmt, als das sonstige Seelenleben des Hessischen Lemmings nicht sehr  komplex ausgeprägt ist, bzw. schlicht nicht vorhanden ist. Man vermutet  daher, dass der Anus im Fortpflanzungsritus dieser Art eine wichtige, jedoch  erst noch zu klärende Rolle spielt. Die Art ist ursprünglich endemisch auf die Region Hessen beschränkt, wird jedoch in jüngster Zeit auch im fränkischen Raum häufiger beobachtet. Wildbiologen sehen dieses Ausgreifen der früher räumlich eng begrenzt vorkommenden Spezies mit großer Sorge, richtet sie doch dort, wo sie sich einmal festgesetzt hat in der Regel immensen ökonomischen Schaden an.
Siehe zur Vertiefung auch  Leif S. Windler / Honest B. Heppnersheimer: Zur Biologie des Hessischen Lemmings. Ein Schadnagetier in der Mitte Deutschlands. Übersetzung aus dem Englischen von Matthaeus Artolaganus. Zotenburg 2013

Der geschichtliche Beruf des Konservativen ist es, die Übel von gestern gegen die Übel von morgen zu verteidigen.

"Alle früheren Zeitalter fühlten sich irgendwo verankert und waren es  infolgedessen auch."
HANS FREYER
 
Die Weltverbesserer aller Couleur, die der Menschheit der Zukunft ein Paradies auf Erden errichten wollen, indem sie die Menschen der Gegenwart unter die Erde bringen.

Die modernen Menschen lassen sich moralische Vorhaltungen lieber von ihrem Arzt als von einem Geistlichen machen, ohne freilich dieser neuen Instanz mehr  zu folgen, als der alten.

"Alles, was mit Moral zusammenhängt, geht letzten Endes auf Theologie zurück."
MAX HORKHEIMER

"Was der Jugend an moralischen Impulsen übermittelt wird, auch insofern sie frei von Konfessionen mit bewußtem Atheismus zusammengehen, ohne Hinweis auf ein Transzendentes wird es zur Sache von Geschmack und Laune wie das Gegenteil."
MAX HORKHEIMER

Er stand als Debitor im Kontokorrentbuch des Teufels.

Besser in der Vergangenheit leben, als in der Zukunft zu sterben.

Vor dem Siegeszug der Moderne hatten noch die einfachsten, alltäglichsten Handlungen eine sakrale Dimension. In der bei sich selber angekommenen Moderne hingegen nehmen sich noch die bedeutsamsten Vorgänge als zutiefst banal aus.

Ein Gespräch unter Fremden im Zugabteil: "Wissen Sie, an wen Sie mich erinnern?" - "Leider nein." - "Schade. Ich nämlich auch nicht."

Fraglich: Durch diesen hohlen Schädel soll er kommen, der Gedanke?

"An Gott glauben, auf Christus vertrauen, mit Schalkhaftigkeit schauen."
NICOLÁS GÓMEZ DÁVILA

Wir sind alle alleine. Die meisten von uns wissen dies nur nicht, da sie sich zu viel in Gesellschaft aufhalten.

Das Schöne ist wie ein Riß in der Wirklichkeit, durch den das Licht einer anderen Welt dringt.

"Gott ist so sehr Künstler und so wesentlich, daß etwas nicht stimmen muß mit dem, der die Kunst verachtet, auch wenn er fromm und gläubig ist. Es gibt schlechterdings nichts in den Werken der Natur, das nicht als Kunstwerk geschaffen wäre; auch die 'Wiederholung' ist höchste Kunst: jedes einzelne Blatt ist ein Kunstwerk."
THEODOR HAECKER

Der moderne Mensch kennt kein Ehrgefühl mehr, welches angreifbar wäre, sondern lediglich narzisstische Kränkungen.

"Jeder Mensch muss den Widerspruch ertragen, sich als Mittelpunkt der Welt zu erleben, aber genau zu wissen, dass er völlig überflüßig ist."
MAX HORKHEIMER

Es gibt nur ein Wesen, welches schlimmer ist als ein Politiker ohne Prinzipien, nämlich ein Politiker mit Prinzipien.

"Politik, die, sei es höchst unreflektiert, Theologie nicht in sich bewahrt, bleibt, wie geschickt sie sein mag, letzten Endes Geschäft."
MAX HORKHEIMER

Der Tod verleiht dem Leben die Tiefe eines Grabes.

"Vielleicht ist ein unmächtiges und gequältes Leben, das voll Güte war, nicht verloren, vielleicht hat es einen ewigen Morgen. Wir können es nicht wissen."
MAX HORKHEIMER

Er entpuppte sich als der Elefant im Porzellanladen, den man aus einer Mücke gemacht hatte.

Den Ernst unserer Lage kann man am deutlichsten an dem Niveau des politischen Personals ablesen, welches wir beständig angehalten werden, ernst zu nehmen.

"Verändert man den Sinn der Wörter einer ausgebildeten Sprache, ist es gleichermaßen, als verschlechtere man den Wert des Geldes in einem Reich; man stiftet Verwirrung, Ungewissheit und Misstrauen mit den Instrumenten der Ordnung, der Klarheit und des öffentlichen Vertrauens: Wenn man die Möbel im Zimmer eines Blinden verstellt, verdammt man ihn dazu, sich ein neues Gedächtnis aufzubauen."
ANTOINE de RIVAROL

1984: Haben wir uns erst einmal daran gewöhnt, nicht zu sagen, was wir denken, werden wir bald aufhören zu denken, was wir nicht sagen dürfen.

Kunst, gerade auch die Dichtkunst, ist ein unterhaltsames und handwerklich anspruchsvolles Spiel mit Bedeutungen, ist also scharf zu unterscheiden von Propaganda, Pressegeschreibsel oder Pornographie, deren Grenzen untereinander zusehends verschwinden.

"An den Parabeln des Herrn läßt sich das Problem der ästhetischen Form in höchster Reinheit betrachten: Symbolwerdung eines unendlichen Gehalts in einer endlichen Form, wobei diese dem 'inspirierten' Hörer immer neue Perspektiven bis ins Unendliche eröffnet, ohne dabei aus ihrer Endlichkeit herauszutreten, sich in Geist zu verflüchtigen."
HANS URS von BALTHASAR

Das Ich ist die Distanz, die wir gegenüber uns selber wahren.

Das Leben verläuft entlang des Striches, den es durch unsere Rechnungen zu machen pflegt.

Der durchschnittliche Gläubige benimmt sich heute gegenüber der Katholischen Kirche so, als gehöre er zu ihren Gläubigern.

Der liebe Gott ist nicht unser nur stundenweise zu konsultierender Psychotherapeut.

Ahnen wir auch nur im geringsten, wie lästig wir den Stubenfliegen fallen?

"Gott redet zum Menschen in den Wesen und Dingen, die er ihm ins Leben schickt."
MARTIN BUBER

Die Moderne ist wie ein verläßliches Mittel gegen Verstopfung, welches ebenso verläßlich Diarrhoe hervorruft.

Kollektive funktionieren stets nach dem Fassdaubenprinzip. Ihre niedrigsten Elemente bestimmen das Niveau.

"Unter politischer Entscheidung versteht man heute im allgemeinen den Anschluss an eine Gruppe."
MARTIN BUBER

Geistige Diarrhoe ist eine Krankheit, die erwiesenermaßen unheilbar ist, aber leider auch nicht tödlich endet.

Menschen kann man belügen, die Dinge hingegen nicht. In diesem ehrlichen, weil sachlichen Kern liegt die Differenz zwischen allen produktiven Tätigkeiten und den sogenannten Dienstleistungsberufen.

Der typische Propagandist des Liberalismus ist heute pensionsberechtigt.

Der Politiker sucht stets die Nähe zum Bürger - wie der Taschendieb auch.

Das Leben ist wie eine vergiftete Schachtel Pralinen. Spätestens das letzte Praliné ist tödlich.

Viehischer Humor: Fällt Hirte Hitzig morgens um sieben von den steilen Stiegen, so dass sich seine Ziegen vor Lachen den langen Hals verbiegen, sich prustend und schüttelnd die Bäuche wiegen, um dann schließlich kichernd auf der Weide zu liegen, dann werden diese albernen Ziegen wohl bald Besuch vom Schlachter Kaltbluth kriegen.

Jeder Staat beruht in seinem Kern auf dem Prinzip der Schutzgelderpressung. Die Mafia zahlt lediglich besser als der öffentliche Dienst und sorgt effizienter für Ruhe und Ordnung.

Der menschliche Verstand ist die Bedingung der Möglichkeit von Dummheit.

Die Moderne löst ihre Probleme, indem sie beständig neue schafft.

Der Name täuscht: Intelligenz ist weiß Gott keine Voraussetzung für die Ausübung des Berufs eines Intellektuellen.

Die Sottise ist der täglich gelebte Kompromiss zwischen Barbarei und bürgerlichem Heldenleben.

Die immerhin technisch begabte Moderne ersetzt das Selbst durch das Selfie.

"Im Augenblick ihrer Vollendung ist Vernunft irrational und dumm geworden. Das Thema dieser Zeit ist die Selbsterhaltung, während es gar kein Selbst zu erhalten gibt."
MAX HORKHEIMER

Oft ist es schwieriger, sich aus einer Sache wieder herauszudenken, als sich in die selbe hineinzudenken.

Ihm war ein Licht ausgegangen.

Ein Politiker mit geringem Einkommen erinnert an eine wenig frequentierte Prostituierte.

Auch harte Nüsse sind gleichwohl oft taub.

"Eine der niedrigsten Tendenzen des Menschen ist: irgendwo dazugehören zu wollen."
HEIMITO von DODERER

Unsere übelsten Handlungen lassen sich oft auf unsere Angst vor Vereinsamung zurückführen.

"Wer sich respektiert, kann heute nur noch in den Zwischenräumen der  Gesellschaft leben."
NICOLÁS GÓMEZ DÁVILA

Im Zeitalter des Neoliberalismus tritt der Kriminologe an die Stelle des Wirtschaftswissenschaftlers.

In der Ära des Neoliberalismus hat die englische Sprache die Rolle übernommen, die einst dem Rotwelsch zukam.

"Das größte Problem, das ich mit der Moderne habe, besteht wohl in der zunehmenden Kluft zwischen dem Ethischen und dem Legalen."
NASSIM NICHOLAS TALEB

Jetzt, da die Menschen nicht mehr nach dem ewigen Leben streben, misslingt ihnen zusehends auch das irdische.

Ab einer gewissen Stufe der Selbsterkenntnis wird man sich eingestehen, dass man auch zu jenen Menschen gehört, die man in seinem Leben besser nicht kennen gelernt hätte.

Es ist einträglich, seiner Zeit weit voraus zu sein, sofern die Einzahlungen bereits in der Gegenwart auf dem Konto des Visionärs eintreffen.

Mikroökonomie des Friedhofwesens: Die Präferenzen sind verschieden. Die Präferierenden werden es früher oder später ebenfalls sein.

Sie wurde allgemein als praktizierende Blondine eingeordnet, doch es kursierten  Gerüchte, wonach sie konvertiert sei.

Es sind die großen und kleinen Traditionen, die uns aufrecht erhalten.

Atemlos in letzter Minute auf den falschen Zug aufzuspringen - das ist der Inbegriff der Praxis des modernen Menschen.

Umgekehrtes Vorzeichen: In einer zunehmend links dominierten Gesellschaft wandelt sich linke Gesellschaftskritik in eine perfide und geschwätzige Form der Affirmation des Bestehenden. Dem späten Horkheimer war dies bewußt.

"Zwischen Achtung und Verachtung des Lebendigen verläuft die Trennungslinie, nicht zwischen dem sogenannten Links und Rechts, dem schon veralteten bürgerlichen Gegensatz. Die Cliquen mögen sich bekämpfen, wo ihre Interessen es fordern, ihre wirklichen Gegner sind die sich ihrer selbst bewußten Einzelnen."
MAX HORKHEIMER

Hobbes: Der Staat ist die Bestie, die der Mensch geschaffen hat, um die Bestie Mensch im Zaum zu halten.

"Diese Leute sind so voll von ihren Theorien über die Rechte des Menschen, daß sie seine Natur gänzlich vergessen haben."
EDMUND BURKE

Bildungsfernsehen: Das Schlimme an der Wissenschaft von der Geschichte ist, dass inzwischen jeder Schmock glaubt, er verstünde etwas von ihr.

Das schlimmste, das einem Volk widerfahren kann, sind Politiker, die anfangen, an ihre eigenen Lügen zu glauben.

Die Geier, die sich am Ende einer Epoche von deren Aas ernähren, werden von den Zeitgenossen zunächst meist als zwar schräge, aber harmlose Vögel wahrgenommen.

Eine Lichtgestalt dank künstlicher Beleuchtung.

Artistik: Man kann ohne Verstand räsonieren, so wie man auch freihändig Fahrrad fahren kann. Mitunter erweckt man damit sogar den Eindruck großer intellektueller Kunstfertigkeit.

Bologna: Es fehlt zur Vollendung des marktkonformen Umbaus der deutschen Universität nur noch, dass in den Seminaren der Germanisten mit der englischen Übersetzung des "Faust" gearbeitet wird.

Von unseren Mitmenschen dürfen wir keine Gerechtigkeit erwarten, von Gott müssen wir diese befürchten.

Der Beruf des Strauchdiebs wird auch deshalb so gerne ergriffen, da er weder botanische noch sonstige Fachkenntnisse voraussetzt.

"Die Gegenwart ist nur ein kleines flackerndes Lichtlein; wahre Erhellung kommt stetig aus der Vergangenheit."
HEIMITO von DODERER

Mit mancher alten Uhr läßt sich die moderne Zeit trefflich messen.

Nostalgie: Das Leben wäre so schön, hätten wir es nur schon hinter uns gebracht.

In der zur Spaßgesellschaft verzwergten westlichen Moderne glaubt man, ein Problem sei gelöst, wenn die Kabarettisten im Fernsehen sich seiner angenommen haben.

Ob das Jüngste Gericht dereinst wohl ärztliche Atteste akzeptieren wird?

Die Würde des Menschen tritt am deutlichsten dort zu Tage, wo sie zu bröckeln beginnt.

"Das Leben eines jeden Menschen ist wenn man es im Ganzen übersieht ein Trauerspiel; im Einzelnen betrachtet aber ein Lustspiel. Das Leben des Tags, die Plage des Augenblicks, das Wünschen und Fürchten der Woche, die Unfälle jeder Stunde sind lauter Komödienscenen. Aber das vergebliche Streben, die zertretene Hoffnung, die unseligen Irrthümer des ganzen Lebens, und der Tod am Schluß, sind immer ein Trauerspiel."
ARTHUR SCHOPENHAUER

Der heutige Durchschnittsabiturient hält die Mayas für ein Bienenvolk.

Man kann eine Kultur planmäßig zerstören, aber man kann keine Kultur planmäßig aufbauen.

Die Tragik des modernen Individuums erschöpft sich darin, unglücklich in sich selber verliebt zu sein.

Der moderne Mensch würde in der Gegenwart eines Heiligen nicht Ehrfurcht, sondern eine Kränkung seiner Eitelkeit empfinden.

Engagement: Künstler, die mit ihrem Werk etwas bewirken wollen, wirken zumeist reichlich bemüht.

Die Kirche muss den Sündern beistehen. Aber die Kirche muss den Sündern nicht beipflichten.

”Das Dogma zu vereinheitlichen, die Moral zu mildern, den Ritus zu vereinfachen fördert nicht die Annäherung des Ungläubigen, sondern die Annäherung an den Ungläubigen."
NICOLÁS GÓMEZ DÁVILA

Der Teufel steckt im Detail. Gut für uns, wenn er darin stecken bleibt.

Die beiden hatten einen Verein zur gegenseitigen Versicherung ihrer Bedeutsamkeit eintragen lassen.

Der Lieblingsroman aller Innenarchitekten: Adalbert Stifters "Nachsommer".

Der moderne Mensch ordnet als pflichtbewußter Hedonist sein persönliches Glück seiner Lust unter.

Man lobt gerne und großzügig über den grünen Klee, der auf Gräbern wächst.

Auch ohne eigene Persönlichkeit kann man persönlich erscheinen.

In den Werken von Autoren wie Vilfredo Pareto oder Robert Michels kehren sich die originär linken Denktechniken gegen die Linke. Man kann darin auch eine Form der Dialektik der Aufklärung sehen.

Er blickte mit Wermut auf sein Leben zurück.

Der Blasenfisch (Salmo vesica - Artolaganus 2013), eine winzige Forelle, die ihr adultes Dasein in der menschlichen Blase verbringt. Die hellgelb schimmernde Spezies ernährt sich dort von den Überbleibseln der von ihrem Wirt aufgenommenen Nahrung. Der Wirt bemerkt die Existenz des kleinen Fisches zumeist nur während der Paarungszeit im April, in der der Fisch ein äußerst agiles Verhalten an den Tag legt. Der nach dem intensiven Paarungsspiel abgelegte Laich wird zusammen mit dem Urin ausgeschieden, so dass die Larven des Fisches die ersten drei Jahre ihres Lebens in den Toiletten und der angeschlossenen Kanalisation verbringen. Erst wenn sie ausgewachsen sind wandern die Tiere im menschlichen Urinstrahl, gegen die reißende Strömung geschickt ankämpfend, nach oben und nisten sich in einer neuen Blase ein. Der Blasenfisch gehört heute, durch die sich in der zivilisierten Welt zunehmend ausbreitende Verwendung von chemischen Toilettenreinigern, aber auch durch die Tatsache, dass der kleine Fisch in Frankreich als Delikatesse sehr geschätzt wird, zu den stark gefährdeten Arten.

Blätterrauschen: Der typische moderne Durchschnittsjournalist bezieht seine Existenzberechtigung daraus, selber ein wenig von dem Wind zu produzieren, in welchen er sein Fähnchen hängt.

Der glaubenstreue Katholizismus ist heute als das Widerständige zu betrachten, quasi als ein römischer Viadukt, dessen majestätische Ruine in die Welt der Barbaren hineinragt, und in dem noch ein Rinnsal fließt.

Leider kann man sich nicht im selben Sinne "entblöden", in welchem man sich "entkleiden" kann.

Jedermann kennt den Namen Iwans des Schrecklichen. An einen "Iwan den Erträglichen" würde sich niemand mehr erinnern.

Er glaubte, er habe es faustisch hinter den Ohren.

Kommunikatives Handeln I: Sagt der Taube zum Blinden: "Sehen  Sie mich gefälligst an, wenn ich mit Ihnen rede!" Antwortet der Blinde: "Sie  wollen mich einfach nicht verstehen!"

Kommunikatives Handeln II: "Wir werden sehen", meinte der Blinde. "Wenn ich das schon höre!", entgegnete der Taube.

Kommunikatives Handeln III: Zwei Juden, die sich über die Auslegung des Gesetzes streiten, kommen zum Rabbi und verlangen von ihm eine Entscheidung. Nachdem der erste seine Auslegung vorgebracht hat, bestätigt ihm der Rabbi: "Da hast Du recht gesprochen!" Als aber der zweite Jude seine Auslegung vorträgt, bestätigt auch ihm der Rabbi "Da hast Du recht gesprochen!" Eines der dabeistehenden, bisher nur zuhörenden Gemeindemitglieder wirft darauf ein: "Aber Rabbi! Es können doch nicht beide recht haben!" Der Rabbi überlegt kurz und antwortet: "Da hast nun wiederum Du recht gesprochen."

Manchmal hilft nur die Liebe zum Detail, um das Ganze zu ertragen.

Buchungsschluss: Der Tod dreht uns eine Buchhalternase.

"Mit dem Tod und seinem Sinn im System der Sittlichkeit ist es so bestellt:  daß wir Lebendigen nicht die rechten Philosophen sind, über den Tod nachzudenken  - das Leben kommt uns immer wieder dazwischen. Und dennoch, da er ja doch gar  sehr unsre Angelegenheit ist, lieben wir ihn als ein äußerstes Problem, fast als  wäre er das eigentliche Rätsel des Lebens. Wir können ihn nicht ringsum wie  andre Gegenstände, sondern immer nur von einer Seite betrachten, darum bleibt er  etwas Grenzenhaftes, ein Schleier, ein Schemen. Und dennoch wissen wir, er ist  auch noch Leben: letztes Erlebnis der befreundeten Glieder, letzter Zug aus dem  Becher des Seins, letzte Tat oder letztes Schicksal. Wir können ihn frei  erwählen, frei erleiden, frei mit ihm spielen. Und doch ist keine andre Macht so  Herr über uns wie er, und alles Lebendige auf Erden ist ein Totentanz nach  seiner grausamen Pfeife."
HANS FREYER

"Wir sollten uns einmal gleich damit  abfinden, daß wir irgendwann einmal 'sinnlos' sterben werden, das  heißt, durchaus bei unfertigen Sachen, und ohne bewältigende Resultate und  Lösungen in der Hand zu haben: anders stürben wir garnicht. Der Tod  desavouiert unsern Kram."
HEIMITO von DODERER

"Aus dem Tod eine schwarze Sache zu machen - das ist eine Idee der Bestattungsunternehmer."
LÉON BLOY

Man muss sich den Teufel wohl als einen kommoden und umgänglichen Herrn vorstellen, der aber am Monatsende unerbittlich die Rechnung präsentiert. Also als einen typischen geschäftstüchtigen Bürger dieser Welt.

Das moderne Individuum ist überall einsam, aber nirgends allein.

Der Hl. Superbius, Schutzpatron der leitenden Angestellten, auf Darstellungen stets an seinen typischen Attributen erkennbar: dem bequemen Bürostuhl, dem aufgeschlagenen Manual mit den sententiae inanes und nicht zuletzt der wichtigen Miene.

Wer die Moral hochhält kann leichter unter ihr durchschlüpfen.

"Man hat heutzutage mehr Magister der Rechtschaffenheit als rechtschaffene  Menschen."
GEORG CHRISTOPH LICHTENBERG

Gott hindert uns daran, uns mit dem erschreckend folgerichtigen Sinn, den diese Welt ohne ihn ergäbe, restlos zu arrangieren.

Das Zeitalter des Barock, als selbst die protestantischen Dichter noch katholisch waren.

Aller Menschenkenntnis, und damit implizite auch aller  Selbsterkenntnis wohnt etwas Maliziöses inne. Müßig zu fragen, ob dies am  Subjekt oder am Objekt des Erkennens liegt.

Wenn der Mensch liebenswert wäre, würde der Aufruf zur Nächstenliebe kein Ärgernis darstellen.

"Die sogenannten Menschen sind fast durchgängig nichts andres als  Wassersuppen mit etwas Arsenik."
ARTHUR SCHOPENHAUER

Satire darf tatsächlich alles - außer dem Opportunismus zu frönen.

Lob des Herkommens: Das Leben ist darauf ausgerichtet aus der Vergangenheit heraus die Gegenwart zu bewältigen um eine Zukunft zu erringen. Wer hingegen die Gegenwart damit ausfüllt, die Vergangenheit zu bewältigen, wird keine Zukunft haben.

Es heißt viel zu verlangen, von der Kirche lebensnahe Antworten zu fordern, wenn dieses Leben gottesfern ist.

Ökumene bedeutet, dass der Katholik sich bis zum Jüngsten Tag dafür entschuldigen muss, noch nicht protestantisch genug zu sein.

Religare: Eine Institution, die ihren Wesenskern und ihre Geschichte für mehr oder weniger unverbindlich erklärt, wird - abgesehen von ihren Gehaltsempfängern - niemanden dauerhaft an sich binden können.

"Das Individuum trägt nur Früchte, wenn es in eine Tradition gebettet ist."
NICOLÁS GÓMEZ DÁVILA

Das beste Mittel zur Stabilisierung eines politischen Systems ist es, die überall wie Pilze aus dem Boden schießenden Revolutionäre gleich zu Beginn ihrer verheerenden Karriere mit Pensionsansprüchen auszustatten, statt wie im geschichtlichen Normalfall erst an deren Ende.

Wer den progressiven Predigten andächtig lauscht, der erspart sich zumindest den Kauf einer Tageszeitung.

"'Etre absolument moderne' ist der spezifische Ehrgeiz des Kleinbürgers."
NICOLÁS GÓMEZ DÁVILA

Die Öffnung der Hl. Kirche für die "Mitwirkung" der Laien wird unweigerlich wie bei den Baptisten enden: Jeder, der seinen Zeigefinger über der Bibel kreisen läßt, wird das Predigeramt beanspruchen.

Das Grab ist das Siegel auf dem ungeschriebenen Vertrag, der zwischen den Lebenden und den Toten besteht.

Glaubt man den Predigten der Progressiven so führen alle Gleichnisse Christi mit Hilfe von zwei oder höchstens drei gedanklichen Sprüngen in den Sozialismus.

"Die Beimischung einiger Tropfen Christentums zu einer linken Gesinnung, verwandelt den Trottel in einen perfekten Trottel."
NICOLÁS GÓMEZ DÁVILA

Unter Nießbrauch versteht man das schon im Sachsenspiegel verbriefte Recht, im Notfall das Taschentuch des Stammesgenossen benutzen zu dürfen.

Es ist soweit gekommen, daß die Hirten mit den Wölfen heulen.

Eine niedergehende Kultur ist auch dadurch gekennzeichnet, dass die Konturen, die ehemals ihre verschiedenen Sphären voneinander trennten, verschwimmen und ineinander übergehen. Ein Symptom dafür ist heute, dass die Politiker sich zunehmend im Tonfall des Predigers gefallen, während die Priester der Versuchung,  zu politisieren, nicht widerstehen können.

Die gute Gesinnung macht heute das gute Gewissen. So kann man im abstrakt Allgemeinen des Ideellen die eigene individuelle Dürftigkeit umfassend camouflieren.

Die moderne Gesellschaft ist eine Zusammenballung von Individualisten ohne Individualität.

Die Muse, welche ihn geküßt hatte, war wohl in venerologischer Behandlung.

Bildungskrise: "Mein Mann hat mich ganz schön in die Bredouille gebracht." - "Ach ja? Wir waren im Urlaub in der Bretagne!"

Die herrschenden Ideen der Moderne werden auch deshalb zu den herrschenden, weil es ihnen gelingt die übelsten Eigenschaften der Menschen anzufüttern.

Das heute so verbreitete Konzept des "Infotainment" ist Ausdruck einer unumkehrbaren Infantilisierung ganzer Kulturen.

Mit der Säkularisierung des Staates wandert das Sakrale in die Mimik und die Phrasen seines politischen Personals.

Heute führen dort die Schlauen, wo es der Klugen bedürfte.

Neil Postman muss man als den Alexis de Tocqueville unseres Zeitalters würdigen.

Zu den unauslöschlichen Vorurteilen des Linken gehört der Glaube, in der Kunst und in der Politik könne Haltung das fehlende Talent ersetzen.

Eine erfolgsversprechende Strategie zur Beförderung der eigenen Karriere ist es, intellektuelle durch charakterliche Defizite zu kompensieren.

Das man sich am Sonntag in der Messe mit der Privatesoterik von Hinz und Kunz auseinandersetzen darf, war bis vor kurzem ein Privileg der Protestanten.

Jene Individuen, die offenherzig von sich bekunden, dass sie danach streben, sich selber zu verwirklichen, machen auch tatsächlich oft einen eher unwirklichen Eindruck.

Wem zu Jesus Christus nur noch Politisches einfällt, der ist wohl nicht nur in theologischer Hinsicht ein Einfaltspinsel.

Der Demokrat kritisiert die Mächtigen so lange, bis er ihre Stelle eingenommen hat.

Die Mehrzahl der Menschen orientiert sich an den Fähnchen, die andere in den Wind hängen.

Keiner der progressiven und kritischen Kleriker würde sich zu der Ketzerei versteigen, von der als skandalös denunzierten Kirche zu fordern, die regelmäßige Überweisung seines Gehalts einzustellen.

Die Unbeirrbarkeit ist die Tugend der Dummen.

Die politische Theologie der Demokratie beruht auf dem unauslöschlichen Aberglauben, dass im Recht sei, wer mit der größeren Herde trottet.

"Wer immer die Demokratie bejaht, mißtraue ihr."
MAX HORKHEIMER

Von der Kirche "lebensnahe" Antworten zu fordern, meint die Märtyrer aller Zeiten zu verhöhnen.

Was die Dummheit von der Einfalt unterscheidet, ist die Schlauheit, die mit der ersteren einhergeht.

"Wo die echte Unwissenheit aus allen Schlupfwinkeln gründlich vertrieben ist und dafür eine seichte Halbbildung sich über alle ohne Unterschied ergossen hat, da verwandelt die Selbstsucht das Wissen in Schlauheit; und je mehr diese letzte Eigenschaft bei einem Volke überhandnimmt, desto mehr werden die Menschen ihre Interessen und all ihr Sinnen und Trachten an die Gegenwart heften, ohne, was später einmal werden soll, zu berücksichtigen oder jemals über die nächste Generation hinauszudenken."
BERNARD MANDEVILLE

Der Konservative handelt, als ob er sich vor der Nachwelt verantworten müsste.
Der Progressive handelt, als ob sich die Nachwelt bei ihm bedanken müsste.

"Radikal sein heißt heute konservativ sein."
MAX HORKHEIMER

Das Leben erschöpft sich in verpassten Gelegenheiten und in Gelegenheiten, die man besser verpasst hätte.

Die Pfaffenbetrugstheorie der Aufklärer des 18. Jahrhunderts wird heute nur noch an linken Stammtischen und in der progressiven Theologie vertreten.

Altersstarrsinn setzt heute schon in der frühen Jugend ein.

Man wird die Kirche nicht aufwerten, indem man ihre Sakramente auf die Rangstufe von Freibier stellt.

"Religare" bedeutet sich rückbinden, sich befestigen. Wer das Fortschreiten, die Veränderung zum Selbstzweck seines Daseins erklärt, ist wohl in jeder Religion dieser Erde schlecht aufgehoben.

"Fortschritt ist die Religion derer, die keine haben."
LORD ACTON

Gott hat die Menschen als Mann und Frau erschaffen. Der Welt blieb es vorbehalten, sie in Hinz und Kunz zu verwandeln.

Der religiöse Glaube hat seinen Ursprung wohl auch in jenem geistigen Akt, in welchem der Mensch erkennt, was aus ihm zu werden droht.

Unter "Diskussion" versteht der moderne Linke, dass er sich dazu herabläßt seinen Gegner über dessen moralische Verworfenheit zu belehren.

Seitdem die Linken nicht mehr Hegel und Marx lesen, fürchten sie den Widerspruch wie den Teufel.

Das Massengrab als der Schauplatz der proletarischen Entdinglichung des Menschen.

Die fortschreitende Aufklärung erfasst immer weitere Kreise, so dass sich für die Bauern das Aufstellen von Vogelscheuchen nicht mehr lohnt.

Priester, die das Paradies auf Erden errichten wollen, müssen sich die Frage gefallen lassen, ob sie denn wenigstens von Wirtschaft und Gesellschaft mehr verstehen, als von Theologie.

Ein heutiger Geistlicher muss sich wohl entscheiden, ob er Priester oder Politiker sein will. Nur einer dieser beiden Berufsgruppen bringt man gemeinhin Vertrauen und Respekt entgegen.

Das Problem mit unseren Eliten ist nicht etwa, dass sie nicht gewillt sind, zu tun was sie können, sondern dass sie gewillt sind, zu tun was sie nicht können.

"Es ist wirklich das ungeheure Maß sozusagen ehrlicher Mühe und Arbeit kaum  glaublich, das mitunter bei Humbug und Schwindel geleistet wird. Ja, wir halten  solche enormen Energie-Aufwände für eines der Charakteristica unseres  Zeitalters, dessen gewaltige Kräfte vielfach auf diese Weise glücklich  verpuffen."
HEIMITO von DODERER

Menschen, die die Verbindung zu ihren Ursprüngen kappen, werden dadurch in der Regel nicht origineller.

Alle Welt will heute Politik machen, auch die Ärzte, die Priester und die Richter. Nur die wenigen noch arbeitenden Schuster bleiben bei ihren Leisten.

In uns allen findet sich ein trüber Pfuhl der Dummheit. Die naheliegenden Schlauheiten des Alltags sind dessen krötenhafter Auswurf.

Für eine Jugend, die ohne Gott aufwächst, weil die Eltern es schon so hielten, müsste der Glaube doch eigentlich deren rebellischen Geist locken.

Die Moderne ist überzeugt, sie könne den Teufel reiten.

Die Moderne oszilliert zwischen ihren Konjunkturen der Trivialität und des Terrors.

Das man den Fortschritt nicht aufhalten kann, ist kein Argument für den Fortschritt.

"Fortschritt ist der Übergang von Situationen, deren Nachteile man schon kennt, zu Situationen, deren Nachteile man noch nicht kennt."
ARNOLD GEHLEN

Der moderne aufgeklärte Bürger läßt sich von abgebrochenen Theaterwissenschaftlern und Kabarettisten die Welt erklären. Dies erklärt wohl hinreichend die Unumstößlichkeit seiner Überzeugungen.

Der moderne Mensch geht mit der gleichen Unbefangenheit an die Umwälzung von Staat, Nation und Kirche, mit der er sich zu einem Ikebanakurs der Volkshochschule anmeldet.

Ihre Beziehung scheiterte, als sich  herausstellte, dass ihre Katze gegen ihn allergisch war.

Wenn die Theologen anfangen, wie Soziologen zu sprechen, dann ist Gott von ihnen verlassen.

Wenn für alle nur noch der Weg das Ziel ist, bleibt eben so manches auf der Strecke.

Zu den fremden Zungen, in denen die Jünger an Pfingsten redeten, gehörte sicherlich nicht das Geseiere unserer modernen Soziologen oder das manipulative Rotwelsch der Politiker.

Und Abends erfährt der aufgeklärte und mündige Bürger dann aus dem Fernsehen, was er denkt.

Angesichts einer modernen Gesellschaft, die sich immer weiter von Gott entfernt, empfehlen die Wortführer der Progressiven, die Kirche solle, um "lebensnahe Antworten" bieten zu könnnen, der Gesellschaft auf diesem Weg folgen. Gegen die Stringenz dieser eigentümlichen Logik kann kein Argument ankommen.

"Demut ist keine Tugend, sondern die Einsicht, daß uns jegliche Tugend fehlt."
HANS URS von BALTHASAR

Die moralischen Kräfte der Moderne arbeiten beharrlich an der Erweiterung des Nadelöhrs und parallel dazu an der Verkleinerung des Kamels.

Nazis sind Linke, die versuchen ohne PR-Berater auszukommen.

Wer von sich sagt, dass er seinen Beruf ergriffen hat, weil er gerne mit Menschen arbeitet, ist entweder Pathologe oder Scharfrichter.

Die zunehmende Akademisierung der westlichen Gesellschaften läßt sich auch daran ablesen, dass die Menschen ihre Dummheit nicht mehr mit ihren eigenen Worten, sondern durch die offiziösen Phrasen zum Ausdruck bringen.

"Die Menschen sind stumm, soviel sie auch reden mögen. Heute ist die Rede schal, und die, welche nicht zuhören wollen, haben gar nicht so unrecht."
MAX HORKHEIMER

Wem wir das Wasser nicht reichen können, dem pinkeln wir eben ans Bein.

Die Epochen, in denen die Kirche als "zeitgemäß" gelten konnte, waren zugleich die Epochen ihrer tiefsten und finstersten Verweltlichung.

"Zur Definition der Mode gehört, daß sie nächstes Jahr wechselt. Das wahrhaft Christliche war zum Glück nie Mode, auch in den sogenannt christlichen Zeiten nicht."
HANS URS von BALTHASAR

Je mehr die Politiker betonen, den Bürger mitnehmen zu wollen, desto mitgenommener nimmt der Bürger sich aus.

Ein Fund im Antiquariat: Die Wahl der Qual. Lehrbuch für den angehenden Folterknecht. Berlin (Ost) 1953. Unveränderter Nachdruck der Ausgabe von 1935.

Und samstagnachmittags klickt sich der moderne Priester von heute seine Predigt im Internet zusammen.

In der DDR dienten die linientreuen Journalisten, anders als heute, dem werktätigen Volk. War kein Toilettenpapier mehr zu bekommen, griff man zum "Neuen Deutschland".

Wenn es das Anliegen von Jesus Christus gewesen wäre, seine Lehre an die Lebenwirklichkeiten der Zeit anzunähern, wäre er nicht auf einen Berg gestiegen, um zu predigen, sondern hätte im Tempel von Jerusalem eine Wechselstube errichtet.

Der moderne Mensch ist erfreut, in einer befreiten Welt zu leben, die ohne den Begriff der Sünde auskommt und
wundert sich dann, dass er sich auf niemanden mehr verlassen kann - am wenigsten auf sich selber.

Die Kirche ist die auf Dauer gestellte Hoffnung, die nicht von dieser Welt ist. Sie ist somit keine "andockungsfähige" NGO, kein einträglicher Sozialkonzern und auch keine staatsdienliche "Zivilreligion".

"Religion kann man nicht säkularisieren, wenn man sie nicht aufgeben will."
MAX HORKHEIMER

Er guckte schwerhörig.

Die technische Eigenlogik der Massenmedien führt zur Verdrängung der Argumentation durch die Agitation. Sie stellen daher das natürliche Kommunikationsorgan der modernen Massengesellschaft dar, die in ihrer Gesamtheit der gleichen Tendenz folgt.

Dass ein Theologe sich von Gott abwendet, erkennt man zuerst daran, dass er sich irgendeinem modernen Philosophen oder Soziologen zuwendet.

Wenn die Katze erstmal aus dem Haus ist, tanzen die Mäuse solange auf dem Tisch, bis die Ratten kommen und zur neuen Ordnung rufen.

Jetzt, da alle beanspruchen, "pragmatisch" zu handeln, funktioniert zusehends gar nichts mehr. Es fehlt eben an der Macht der koordinierenden, leitenden und beschränkenden Prinzipien, die die gesellschaftliche Evolution über die Jahrhunderte ausgelesen hat, um den Menschen erst ein vernünftiges und damit berechenbares Verfolgen ihrer Zwecke zu ermöglichen.

In unserem privaten Umfeld würden wir Individuen, die versuchen, uns zu manipulieren, die zu Lüge und Intrige greifen, um ihren Willen durchzusetzen und uns diesen, wenn sie es denn vermögen, schließlich durch bloße Macht aufzwingen, zuverlässig als menschlichen Abschaum identifizieren. Tragen diese Individuen jedoch ostentativ hehre Ideale vor sich her, so nennen wir sie plötzlich "Politiker" und zollen ihnen Achtung und Respekt.

Vermutlich der größte Irrglaube der progressiven Priester ist ihre Ansicht, die Menschen gingen wegen der Predigten in die Messe.

Als "mündiger Bürger" erweist sich derjenige, dessen Wortschatz auf die offiziösen Phrasen beschränkt ist.

Ein Linksliberaler ist ein Mensch, dessen Einkommen hoch genug ist, um es sich leisten zu können, auf Stehpartys die Ansicht zu vertreten, dass die Linke moralisch im Recht ist, der aber den Aspekt der Massengräber diskret behandelt wissen möchte.

Wem auch immer Kirchen dienen, die zu Dependancen der herrschenden Parteien und Mächte herabgesunken sind: sie dienen sicherlich nicht Gott.

Die überbordende Bedeutung des Superlativs in der Alltagsrhetorik der Moderne kontrastiert in eigentümlicher Weise mit ihrer faktischen Mediokrität.

Die Neoliberalen privatisieren das Politische, die Linken politisieren das Private. Der Bürger darf sich damit beruhigen, dass dies alles auf demokratischer Basis fußt.

Ohne die Stimme der Kirche in ihrer überlieferten Form füllt diese Welt das Geschrei des Marktes und das Gewisper des Parteienklüngels restlos aus.

Statusinkongruenz: Die progressiven Priester streben danach, ihren sozialen Status mit ihrem nicht zur Diskussion stehenden beamtengleichen ökonomischen Status in Einklang zu bringen. Bald werden sie darüber klagen, am Sonntag arbeiten zu müssen.

Arbeitsteilung: "Von Beruf bin ich Fliesenkleber." - "Sie meinen sicherlich 'Fliesenleger'?" - "Nein, das macht der Kollege."

Der horror vacui ist die eigentliche Triebkraft jedes unermüdlich umtriebigen Aktivisten.

Jesus Christus lies von seinen Jüngern Brot und Fisch an die Hungernden verteilen. Die moderne Kirche verteilt in seiner authentischen Nachfolge Gehälter an Verwaltungsbeamte und progressive Aktivist*innen.

Das trotz der Werke von Karl Kraus und Heinrich Mann die Journalisten den Nimbus genießen, als moralische Instanz zu gelten, zeigt, wie wenig Literatur und wie viel penetrantes Selbstmarketing zu bewirken vermögen.

Als seine Mutter Kevin dazu aufforderte, nun endlich sein Kinderzimmer aufzuräumen, machte Kevin die epochale Entgegnung, dass man erst eine gesamteuropäische Lösung anstreben müsse.

Eine "andockungsfähige" Kirche anzustreben, meint nichts anderes, als auf die einträgliche promiskuitive Vereinigung mit den Mächten und Gewalten dieser Erde hinzuarbeiten.

Die Händler und Geldwechsler, die Jesus Christus einst aus dem Tempel vertrieb, haben sich längst einträglichere Geschäftsfelder gesucht. Heute stünden zur Austreibung die Soziolog*innen und Politiker*innern an.

Durch die technische Eigenlogik der Massenmedien wird vieles gesagt, nicht etwa, weil es gesagt werden muss, sondern weil irgendetwas gesagt werden muss.

Es empört den progessiven Linken, dass wir nicht bereit sind, unsere Vorurteile aufzugeben, um die seinen zu übernehmen.

Menschliche Nähe: Nachdem Elfriede Krautschnebler ihrer nahezu ertaubten Nachbarin Jolande Pfefferkraut über den gemeinsamen Gartenzaun hinweg anvertraut hatte, sie sei nach Ansicht ihres Ehemannes einfach zu hellhörig, verbreitete sich im Viertel in Windeseile das Gerücht, die Hausfrau Krautschnebler sei einem Zuhälter hörig.

Ein Maientag: Legt sich der Hinnerk nackt und lose auf des dunklen Waldes grüne Moose, so krabbelt ihm in munterer Pose ein Käfer in die lässig abgelegte Hose, welcher auf dem Heimweg ihm ganz famose kneift in seine beste Chose. Der Hinnerk, fluchend wie ein Matrose, fängt den Übeltäter in einer leeren Dose und verarbeitet diesen mit triumphierendem Getose zu Hause zu leckerer Maienkäfersoße.

Georges Sorel oder: Die Geburt des Faschismus aus dem Geiste der linken Korruption.

Das noch vor hundert Jahren alltägliche Schimpfwort "Koofmich" ist aus dem deutschen Sprachschatz vollständig verschwunden. Der Begriff hat in unserer Zeit schlichtweg seine soziologische Trennschärfe eingebüßt.

Das Schicksal der Idiotie im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit.

Eine der wenigen intellektuellen Vergnügungen, die uns die Moderne in ihrer bunten Tristesse belassen hat, findet sich in dem kunstfertigen Herauskitzeln der unter- und zugleich abgründigen Bosheit, die allen progressiven Gutmenschen eigen ist.

Wanderers Frust: Wenn kleine, freche Meisen dem Wanderer beim Reisen gehörig auf den Kopfe scheißen, so dass ihm die Gesichtszüge entgleisen und Hut und Laune rasch verschleißen, dann werden diese dreisten Meisen nur noch “übles Federvieh” geheißen und während sie noch höhnend Zoten reißen, vom Ast geschoßen mit glühendem Eisen.

Das progressive Gedankengut ist die heiße Luft mit der sich die Mediokrität aufzublähen pflegt.

Die Progressiven aller Couleur wollen ihr Zerstörungswerk als "Befreiung" tituliert wissen.

Ein moderner Politiker ist so stark damit beschäftigt, Haltung zu zeigen oder auch Zeichen zu setzen, dass es ihn irritiert, wenn man von ihm die Lösung eines Problems einfordert.

Der typische Progressive kompensiert seine intellektuelle Minderbemitteltheit mit intellektueller Unredlichkeit.

Man bezeichnet einen Politiker gemeinhin dann als eloquent, wenn er sich beim Phrasendreschen ehrliche Mühe gibt.

The Theory of the Critical Class: Die Anziehungskraft der progressiven Ideenwelt beruht auf ihrer Funktion als kostengünstige Quelle der gesellschaftlichen Distinktion, die auch jenen Individuen offensteht, die sich den demonstrativen Konsum nicht leisten können.

Die Katholische Kirche in Deutschland ist zur genossenschaftlich verwalteten Pfründe des ZdK herabgesunken.

Der moderne Mensch ist bemüht durch den technischen und ökonomischen Fortschritt die Tragik aus seinem Leben zu verdrängen, um der Banalität den nötigen Raum zu gewähren.

Wer nie ein Buch gelesen hat, bleibt zwangsläufig dumm.
Wer hingegen nur ein Buch gelesen hat, wird zwangsläufig der Borniertheit anheimfallen.

Die banale Bosheit der Guten. Diese tritt immer dann zu Tage, wenn sie sich ertappt wissen.

Indem die Moderne in ihrer aktuellen Degenerationsphase das Intime zum zentralen Politikum erhebt, verwandelt sie den öffentlichen Diskurs unweigerlich in eine Form von Pornographie und das Intime in alltäglich gelebte Prostitution.

Für den modernen Menschen bezeichnet der Begriff Kultur ein Marktsegment.

Völker haften für ihre Eliten.

Die Moderne hält uns dazu an, "pragmatisch", "flexibel" und "undogmatisch" zu sein, und erzieht sich so jenes charakterlose Lumpenpack, welches sie benötigt, um noch einige wenige Jahrzehnte weiter zu degenerieren.

Das politische Geschehen unserer Gegenwart ist durch den Umstand geprägt, dass der moderne Spießer seine Neurosen nicht länger zum Psychiater, sondern in die Öffentlichkeit trägt.

Die Rede von den "Zeichen der Zeit" als "neuer Form der göttlichen Offenbarung" ist die rhetorische Umschreibung für das Wittern von Opportunitäten.

Der heroische Marsch der Linken durch die Institutionen wurde zumeist bequem im Sitzen absolviert. Dieser Vorgang war letztlich nur auf der Grundlage der innigen Wahlverwandtschaft zwischen Beamtentum und Sozialismus möglich.

Wenn man sich plötzlich unter Menschen wiederfindet, deren Reden und Tun sich nur um Sex und Macht dreht, so ist man entweder auf den örtlichen Straßenstrich oder aber auf den Synodalen Weg geraten.

Jesus Christus versuchte auch die Zöllner an sich zu ziehen. Die Zöllner, aber nicht das Zöllnertum.

Die Anstrengung, die es kostet, einem Außenstehenden die Inhalte und die Bedeutung eines der modernen Berufe zu erläutern, verhält sich umgekehrt proportional zu der Anstrengung, die es kostet, den jeweiligen Beruf auszuüben.

Die Basis der Moderne stellt jener Typus des charakterlosen Menschen ohne Eigenschaften dar, dem es nach einer "Bewegung" verlangt, die ihm eine Rolle und dazu auch den Text vorgibt.

In Jesus Christus nur einen von mehreren "maßgebenden Menschen" (K. Jaspers) zu sehen, ihn als eine sonderbare historische Gestalt zu betrachten, von der zufällig einige interessante und womöglich gesellschaftlich nützliche ethische Maximen überliefert sind, ist die moderne Variante jener Haltung, die den lieben Gott einen guten Mann sein läßt. Zugleich ist diese Haltung der geistige Kern der sogenannten progressiven Theologie.

"Die Vergottung des Menschen aber ist - recht verstanden - die Proklamation des Nihilismus. Mit der Zertrümmerung des biblischen Gottesglaubens und aller göttlichen Gebote und Ordnungen zerstört der Mensch sich selbst. Es entsteht ein hemmungsloser Vitalismus, der die Auflösung aller Werte in sich schließt und erst in der schließlichen Selbstzerstörung, im Nichts, Ruhe findet."
DIETRICH BONHOEFFER

"Außerhalb des Christentums geht alles Menschentum zugrunde. Sie haben keine Maßstäbe und keine Grundlagen. Wer Mensch sein will, muß Christ sein."
ALFRED DELP

Alle siegreichen Revolutionen enden damit, dass sie den Beamtenapparat vergrößern.

Heute ist derjenige der Souverän, der darüber entscheidet, was ein Einzelfall ist.

Wer Bedarf nach kultureller Bereicherung bekundet, muss zuvor kulturell verarmt sein.

Beim Predigen in der Kirche ist es wie in der Literatur: Wer uninspiriert ist oder schlicht nichts kann, der macht in Politik.

Die Liste der Sekundärtugenden, die man benötigt, um die westlichen Gesellschaften und ihre Institutionen zu zerstören, ist lang: Geistige Ignoranz, moralisch-charakterliche Flexibilität und rhetorische Penetranz sind nur die drei wichtigsten.

Banalität und Obszönität sind die beiden Gesichter der janusköpfigen Moderne.

Die aktuell zentralen geistigen Protagonisten der Moderne sind Gnome auf den Schultern von Zwergen.

Nunmehr ist die Kirche in Deutschland also in die Hände jener gefallen, die von der Kirche leben, obgleich sie für die Kirche leben sollten.

Betrachtet man es genau, so halten sich in unserem Leben Pech und Unglück exakt die Waage.

"Wer seine Schäfchen ins Trockene gebracht hat, der baut dann meistens dort auf Sand."
HEIMITO von DODERER

Die Progressiven in der Kirche haben inzwischen selbst jenes Gefühl für Stil verloren, welches die Atheisten noch besitzen, die beim Besichtigen eines alten Doms den Hut abnehmen.

"Wer nicht dazu in der Lage ist, spontan (also ohne analytisch vorzugehen) den Unterschied zwischen dem Heiligen und dem Profanen wahrzunehmen, der wird nie verstehen, was Religion bedeutet. Er wird auch nicht in der Lage sein, das zu verstehen, was gemeinhin Kunst genannt wird. Letztlich versteht er überhaupt nichts."
NASSIM NICHOLAS TALEB

Frau Dr. Elfride Leuthschrecker-Schmarrenberger, das erzliberale Urgestein.

Wenn die Kirche für sich zu werben sucht, indem sie ihre gesellschaftliche Nützlichkeit hervorhebt, so muss sie sich nicht wundern, wenn bald gesellschaftliche Kräfte auftauchen, die sich anschicken, die Kirche zu benützen.

"Wenn die Kirche (der Menschwerdung des Wortes entsprechend) eine sichtbare Größe ist, muß sie auch sichtbare Abgrenzungen haben."
HANS URS von BALTHASAR

Pontius Pilatus, der die wahrhaft philosophische Frage aufwarf, was denn Wahrheit sei, um sich dann um deren Beantwortung nicht weiter zu scheren, war der erste der postmodernen Intellektuellen.

Die Couchameise (Formicula lecti - Artolaganus 2014), eine aus Nordamerika eingeschleppte Kulturfolgerin, die sich in Wohnzimmern jeglicher Größe ansiedelt, um dort die auf der obligatorischen Couch lebenden menschlichen Individuen zu befallen, in deren Körperöffnungen sie Pilze züchtet, die dann als Futter für ihre Brut dienen. Das staatsbildende und -tragende Insekt, welches in der Regel komplexere Sozialformen ausbildet, als seine Wirtsmenschen, schwärmt dabei vor allem in nächtlichen Stunden aus, um Überreste von Kartoffelchips, Salzstängchen oder Schokolade einzusammeln, die es als Nährboden für die Pilzkulturen nutzt. Die Ameise schützt durch aggressives Verhalten ihre Wirte und das von ihnen bewohnte empfindliche Ökosystem auch vor störenden externen Elementen, wie etwa außenstehenden menschlichen Individuen oder Haustieren, durch deren Kontakt ihre Wirte eventuell angetrieben werden könnten, das geschützte Areal der Wohnung zu verlassen. Biologen konnten sogar feststellen, dass in vielen Wohnzimmern die Couchameisen inzwischen die Kontrolle über die Fernbedienung und damit auch über das Fernsehprogramm übernommen haben, immer mit der Absicht, das Essverhalten ihrer Wirtsmenschen im Sinne ihrer Pilzkulturen zu optimieren. Die deutschen Privatfernsehbetreiber haben folgerichtig die eingewanderten Insekten als stark marktbestimmenden Faktor erkannt und richten ihre Werbe- und Unterhaltungssendungen deutlich auf die Bedürfnisse der Couchameise aus.

Die alte Kirche liebte den Sünder und hasste die Sünde. Die neue Synodale Kirche liebt hingegen die Sünde und betrachtet die Sünder als nützliche Idioten.

Die Begriffe "Rechts" und "Links" bedeuten in der Politik nicht etwa fundamentale Unterschiede im Handeln und Denken, sondern lediglich die Richtungen, aus denen sich der Pöbel den Fleischtöpfen der öffentlichen Kassen zu nähern sucht. Als "Mitte" pflegt sich dabei jene Clique zu bezeichnen, die momentan den Platz an diesen Fleischtöpfen erfolgreich besetzt hält.

Der Bund der Geistfreien.

Es wird der spezifische Ehrgeiz der neuen Synodalen Kirche sein, als Fahrstuhlmusik der Moderne zu fungieren.

Die modernen Wissenschaften sprechen das Individuum von jeglicher Schuld gegenüber Gott und seinen Mitmenschen frei, um ihm die volle Verantwortung für die Gesellschaft, die Geschichte und sogar die natürliche Umwelt aufzuerlegen.

Die Politisierung der Kunst findet ihre stringente Fortsetzung in der Ästhetisierung der Politik.

Dem Dichter Brecht wären die heutigen Linken so befremdlich, dass er ihr Gebaren in einem Stück mit dem Titel "Der diverse Mensch von Bielefeld" episch verfremden würde.

Arglosigkeit ist heute womöglich zugleich unsere größte Schuld, wie auch unsere einzige Entschuldigung.

Obgleich die Linken und Progressiven ungemein viele Worte machen, empört es sie regelmäßig, wenn man sie bei denselben zu nehmen sucht.

Wird ein großer Gelehrter oder Schriftsteller im Fernsehen zitiert, so muss er sich Sorgen um seine Gesundheit machen. Vielleicht wurde der Totenschein schon ausgestellt.

Die weltkluge Betriebsamkeit des Bürgers, die heilsversprechende Geschwätzigkeit des Politikers und nicht zuletzt die obszöne Banalität des Spießers sind nicht erst mit der Partei der Synodalen in die Kirche eingedrungen. Vielleicht muss man ihr erstes Erscheinen im Protest des Judas gegen die Verschwendung des Nardenöls verorten.

Wenn sich der Staub, den wir in unserem Leben aufgewirbelt haben, endlich gesetzt hat, werden wir durch ihn zu Kreuze kriechen müssen.

Zu den unzweifelhaften Errungenschaften der Moderne gehört auch die Tatsache, dass in ihr der Idealismus einträglich geworden ist.

Qualitätsjournalismus: Eine Stunde, nachdem Kardinal Woelki mit der Feststellung, dass heute aber sehr schönes Wetter herrsche, auf die Straße getreten war, verbreitete sich in der Presse die Nachricht, Woelki sei ein Klimaleugner.

Der euphorische ist der dümmste aller Gesichtsausdrücke.

Es gibt bekanntlich kein richtiges Leben im falschen. Dafür gibt es das wahre Leben im Fernsehen.

Wir vermögen es, unser Leben zu beenden, aber wir können es nicht ungeschehen machen. Letztinstanzlich bleibt unser Dasein unverfügbar.

Es gibt einen allerdings sehr schmalen Grat des ehrlichen Mutes zur Verzweiflung, der nur zu wahrer Erlösung führen kann.

"Sinngebung erfolgt vielfach, weil man zu wehleidig ist, das Sinnlose bei seinem Begriffe zu belassen. Ein ganzes Netz von Sinngebungen dient uns am Ende, die Schrecklichkeiten des Lebens zu verschleiern."
HEIMITO von DODERER

Das moderne Denken ersetzt den Begriff der Wahrheit durch den Begriff des Willens. Ob dieser Wille einem genialischen Übermenschen oder 'kommunikativ handelnden' Kollektiven zugeordnet wird, läuft auf das gleiche praktische Resultat hinaus.

Die inzwischen gängige Rede vom "Haltung zeigen" und "Zeichen setzen" impliziert ein magisches Denken, welches inbrünstig hofft, die ausgeblendete bedrohliche Realität rituell bannen zu können.

Heute wollen diejenigen den Ton angeben, die keinen Ton halten können.

Diejenigen, die sich heute damit brüsten, zeitgemäß zu sein, dürfen sich sicher sein, dass ihnen diese nobilitierende Eigenschaft zu allen Zeiten zu eigen gewesen wäre.

"Es gibt ganze Epochen, in denen zu gefallen beschämend ist."
NICOLÁS GÓMEZ DÁVILA

Es überläuft einen der kalte Schauer, wenn man sieht, welche hasardierenden Gestalten es heute wagen, sich ihres nicht vorhandenen eigenen Verstandes zu bedienen.

Radikal sein meint bekanntlich, die Dinge bei der Wurzel zu fassen. Liberal sein hingegen meint, die Wurzel auszugraben und dann meistbietend zu verscherbeln. Diese Transaktion setzt dabei die Wühlarbeit der Radikalen voraus.

Die progressiven Philosophien füllen im Gefolge bloßer hermeneutischer Missverständnisse sowohl Bibliotheken, wie auch Massengräber.

Der Anglerhecht (Esox hamiota - Artolaganus 2013), ein ehemals seltener, sehr großer Raubfisch der mitteleuropäischen Süßgewässer, der sich darauf spezialisiert hat, Angler an den von ihnen ausgeworfenen Haken ins Wasser zu reißen, um sie dann in einem Stück zu verschlingen. Charakteristisch für den Anglerhecht ist eine nahezu unstillbare Gier, aber auch eine sehr langsame Verdauung. So konnten in einem Fall im Magen eines erlegten Tieres dieser Spezies die Überreste von drei Anglern gefunden werden, die sich offensichtlich die Zeit bis zu ihrem Ende mit einer längeren Skatpartie vertrieben hatten. Die wachsende Population des Anglerhechts zeichnet für die zunehmende Ausdünnung deutscher Anglervereine verantwortlich, was nicht selten zu deren endgültigen Auflösung führt. Biologen der Universität Zotenburg haben dies etwa in einer Studie am Beispiel des Anglervereins von Bad Salz-Schmöcklein dokumentiert, in der auch gezeigt wurde, dass die mehr und mehr verängstigten und dezimierten Angler in neue, weniger exponierte Biotope verdrängt werden. So setzen viele der verbliebenen  Petri-Jünger harmlose Blaukarpfen oder gar große Goldfische in ihre heimischen Badewannen, um diese von der sicheren Toilettenschüssel aus zu erangeln. Die Autoren der Studie vermuten, dass sich aufgrund dieses Rückzugs der Beutetiere des Anglerhechts die Bestände dieses imposanten Raubfisches langfristig auf einer niedrigeren Ebene wieder einpendeln werden, was dann kommenden Generationen von nachwachsenden Anglern auch wieder Überlebenschancen in der freien Wildbahn eröffnen wird. Handlungsbedarf, so die Autoren, bestehe daher aktuell keiner. Man müsse einfach dem freien Spiel der Naturkräfte seinen Lauf lassen.

Wer alles lautstark in Frage stellt, kann sicher sein, dass seine eigenen dürftigen Antworten nicht hinterfragt werden.

Was kein Progressiver je verstehen wird, ist, dass es tiefe Bindungen braucht, um ein autonomer Mensch zu sein.

Er war ein Unhold, gefangen im Körper eines Rüpels.

Eines der größten Rätsel der Menschheit bleibt die Frage, wie man gleichzeitig im Gedanken und in Zotenburg sein kann.

Die größte Beachtung schenken wir stets jenen Menschen, denen wir unsere Verachtung zeigen wollen.

Wer einer sich euphemistisch 'Kirche' nennenden Köperschaft des öffentlichen Rechts den Zwangszins verweigert, wird konsequent und unnachgiebig aus dem Taufregister gestrichen, während jene, die mit der Lehre und Liturgie der wahren Kirche offen Schindluder treiben, und so die Entrichtung dieses Zwangszinses in die Nähe des sündigen Einverständnisses rücken, mit bischöflicher Barmherzigkeit rechnen dürfen.

Die unerträgliche Übergriffigkeit gegen die zeitlos schönen Formen der katholischen Liturgie, die im Namen der "neuen Formen der Verkündigung" erfolgen, lassen die Vermutung aufkommen, deren progressive Urheber hätten nicht Theologie studiert, sondern statt dessen Kreativitätskurse an der Volkshochschule Zotenburg besucht.

Dass die Mehrzahl der Menschen immer wieder aufs Neue überrascht scheint, wenn wieder einmal die allgegenwärtige linke Korruption hochkocht, zeigt, welche Seite die bessere Marketingabteilung besitzt.

Dass Deutschland ein reiches Land sei, ist das volkswirtschaftliche Credo jener, die alles tun, um diesen Umstand abzuändern.

Wer anstrebt, die Gläubigen innerhalb der Katholischen Kirche in Wähler zu verwandeln, der will sich nützliche Idioten schaffen.

Wo sie früher einen eigenen Stand mit der ihm eigenen Würde besaßen, da haben die Armen heute den gleichgültigen Beamten des Sozialamts und das mit Werbung durchsetzte Unterschichtenfernsehen.

Heiligen Ernst mag man vortäuschen können, doch simulierte heilige Heiterkeit ist immer leicht durchschaubar.

Die allerorten zu hörende Ermahnung, doch 'bewußt zu leben', liefe bei entsprechender Beherzigung auf eine lang andauernde Nahtoderfahrung hinaus.

Die Existenz des 'Vorwärts' und der 'Prawda' stehen für das Vertrauen ihrer Herausgeber in den fundamentalen Lehrsatz ihres Meisters, laut dem das Sein das Bewußtsein bestimmt.

Diejenigen, denen ob der schwindenden gesellschaftlichen Relevanz der Kirche bange ist, übersehen geflissentlich die Irrelevanz nicht nur eben dieser Gesellschaft, sondern auch die ihrer eigenen Person, welche sich in diesem Bangen offenbart.

Die freie Zeit unserer Priester war sicherlich sinnvoller genutzt, als diese noch mit Leidenschaft neue Obstsorten züchteten oder Vererbungsregeln erforschten, statt, wie heute üblich, in der Soziologie zu dilettieren.

Je weniger greifbar die moderne Linke sich gibt, desto unangreifbarer dünkt sie sich.

Wer sich die Bedeutung des Begriffes 'Dekadenz' veranschaulichen will, der vergleiche die lebendige Glaubenstiefe afrikanischer oder indischer Priester mit jenen alten weißen Männern unter ihren Standesbrüdern, die sich hilflos mit den progressiven Phrasen ihrer vergeudeten akademischen Jugendzeit anzubiedern suchen.

Wahrlich, wir leben in schmierigen Zeiten.

Das Adjektiv 'zeitgemäß' ist zu allen Zeiten das Argument jener, die keine Argumente haben.

Das Entscheidende an der stets unabgeschlossenen gerechten Umverteilung des Reichtums ist der Anteil, der in den Taschen der Umverteiler hängen bleibt.

Wer innerhalb der Mauern einer Kirche mit ungedämpfter Stimme die drängenden Anliegen des bürgerlichen Heldenlebens bespricht, der bezeugt einen Glauben, welcher als Fortsetzung der Banalität mit anderen Mitteln begriffen werden kann.

Und den Höhepunkt seiner Bühnenkarriere erklomm er, als er am Stadttheater Zotenburg für die Titelrolle in Becketts 'Warten auf Godot' besetzt wurde.

'Kopf hoch!', sagte der Scharfrichter.

Augenfällig ist, dass es trotz des allerorten zu konstatierenden Fachkräftemangels keine Probleme bereitet, die vielen Parlamente, Parteigremien und Presseredaktionen zu füllen.

"Con-solatio. Wie ein Blinder die Sonne spürt, ohne sie zu schauen, so die Seele Gott."
HANS URS von BALTHASAR

The Waste Land: Große Schwarzweißphotographie zeichnet aus, dass sie durch den Duktus der dokumentarischen Distanz zum dargestellten Objekt hindurch das Schöne im Häßlichen, und somit die Spuren und Lichtblicke Gottes in der Ödnis einer gefallenen Welt aufzuzeigen vermag. Auch wird nur die Schwarzweißphotographie im eigentlichen Sinne dem Anspruch gerecht, mit Licht zu zeichnen, während doch die Farbphotographie notgedrungen immer etwas von zweitrangiger Malerei an sich hat.

Menschen, die viel sprechen, tun dies häufig, um vielversprechend zu erscheinen.

Die ‘weltoffene’ und 'woke' Gesellschaft zwingt uns in einem Maße die Beschäftigung mit den sexuellen Perversionen anderer auf, dass wir gezwungen sind, unsere eigenen Perversionen stiefmütterlich zu vernachläßigen.

Nur wer voll und ganz hinter uns steht, vermag es, uns in den Rücken zu fallen.

In den Kirchenzeitungen und Gemeindeblättern der neuen "Synodalen Kirche" werden wohl Werbeannouncen für gewisse blaue Pillen oder auch hilfreiche Salben einen prominenten Ort eingeräumt bekommen - eingedenk des fortgeschrittenen Alters des synodalen Spitzenpersonals, welches so engagiert die neue Sexualmoral verkündet.

Die Phrase verhält sich zur Philosophie wie Precht zu Plato.

"Philosophie verliert schon deshalb ihren Reiz, weil sie selbst zum Fach geworden ist, nur mit dem Unterschied, daß es niemand so recht brauchen kann."
MAX HORKHEIMER

Die Probleme, die nach einer politischen Lösung verlangen, nehmen mit der Zahl der Politiker exponentiell zu.

Angestellte: Die Fischer, Netzemacher und Zöllner, die Jesus Christus um sich versammelte, waren einfache Menschen. Die Gestalten, die sich heute zu einer "Synodalen Kirche" zusammenschließen, sind hingegen einfach nur gewöhnlich.

Wie neuere historische Forschungen ergaben, wurde der Zusammenbruch der DDR allein durch Eberhard Krautsupp ausgelöst, der im Sommer 1988 als Beauftragter für Marxismus-Leninismus in der einzigen DDR-Produktionsstätte für Büroklammern fungierte, und der mit seiner klassenkämpferischen Idee, die Büroklammern ab sofort nur noch in Form von Sowjetsternen herzustellen, die Produktion dieses für jede Form von Bürokratie entscheidenden Werkzeugs schlagartig zum Erliegen brachte. Nach nicht einmal drei Monaten sah sich die Staatssicherheit gezwungen, ihre Arbeit weitestgehend einzustellen, was der Bürgerbewegung in der DDR wiederum den nötigen Freiraum verschaffte, um ihr Zersetzungswerk durchführen zu können.

Angehende Germanisten beginnen ihr Studium heute mit der Überzeugung, Goethes 'Faust' sei die Romanvorlage für die Rocky Balboa-Filme.

Die Triftigkeit unserer Antworten auf die Fragen der Zeit hängt auch von unseren Antworten auf die ewigen Fragen ab.

Wo alles einer grenzenlosen Demokratisierung unterworfen wird, da wird die Demokratie bald verschwunden sein. Jede Demokratie setzt unausgesprochen jene ihr vorgeordneten Areale voraus, in welchen sich die Menschen untereinander, aber auch mit sich selbst über ihre Interessen und Werte ungestört verständigen können. Dort sind auch jene überkommenen Bindungen verankert, die der manipulativen Verführbarkeit Grenzen setzen und so erst wahre und beständige Autonomie ermöglichen.

Vielen von uns wird es beschieden sein, bei lebendigem Leibe zu sterben.

Der moderne Mensch verwechselt sein mit allerhand Dingen ausgefülltes Leben mit einem erfüllten. Erfüllen kann sich nur das Wort, nicht aber die Versprechungen der Werbung.

Am Ende werden wir alle zu Kreuze kriechen. Wir unterscheiden uns hier nur in der Strecke, die wir dann zurücklegen müssen.

Wo öffentliche Gelder zur Verteilung anstehen, da herrscht ein Leben, wie über einem Kuhfladen in der Sommerhitze.

Der traditionelle Glaube schenkt seinem Träger Demut und die Hoffnung auf Erlösung. Der neue synodale Glaube schenkt seinen armseligen Funktionären den Anschein von Bedeutung und Macht.

Ein gewisses Gefühl für Stil und Diskretion auch im schlechten Handeln zu beachten, ist die letzte noch konturierte Verfallsform der Moral.

Unter dem einstigen Volk der Dichter und Denker steigen heute Kinderbuchautoren zu Ministern auf.

"Das wahre Desaster der Linken wird offenbar, wenn sie hält, was sie verspricht."
NICOLÁS GÓMEZ DÁVILA

Sofern wir dem Teufel eine Einliegerwohnung in unserer Seele einräumen, scheint er sich entweder für die Mansarde oder das Souterrain zu entscheiden.

Das moderne Individuum geht zu weit, in der trügerischen Hoffnung, bei sich selber anzukommen.

"Doch was ist Freiheit ohne Weisheit und Tugend? Das größte aller möglichen Übel; nichts weiter als Torheit, Laster und Wahnsinn ohne Aufseher und Zügel."
EDMUND BURKE

Man merkte es ihm an, dass er als Kind in den Brunnen gefallen war.

Die psychologisierende Literaturdeutung ist die bevorzugte Methode des analytisch ambitionierten Voyeurs.

Egbert Krautfuss ließ sich im fortgeschrittenen Alter von 43 endlich taufen, da er genug davon hatte, im Büro immer eine Heidenarbeit aufgehalst zu bekommen.

In den Kulturwissenschaften ist ein Autor dann zum Klassiker avanciert, wenn er vorwiegend von Leuten zitiert wird, die ihn nicht gelesen haben.

Einem klassischen Bühenstück, wie auch der katholischen Liturgie kann nichts schlimmeres widerfahren, als in die Hände von kreativen Menschen zu geraten.

Niemand mag Menschen, die intelligenter sind, als man selber. Zumindest nicht, solange sie am Leben sind.

Mammutaufgaben bleiben heute wohl vor allem deswegen unerledigt liegen, weil die Mammuts schon vor Jahrtausenden ausgestorben sind.

Derjenige, der als erster eine Phrase an Stelle eines eigenen Gedankens äußerte, war der Begründer des Feuilletons.

Auf dem sogenannten "Synodalen Weg" schreitet nun die Verspießerung des Christentums, die einst mit Luther einsetzte, weiter voran.

"Der Protestantismus macht aus dem Christentum eine Karikatur."
MAX HORKHEIMER

Kluge Menschen erkennt man daran, dass sie auf dem Boden der Tatsachen ankommen, bevor man sich anschickt, sie unter demselben zu begraben.

Man sagt, dass der Ton innerhalb der Kirche mit dem sogenannten 'Synodalen Weg' rauher geworden sei. Treffender wäre es wohl zu sagen, dass er zickiger geworden ist.

Klarstellungen: Wer sich politisch korrekt gibt, ist deswegen nicht frei von Sünde. Wer auf parteitagsähnlichen Versammlungen und Aufmärschen die diversen Fahnen des Zeitgeistes schwenkt, hat nicht sein Kreuz auf sich genommen. Und was nützte es uns, die Welt und das Klima zu retten, wenn wir darüber unsere Seelen verlören.

Was der Bauer nicht kennt, frißt er vernünftigerweise nicht. Was der Progressive nicht kennt und versteht, das wird zum Objekt seiner Schwärmerei.

Die "kulturelle Hegemonie", welche die Linke gemäß dem Ratschlag Gramscis so erfolgreich angestrebt hat, hat den gleichen Stellenwert, wie die vielzitierten "Soft Skills" im Berufsleben: Sie garantieren ihren Inhabern, dass andere die Arbeit machen müssen.

Wenn der Elefant erst einmal in den Porzellanladen eingedrungen ist, macht es keinen Sinn mehr bei seiner Abwehr das Zerschlagen von Porzellan zu vermeiden.

Irgendwo schreibt Horkheimer, Bordelle und Pissoirs seien Asyle der Humanität in der Kälte der bürgerlichen Gesellschaft. Folglich muss es eine Zeit gegeben haben, in der die Kritische Theorie noch nicht den Ehrgeiz entwickelt hatte, politisch korrekt zu sein.

Batterie der Toten: Mit den Kriegen der Vergangenheit ging immer auch das Bemühen einher, den unvermeidbaren Tod zu ästhetisieren. Die Kriege der Moderne hingegen strahlen die Ästhetik eines effizient arbeitenden Schlachthauses aus.

Heute ist es schwierig keine, und zugleich unmöglich eine Satire zu schreiben, da deren potentielle Objekte dies schon selber besorgen.

Katzen sind die Psychopathen unter den Hunden.

Wenn man meint, den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen, so wäre es sicherlich die falsche Strategie, alle Bäume zu fällen.

Wenn die verfassungsmäßig garantierte Herrschaft des Rechts sich in die Herrschaft von Juristen verwandelt, so schlägt diese um in die Herrschaft des Unrechts.

Nebel und Schnee sind die beiden großen Künstler unter den Naturkräften. Sie vermögen es, Landschaften in chinesische Tuschezeichnungen zu verwandeln, die auf das wesentliche konzentriert sind und dabei ohne erkennbaren Horizont auskommen.

Pragmatismus bedeutet in der Politik zumeist, einen Stein des Anstoßes vom Herzen unter den Tisch fallen zu lassen.

Der Defätismus ist der Schatten, den jeder erhellende Gedanke wirft.

Wer heute in die Kirche geht, um das Wort Gottes zu hören, der muss damit rechnen, die Phrasen eines Hans Küng untergejubelt zu bekommen.

Die Moderne beruht auf dem Libretto einer leichtfüßigen Lustspieloperette, die bei ihrer Aufführung zu einer blutigen Groteske entartete.

Kafkaesk: Jemand musste Professor Flappsiger verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens Vorsitzender des Prüfungsausschusses.

"Ist doch Wurscht," sagte der Metzger zum Lebensmittelkontrolleur.

Nostalgie ist Hoffnung, die sich im Akt des Erinnerns erfüllt.

Das Recht auf Faulheit kann man sich nur mit sehr viel Fleiß verdienen.

Wer stets auf der Höhe seiner Zeit steht, dem bleibt notwendigerweise verborgen, was sich hinter deren Rücken abspielt.

Ein Aktivist ist ein Mensch, der die praktischen Konsequenzen aus Gedanken zieht, die sich andere für ihn gemacht haben.

Manchmal muss man Öl ins Feuer gießen, um den Raum zu erhellen.

Der moderne mündige Mensch kauft die Katze in einem Sack, der mit informativer Werbung bedruckt ist.

Pareto: Der Umstand, dass in der modernen Demokratie unfähige Eliten nicht mehr vom Hofe gejagt, sondern pensioniert werden, züchtet unfähige Eliten heran.

"Freiheitsliebende Völker dulden keine Pensionen."
FRIEDRICH GEORG JÜNGER

In Deutschland gehört es zu den unantastbaren Privilegien der Linken, dass sie bestimmt, wer Antisemit ist, und wer nicht.

Unter den Talaren - die Schmocks aus den 68er-Jahren.

Ein Linker, der der Staatsgewalt misstraut, ist inzwischen fast so selten, wie ein Liberaler ohne Pensionsberechtigung.

Der Tod ist eine Gnade, welche man sich erst durch das Leben verdienen muss.

Hat sich die Zeit an etwas den Zahn ausgebissen, so bedient sie sich der üblen Nachrede als neuem Kampfmittel.

Der Behemoth, der sich heute anschickt, den Leviathan zu verjagen, trägt eine Narrenkappe.

"Die aus der Ethik des Massenlebenswertes an den Staat zu richtenden Ansprüche sind bekanntlich unbegrenzbar und in sich nicht widerspruchsfrei, sie setzen ihn unter einen nicht mehr kontrollierbaren Sozialdruck, und schließlich soll er möglichst viel leisten, um den Wohlstand Aller zu garantieren, und zugleich möglichst verschwinden, um die Freien mit Pflichten zu verschonen; so wird er immer allgegenwärtiger und zaghafter [...].
Jenes Ideal des größten Glücks der größten Zahl und des Massenlebenswertes, so könnte man folgern, ist nicht allen Herausforderungen gewachsen, denen eine Gesellschaft sich ausgesetzt sehen kann; denn es sind Situationen denkbar, in denen man mit einer solchen Einstellung ohmächtig wird oder erblindet. Dächte man sich eine hochentwickelte, politisch aber aufgabenlose und sonstwie hinfällig gewordene Überflußgesellschaft, so würde eine Hypertrophie des privatisierten Wohlstandes schließlich das Organ für die Risiken verkümmern lassen, und die euphorische Mythologie einer Kultur für Alle könnte ihre bekannten Folgen in Richtung der Farce entfalten. Dem frivolen Jargon der Publizisten ließe sich die Sachdeckung kaum noch bestreiten, und man wäre im öffentlichen Leben zuweilen in Verlegenheit, ob karnevalistische oder psychiatrische Kategorien angemessener wären. Wer dann unzeitgemäß auf Risiken aufmerksam machte, stieße wohl auf die Antwort, die in antiker Drastik schon Metrodor von Lampsakos fand: ‘Es lohnt sich nicht, die Griechen zu retten, sondern essen soll man und Wein trinken.’"
ARNOLD GEHLEN

Für meinen Grabstein: Ich habe keine Vorschläge gemacht. Ihr hättet sie ohnehin nicht angenommen.

Die uniforme Sprache der Linken mag die Uniform gewechselt habe: uniform bleibt sie dennoch.

In den sogenannten Geisteswissenschaften verdienen sich viele ihr Brot, indem sie die Perlen aufklauben, die andere vor die Säue geworfen haben.

Das Leben befremdet uns umso stärker, je mehr es sich der vertrauten Fernsehwerbung anähnelt.

Jedes kleine Schläfchen läßt uns von der Süße des Todes kosten.

"Gäb es keinen Schlaf und Ohnmacht, wir hätten keinen Begriff vom Tod."
JEAN PAUL

Vom Kritiker konstruktive Kritik einzufordern meint, ihn in die eigene verschworene Bande hineinziehen zu wollen.

Es gibt Journalisten, die so unverfroren sind, Karl Kraus zu zitieren.

Ein Satz, wie aus dem "Hamlet": Sich die Adern öffnen und sehen, was dabei herauskommt.

"Die geschwätzigen Weiber von Schwetzingen", ein Lustspiel des auch als “badischer Shakespeare” bekannten Dichters Carl Philipp Wurstsieder.

Idee für ein Theaterstück im Stile des Samuel Beckett:
Zwei Würmer treffen sich in der Leber einer Leiche:
Wurm 1: "Man muss sagen, der Mann hatte wohl Geschmack."
Wurm 2: "Zumindest schmeckt er gut."
Wurm 1: "Und Geist besaß er auch. Letzte Woche hatte ich Gelegenheit, in seinem Gehirn den Entwurf einer vorzüglichen Abhandlung über Platons Ideenlehre zu fressen."
Usw.

Tocqueville durchschaute die demokratischen Massengesellschaften als von zwei Kräften getragen: Dem ungeheuren Konformitätsdruck, welchen eine egalitäre, alle überkommenen Institutionen und Hierarchien delegitimierende Form des Zusammenlebens auf das Individuum ausübt und das gleichzeitige abgrundtiefe Konformitätsbedürfnis der von allen Halt gebenden Bindungen befreiten und somit vereinzelten Individuen. Er erkannte somit den totalitären Kern der Moderne, noch bevor dieser sich in den bewußtseinsformenden Massenmedien und der Kulturindustrie explizierte und in den Vernichtungslagern austobte.

"Bewegungen" lösen keine Probleme. Bestenfalls gelingt es einer Bewegung, sich selber als dauerhaftes Problem zu etablieren und so ihren Mann zu ernähren.

"Die einzigen Gesellschaften, die noch widerwärtiger sind als jene, die den rebellischen jungen Menschen in Wut versetzen, sind jene, bei deren Errichtung er in aller Unschuld mithilft."
NICOLÁS GÓMEZ DÁVILA

Idee für einen Einakter: Lichtenberg und Karl Kraus wetteifern im Parnass darum, wer die meisten Redensarten in einem einzigen Aphorismus verballhornen kann. Den Schiedsrichter macht dabei Johann Peter Hebel.

Sein Geist war von Hans Küng früh entflammt worden und daher bis auf die Grundmauern abgebrannt.

Sartre könnte in einem den alten Aberglauben wieder erwecken, laut dem eine häßliche Visage auf eine häßliche Seele schließen läßt

Der Zahn der Zeit bedient sich in der Regel der winzigen Gebisse von Mäusen und anderem Nagegetier, welches nur durch seine große Zahl Relevanz besitzt.

Den Faden, an dem das Damoklesschwert hängt, beißt nicht selten eine Maus ab.

Den Bigotten und den Progressiven unter den Gläubigen ist es gemeinsam, dass sie sich niemals die Frage stellen werden, ob es nicht sie selber sind, die im biblischen Gleichnis mit dem Mann ohne Hochzeitsgewand gemeint sind, den der König vor die Tür werfen läßt.

Man findet in der Bibel keinen Hinweis darauf, dass man Nächstenliebe vermittels eines Stimmzettels auszuüben vermag.

Was die hehre Theorie des kommunikativen Handelns diskret verschweigt, ist der ihr stets vorgelagerte Kampf um das Rednerpult.

Dass man alt wird, kann man morgens im Spiegel an den ergrauten Nasenhaaren ablesen.

Verordnungen zur Installation von Solaranlagen auf sämtlichen Kirchendächern und zur Auszahlung von Sonntagszuschlägen an das Kirchenpersonal werden die beiden wesentlichen Beiträge der neuen "Synodalen Räte" zum Christentum sein.

"Die Christen werden wieder zur 'Minderheit', die 'nicht zählt'. Sie werden sich freilich von andern Minderheiten, die 'nicht zählen', dadurch unterscheiden, daß sie trotzdem verfolgt werden."
THEODOR HAECKER

So realitätsuntüchtig und desorientiert unsere Eliten auch wirken mögen: wir können immerhin sicher sein, dass sie sexuell orientiert sind.

Wichtigkeit: Es zeichnet sich schon ab, dass in den vormals "Gottesdienst" genannten Versammlungen der neuen Synodalen Kirche mehr Personen hinter dem Altar stehen werden, als vor dem Altar in den Kirchbänken sitzen.

Sein Gehirn wies einen derart hohen Ohmwert aus, dass ihm seine Gedanken immer erst einfielen, wenn andere diese bereits ausgesprochen hatten.

Der progressive Priester sieht sich als eine Mischung aus Politiker und Psychotherapeut und wird so zu beider Karikatur.

Jene allerorten geforderten neuen "Erzählungen", durch deren Kolportation wir anscheinend alle unsere Probleme lösen könnten, gemahnen uns, dass der permanent mit Fiktionalem dauerbeschallte moderne Mensch inzwischen auf das kulturelle Stadium der Urhorde regressiert ist, in welcher die Schamanen am nächtlichen Lagerfeuer ihre Mythen in die Runde raunten, um so die dunkle und bedrohliche Umwelt zu bannen. Früher, als die Linke noch intellektuelle Ansprüche an sich selber stellte, nannte sie solche Erzählungen noch Ideologie. Und Ideologien waren damals wie heute: falsches Bewußtsein.

"Je simpler die offizielle Ideologie, um so komplizierter heute ihre Ableitung. Diese Einsicht besagt, daß das Denken aus der Mode kommt."
MAX HORKHEIMER

Das Grab ist die Narbe, die wir über unseren Tod hinaus in dieser Welt belassen.

Negative Theologie: Insofern, als eine wahrhaft kritische Philosophie die falschen Götzen ihrer Zeit in den Staub wirft, bleibt sie - wissentlich oder auch nicht - die würdige Magd der Theologie, deren Gemächer sie sauber hält, bis die große alte Dame sich endlich entschließt, von ihren abwegigen Reisen zurückzukehren.

"Die wahre gesellschaftliche Funktion der Philosophie liegt in der Kritik des Bestehenden. Das eigentliche Ziel einer derartigen Kritik ist es zu verhindern, dass die Menschen sich an jene Ideen und Verhaltensweisen verlieren, welche die Gesellschaft in ihrer jetzigen Organisation ihnen eingibt."
MAX HORKHEIMER

Den Satz, dass glauben nicht wissen heiße, halten die meisten Menschen für wahr, weil sie ihn im Fernsehen gehört haben.

"Bei den meisten Menschen gründet sich der Unglaube in einer Sache auf blinden Glauben in einer anderen."
GEORG CHRISTOPH LICHTENBERG

Die Leere, um die die großen Mystiker kreisen ist die geballte Fülle Gottes.
Die Leere, um die der moderne Mensch kreist ist der verwaiste Sitz seiner verkauften Seele.

Da wir wissen, dass die Seelen im Himmelreich nicht verheiratet sind, können wir von den Seelen in der Hölle wohl das Gegenteil annehmen.

Wenn sie denn den Ton, welchen sie nicht treffen kann, wenigstens halten könnte.

Die Forderung der Progressiven, die Kirche solle sich dem modernen Dasein gegenüber als lebensdienlich erweisen, läuft darauf hinaus, die Kirche in die Zugehfrau einer abgetakelten, aber umtriebigen Hure zu verwandeln, die viel Wind um sich macht, um jugendliche Frische vorzutäuschen.

Die Predigten des progressiven Klerus oszillieren inhaltlich und stilistisch zwanghaft zwischen Parteitagsrede und psychologischem Abendvortrag.

"Der Atheismus ist ein Salz der Religion. Er ist die absolut-gesetzte negative Theologie. Zumeist ist er, psychologisch gesehen, die Enttäuschung an der Enge und Endlichkeit eines Gottesbegriffs, die Ungeduld ins Anonyme."
HANS URS von BALTHASAR

Unter den atheistischen Denkern sind nur die religiösen von Relevanz - Horkheimer vor allem, aber auch Schopenhauer oder Cioran.

"Was sich nicht in Begriffe der Religion übersetzen läßt, verdient nicht, gelebt zu werden."
E.M. CIORAN

Kulturelle Bereicherung: Die Volkshochschule Zotenburg bietet nun auch einen Abendkurs zu den Techniken der Anfertigung von Schrumpfköpfen an. Die Kosten für die Arbeitsmaterialien sind in der Kursgebühr inbegriffen.

”Man darf sich also nicht in Sicherheit wiegen, indem man denkt, die Barbaren seien noch weit von uns entfernt; denn gibt es Völker, die sich das Licht aus den Händen reißen lassen, so gibt es andere, die es mit ihren Füßen selbst zertreten.”
ALEXIS de TOCQUEVILLE

Ewige Jugend: Die Kultur der Moderne prolongiert die für den Halbstarken charakteristische anmaßende und narzisstische Infantilität bis ins hohe Alter ihrer Träger.

"Ein Kult der Jugend ist immer ein Anzeichen der Vergreisung einer Kultur. So wahr es ist, daß jedes Lebensalter seinen besonderen, nicht zu verzwecklichenden Sinn besitzt, ebenso wahr ist es auch, daß Jugend auf Reife und Bildung angelegt ist. Den Zustand des Jungseins als in sich ruhenden Selbstwert, gar als höchsten Wert zu preisen, zeugt von einer zerrütteten Werthierarchie. Einen übrigen Beweis liefern die infantil gebliebenen Männer, die aus den Jugendbewegungen hervorzugehen pflegen. Kindsein und -bleiben vor Gott ist etwas völlig anderes und fordert menschliche Reife."
HANS URS von BALTHASAR

Die ostentative Kirchenfeindlichkeit der heutigen Theologieabsolventen ist wohl nur ein Sonderfall der inzwischen allgemein üblichen Geistesfeindschaft der Geisteswissenschaftler.

Gewissen und Verstand sind die beiden Werkzeuge, mit denen wir die zutiefst nötige Distanz uns selber gegenüber aufbauen können. Die Handhabung dieser Werkzeuge ist jedoch außer Gebrauch gekommen.

Ein alter Witz: Kommt ein Mann zum Psychiater und verkündet: "Ich bin Napoleon, der Kaiser aller Franzosen! Huldigen Sie mir!" Antwortet der Psychiater: "Selbstredend huldige ich Ihnen, Majestät! Und jeder, der Ihnen dies verweigert greift Ihre Würde an und ist dem Gesetz verfallen!"

"Alles Pathologische beruht auf einer zu weit gehenden Intimität mit sich selbst, also dem Gegenteil der Selbstverleugnung."
HEIMITO von DODERER

Heimat ist der Ort, von dem wir die Illusion hegen, wir hätten dort in unserer Kindheit gelebt.

Aus jeder Zeile des Werkes von Hans Küng läßt sich die tiefe narzisstische Kränkung herauslesen, die der Tatsache geschuldet ist, dass es in der Kirche um Jesus Christus und nicht um Hans Küng geht.

"Jedem Menschen ist bei seiner Geburt ein Ungeheuer beigegeben. Die einen bekriegen es, die anderen lieben es."
LÉON BLOY

Wie die Menschen, so wird auch Gott uns vielleicht verwerfen. Aber er wird es mit Gründen tun.

Da der moderne Mensch alle Gründe verloren hat, für die es sich zu sterben lohnt, gehen ihm allmählich auch die Gründe aus, für die es sich zu leben lohnt.

Die Progressiven sind Arianer in der Theorie und Donatisten in der Praxis: Sie sprechen dem "Propheten" Jesus Christus die göttliche Natur ab, gehen aber ohne Sachdeckung von der eigenen göttlichen Begabung zu predigen aus.

Das Diktum von Marx, wonach der Zynismus in den Dingen liege, nicht aber in den Worten, die die Dinge beschreiben, muss unter der kulturellen Hegemonie seiner Erben vom Kopf auf die Füße gestellt, also umgekehrt werden.

In jedem Revolutionär schlummert ein kleiner Beamter, der nach dem Sieg der Revolution erwacht, um sein Pöstchen und die zugehörige Pensionsberechtigung einzufordern.

Nach der Mittagspause, wenn sich die Beamten zu den Akten legen.

Man darf niemals Menschen, die gutes tun und Gutmenschen miteinander verwechseln.

Implizit darauf zu beharren, dass wir in einer Welt ohne Ambiguitäten und Dialektik leben, in der es auch keine Tragik im Sinne der alten Griechen gibt, oder - anders gesagt -, die Welt wie ein Gutmensch zu betrachten, hat etwas verstockt bösartiges an sich.

"Der Mensch hat nur drei Möglichkeiten, dem Tadel der Welt zu begegnen: ihn  zu verachten, ihn mit gleicher Münze heimzuzahlen oder bemüht zu sein, so zu  leben, daß er ihn sich nicht zuzieht. Der erste Weg wird gewöhnlich  vorgetäuscht, der dritte ist fast unmöglich, der zweite aber stellt die  allgemeine Praxis dar."
JONATHAN SWIFT

Trilemma: Verhaltensökonomisch wäre es interessant, sich drei miteinander tratschende Frauen vorzustellen, von denen nun keine die Szenerie verlassen kann, ohne befürchten zu müssen, anschließend in ihrer Abwesenheit selber zum Objekt des Tratsches der zwei verbliebenen Frauen zu werden. Gingen aber zwei der drei Frauen gleichzeitig fort, so müsste sich die verbliebene Frau ihnen zwingend anschließen, um nicht wiederum Gefahr zu laufen, auf dem weiteren Weg von den beiden anderen Frauen rezensiert zu werden. Zu Ende gedacht, müsste diese Situation unausweichlich zum Hungertod der Beteiligten, oder aber vorher zu deren Dehydrierung führen, was wohl der Grund ist, warum in der Realtität bei derartigen Anlässen stets Kaffee und Kuchen gereicht werden. Der Ökonom, der, sei es nun mit Mitteln der Spieltheorie oder aber mit Konzepten der Institutionenökonomik, einen Ausweg aus dieser Situation eröffnet, wäre ein Kandidat für den nächsten Nobelpreis.

Der Tratsch schweißt die Leute zusammen, wie die gemeinsam begangenen Verbrechen eine Ganovenbande.

An dem Ausmaß der Realitätsuntüchtigkeit einer siegreichen Ideologie lassen sich die zukünftigen Dimensionen des Polizeiapparates abschätzen.

"Niemals wird es eine herrschaftslose Gesellschaft geben. Eine dahingehende Forderung verkleidet nur den Wunsch bisher Unbeteiligter, an der Herrschaft teilzunehmen."
ARNOLD GEHLEN

Das Wort "Dein Glaube hat Dir geholfen!" zerrinnt in der Praxis der progressiven Seelsorge zur lebensdienlichen Küchenpsychologie, wie man sie ganz ähnlich in jeder Frauenzeitschrift finden kann.

Die Engagierten: Auch die Kirche ist nun also zum Spielplatz der ubiquitären "Selbstfindung" verkommen und man muss sich nicht wundern, welch groteske Gestalten bei diesen Findungsprozessen zum Vorschein kommen.

Aus dem Neuen Wörterbuch des Teufels: Priester, progressiver - Aus der Kirchensteuer alimentierter Kirchenschänder. Sexuell und auch sonst ungemein orientiert, nicht zuletzt dank umfangreicher, der Priesterweihe vorangehender Küng-Lektüre, welche zeitlebens jegliches weitere Literaturstudium überflüssig macht. Strebt danach, die noch bestehende Inkohärenz zwischen seinem ökonomisch-weltlichen Beamtenstatus und seinen kirchlichen Funktionen durch deren Überleitung in das Amt eines lokalen Parteiführers des sogen. "Synodalen Weges" aufzuheben. Zeichnet sich durch stark ausgebildetes Manipulationsvermögen aus und neigt zu verbaler Übergriffigkeit bis hin zum Intrigieren, bei gleichzeitiger enormer Heikelkeit in eigenen Belangen. Der bis vor kurzem bei dieser Berufsgruppe typischerweise am Samstag Nachmittag auftretende sehr belastende Stress beim Abfassen der obligatorischen Sonntagspredigt hat sich dank Wikipedia nicht nur deutlich abgemildert, sondern sich in die unumstößliche Überzeugung verwandelt, man sei ein überaus inspirierter und talentierter Prediger. Nicht selten werden auch Konvolute der angesammelten Predigten zu synodaler Erbauungsliteratur weiterverwurstet, die dann speziell Frauen, welche in ihren fünfziger Jahren endlich erkennen, dass sie eigentlich immer schon Priester werden wollten, das Herz erwärmt.

"Die Dummköpfe sind in der Kirche das, was die Wanzen in einem alten Haus sind. Sie schrecken die Besucher ab und bringen die Mieter zum Auszug."
LÉON BLOY

Das perfide an der Propaganda und ihrer liberalen Entsprechung, dem Marketing, ist die mit ihnen einhergehende Suggestion, ihre Anhänger seien den Vorurteilen des gesunden Menschenverstandes enthoben.

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken ist in etwa genauso berechtigt, der Katholischen Kirche Demokratiedefizite vorzuwerfen, wie das Zentralkomitee der KPdSU dem Vatikan unterstellen darf, unchristlich zu sein.

Mangel an Charakter war auch in der Kirche noch nie einer Karriere hinderlich. In ihrer neuen "synodalen" Gestalt aber wird er zu deren Voraussetzung.

"Ein hoher Kleriker ist allemal ein Stück Ewigkeit auf einem beamtenhaften Untersatz."
HEIMITO von DODERER

Aus dem Neuen Wörterbuch des Teufels: Bischof, deutscher - Ein hoher und hochbezahlter Staatsbeamter, welcher weisungsgebunden gegenüber ausgewiesen demokratischen Institutionen, wie dem Zentralkomitee der Deutschen Katholiken handelt. Voraussetzung, um dieses Amt zu erlangen, ist eine hohe, dabei aber wendige Charakterfestigkeit und ein tiefes theologisches Verständnis des Zeitgeistes und der mit diesem einhergehenden Opportunitäten. Handelt sehr effektiv und effizient, wenn es darum geht, Menschen aus dem Taufregister zu streichen, muss jedoch Defizite eingestehen, wenn es darum geht, Menschen ins Taufregister zu bringen.

Julius Caeser taugte bekanntlich nach seinem Tode noch dazu, ein Loch in einer Bauernkate gegen den Nordwind abzudichten. Unseren heutigen Politikern fehlt es selbst dazu noch an Substanz.

Alle, denen beschieden wurde, dass ihre Überzeugungen und ihr Glaube nicht mehr "zeitgemäß" seien, sind wohl implizit dazu aufgerufen, konsens- und sozialverträglich möglichst früh abzuleben. Allenfalls dürfen sie sich noch in irgendeiner dunklen Ecke geduldet wissen, solange sie schuldbewußt all die geforderten Steuern und Demokratieabgaben entrichten.

Der Heilige Geist scheint sich des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und Wikipedia zu bedienen, um den Progressiven die Offenbarungen der Zeit zu künden.

Die "Werte", von denen der heutige Linke immerfort spricht, haben den Charakter und die Funktion von Parteidirektiven.

Versuche, den Antisemitismus der nationalen und internationalen Sozialisten aus dem Verhalten der Juden zu erklären, erinnern an Astrologie.

Vermutlich wird man bald die ersten Professoren für Astronomie feuern, weil diese so unvorsichtig waren, in ihren Vorlesungen abfällige und verletzende Bemerkungen über Astrologie zu machen.

Wie unrettbar verlottert das deutsche Parteiensystem ist, läßt sich nicht zuletzt auch daran ablesen, dass auch in jener sich selber als "Alternative" gerierenden Gruppierung innerhalb dieses Systems ein Beamter den Ton vorgibt, während man gleichzeitig unreife, berufslose Bürschchen in die Parlamente befördert.

Wären all die gerne auch öffentlich inszenierten "Selbstfindungsprozesse" ernst gemeint, so würde so mancher, der sich in die selben begibt, eine böse Überraschung erleben.

Wo Subversion in Einklang und im Einverständnis mit den herrschenden Mächten und Gewalten betrieben wird, da haftet ihr etwas zutiefst schmieriges an.

Eine Woche, nachdem Professor Flappsiger auf dem Weg zum Internationalen Philosophenkongress in Neapel verschwunden war, meldete er sich per Telegram aus Nepal.

"Synodalität" bedeutet, dass in der Kirche alle allen solange zuhören, bis das beschlossen wird, was irgendwelche Klüngel längst vorher entschieden haben.

Die Neuheit auf dem Markt der Hochglanz-Periodica: Du und dein Ich - Zeitschrift für das bewußte Leben.

"Die Menschen sind rar geworden, die an einem Wort erforschen, wieviel Wahrheit in ihm ist. Die meisten Menschen interessiert nur, wieviel Wirkung in ihm ist."
THEODOR HAECKER

Von Pontius zu Pilatus: Den Linken und den Liberalen eint, neben anderem, auch das Desinteresse an der Frage der Wahrheit. Den Liberalen schrecken die im Verhältnis zu einem unwägbaren Nutzen recht hohen Kosten zu ihrer Erkundung ab und der Linke erkennt in jedem Wahrheitsanspruch reflexhaft nur wirkmächtige Ideologien - uneingestanden auch in seinen eigenen Phrasen.

Ohne einen zumindest vermittelten Bezug zu Gott, wird jeder Wahrheitsanspruch zu etwas Gleichgültigem, bei dem nur entscheidend ist, irgendwie damit durchzukommen

"Entschuldigen Sie, Herr Richter. Sagten Sie, ich werde geschröpft?" - "Nein, nein, Angeklagter. Sie werden geköpft." - "Ach so, ich wunderte mich schon."

Mit der sogenannten sexuellen Befreiung haben sich die Körper der Menschen in Waren verwandelt, die jeder versucht, als Äquvialente zu tauschen.

Die Phrase ist ein Gedanke, der sich in Konventionen erschöpft und daher keiner ist.

Der progressive Priester, der sich zum Parteigänger und politischen Führer aufspreizt, läßt erleichtert den Mann Gottes, der er sein sollte, im Schatten zurück. Die Frage stellt sich, wer bei einem Politiker beichten würde.

Mit progressiven Katholiken ist nicht gut Kirschen essen, aber schon gar nicht der Leib des Herrn. Manche werden noch staunen, wie schnell die neue Anderskatholische Kirche das Machtmittel der Exkommunikation für sich entdecken wird.

Während die Kanzel als Verkündigungsort in der Kirche außer Mode geraten ist, erfährt das abkanzeln dank all der progressiven Menschen in ihr gerade eine Renaissance.

Berufswahl: Der typische Angestellte der Katholischen Kirche in Deutschland erinnert heute an einen Busfahrer, der nach zwölf Jahren im öffentlichen Nahverkehr den Stadtwerken vorwirft, dass er keinen Jumbo-Jet fliegen darf.

Unser Grab ist die Lücke im Leben, die wir der Nachwelt zur Auffüllung hinterlassen.

Einen Politiker, der einen beruflichen Abschluss vorweisen kann, bezeichnet man inzwischen als Quereinsteiger.

Sexuelle Präferenzen und deren Zurschaustellung sind nicht länger nur im Rotlichtviertel berufsqualifizierend.

Synodaler Weg: Das Angestelltenvolk Gottes umtanzt die diversen goldenen Kälber der Zeit.

"Diesen Kleinbürgern ist schlechthin alles zuzutrauen; vorne haben sie kein Gesicht und im Hinterkopf eine Mördergrube, oft auch ein von Bosheit tolles Affenhaus."
HEIMITO von DODERER

Im "von Wirklichkeit umzingelten" Berlin erlebt der Jargon der Eigentlichkeit seine Wiedergeburt.

"Feierlichkeit nennt man jenen Nebel, welchen die Dummheit zu ihrem Schutze erzeugt, wenn sie in die Enge getrieben wird."
HEIMITO von DODERER

Stillgestanden: Die Haltungen, die heute allerorten gezeigt werden, sind austauschbar. Wichtig ist lediglich die konstante charakterliche Bereitschaft, sie zu zeigen.

Jene Menschen, die ihre Sätze in scheinbarer Selbstbescheidung mit den Worten "Ich finde" beginnen, und sich so dem unserer Kultur einst inhärenten Zwang zu entziehen suchen, Objektivität und intellektuelle Verbindlichkeit zumindest anzustreben, lassen einen stets an den Satz Adornos denken, laut dem die meisten Menschen lügen, wenn sie "Ich" sagen.

Die Menschenfreundlichkeit des Linken manifestiert sich in der klinischen Kälte des Schalters am Sozialamt.

Was die Linken am rechten Populismus hassen, ist die plumpere Kopie der eigenen Methoden, die kostengünstig ohne empathische PR-Beratung und priesterliche Weihe durch TV-kompatible Intellektuelle auskommt.

Antiquarisch: Wert gewinnen die Dinge nicht, weil sie zeitgemäß sind, sondern weil sie die Zeiten überdauern.

Nichts kann so abwegig sein, so erhaben, oder auch so obszön, dass es nicht kulturindustriell verwurstet werden könnte.

Die Linke hat Hegels Dialektik gegen einen simplen Manichäismus eingetauscht und dabei ein profitables Geschäft gemacht.

Man muss sich nicht darüber wundern, dass politisierende Pfaffen und pfäffische Politiker einander so gut verstehen.

Hinter der Obsession vieler Priester, die "Aktualität", also die Wirklichkeit der Offenbarungen Christi durch plumpe Bezüge zu den jeweils gerade grassierenden massenmedialen oder politischen Hysterien zu erweisen, läßt sich eine tiefe Unwirklichkeit des Glaubens erahnen.

Ein schlechter Bischof wird nicht besser, indem er den guten Politiker spielt.

"Das Christentum hat in gleichem Maße die kulturelle Funktion, Idealen Ausdruck zu verleihen, eingebüßt, wie es zum Bundesgenossen des Staates geworden ist."
MAX HORKHEIMER

Durch den moralischen Fortschritt legen die Menschen ihre Vorurteile ab und schämen sich nicht länger dafür, böse zu sein.

Wir erleben im Augenblick die Umwandlung der Katholischen Kirche in Deutschland in eine Neigungsgruppe für "engagierte" Mitfünfziger, die fest glauben, nun die Zukunft errungen zu haben, welche sie vor dreißig Jahren hatten.

Selbst wenn er auf das argumentum ad hominem zurückgreift, wozu er notgedrungen häufig gezwungen ist, gibt sich der Progressive nicht allzuviel intellektuelle Mühe.

Wenn der alte Habermas sich auf die Kritische Theorie bezieht, so mutet er wie ein protestantischer Landesbischof an, der gelegentlich durchscheinen läßt, dass er noch aus der Bibel zitieren kann.

"Wer glaubt, muß barmherzig sein, daran ist kein Zweifel; aber er kann nicht unbedingt tolerant sein."
JOSEPH de MAISTRE

Aufgrund einer für alle offenbaren Logik, die daher keiner weiteren Begründung bedarf, scheint es folgerichtig zu sein, dass Menschen, die ihre sexuellen Präferenzen zum Mittelpunkt ihres Daseins erklärten, nun insgesamt für alle und jeden im Mittelpunkt des Interesses zu stehen haben.

Schleichend haben sich auch in der Katholischen Kirche in Deutschland die charakterlich blassen und schmierigen, dabei abstoßend gesunden und unaufhörlich kommunikativen Angestelltenvisagen breit gemacht, an die man sich andernorts schon lange gewöhnt hat.

Wir erschrecken seltsamerweise jedesmal aufs Neue über unsere Vorurteile, wenn sie sich als wahr erwiesen haben.

Man begegnet unter den mannigfach progressiv Bewegten unserer Zeit häufig einer geistigen und charakterlichen Flachheit, die abgrundtief blicken läßt.

Hirten, die mit den Wölfen heulen, sollten sich nicht der Illusion hingeben, sie hätten dadurch die Achtung der Wölfe gewonnen.

Der traditionelle philosophische Materialismus koinzidierte - so Horkheimer und Adorno - in seiner radikalsten Hoffnung mit einer Theologie, die die Auferstehung des Fleisches verkündete. Heute hingegen verschwistern sich die aufgeklärte Theologie und der entgeistigte Materialismus in der brüderlichen und alltagstauglichen Liebe zur Banalität des Bestehenden.

Transzendenz bedeutet für den modernen Menschen, dass er an der unumstößlichen Überzeugung festhält, es gäbe auch für ihn eine ideale Diät, die sich ihm irgendwann offenbaren wird.

Der Klerikalismus, den die Progressiven der Kirche unterstellen, wird erst mit ihrem Sieg "systemisch" werden. Ist er aktuell mit den narzisstischen Allüren einzelner Kleriker gleichzusetzen, deren Zahl freilich statistisch, parallel zu den entsprechenden Tendenzen in der Gesamtpopulation, zunehmen mag, so wird er dort auf fruchtbarsten Boden fallen, wo die entsprechend vordisponierten Individuen ihr Amt "demokratischen" Weihen zu verdanken haben.

Würde man erstmal beginnen, an sämtlichen Universitäten Lehrstühle für Astrologie einzurichten, so würden die Thesen dieser Disziplin bald an Evidenz, oder zumindest an gesellschaftlicher Relevanz gewinnen und ihre notorischen Kritiker sähen sich dem Vorwurf ausgesetzt, faschistoid zu sein.

Wo Kritik zum schicken Habitus, zur von allen Seiten gewürdigten "Haltung" verkommmt, da verdampft ihr Anspruch, ohne Rückstände zu hinterlassen.

"Wer offene Türen einrennt, braucht nicht zu fürchten, daß ihm die Fenster eingeschlagen werden."
KARL KRAUS

Die Ekklesiologie der Progressiven läuft auf einen humanitären Geselligkeitsverein hinaus, auf einen barrierefreien Rotary Club, in welchem tatkräftige Bürger um den Vorsitz und das Schatzmeisteramt konkurrieren, und den sie als ihr erweitertes Wohnzimmer betrachten, so dass sie selbstredend über die Inneneinrichtung bestimmen und gerne auch mal die Füße hochlegen dürfen. Lediglich ein paar von Großmutter ererbte Nippesfigürchen werden noch im museal-folkloristischen Stil an das Katholische erinnern.

Der linke Populismus bemüht sich das unter den Teppich zu kehren, worin sich der rechte Populismus suhlt.

Die fehlende Gegenständlichkeit der Tätigkeit des Angestellten reproduziert sich in ihm als eigentümliche charakterliche Substanzlosigkeit, die trotzig eine Geltung zu beanspruchen sucht, die die Sache nicht hergibt.

Eine Ideologie vermag es, die schwersten Erschütterungen der sie tragenden politischen Bewegung zu überleben, sofern es ihr nur gelungen ist, sich mit den Lebenslügen möglichst vieler Individuen innigst zu verschmelzen.

"Was ich heute unter Freiheit denke, ist im wesentlichen ein Freisein von der Lüge."
HEIMITO von DODERER

"Wir halten die Leichtigkeit zu sündigen für die Erlaubnis dazu."
JEAN PAUL

Herr, wohin sollen wir gehen?: Wir erleben eine historische Regression des Christentums ins Primitive, seine Verwandlung in eine Art Stammesreligion einer kleinen Restclique von Funktionären und Kirchenbeschäftigten, die das je schon bestehende gutheißen und sakralisieren soll. Statt Umkehr zu predigen verkündet man in diesen Kreisen ein vulgarisiertes, progressives amor fati, welches selbst Nietzsche zurück in die Arme der glaubenstreuen Kirche getrieben hätte.

"Die große Schuld des Menschen sind nicht die Sünden, die er begeht - die Versuchung ist mächtig und seine Kraft gering. Die große Schuld des Menschen ist, daß er in jedem Augenblick die Umkehr tun kann und nicht tut."
MARTIN BUBER

Die neueste deutsche Ideologie: Betrachtet man das bunte Treiben all der Bewußtseinsschaffenden, der Zeichensetzer und Haltungszeiger, so wähnt man sich schon in Indien mit seiner mythologisch anmutenden Welt der Gurus, Fakire und Magier.

Ausweglosigkeit ist der natürliche Endzustand des individuellen und gattungsmäßigen Daseins des Menschen, nachdem alle Wege beschritten wurden. Es ist dies der Zustand, in welchem man endlich beginnen kann.

Was man als hartnäckige Depression interpretiert, ist häufig nur der eigene Charakter, der endlich rein zu Tage tritt.

Wer von Linken wie Franz Mehring oder Georges Sorel nicht sprechen will, der möge vom Antisemitismus schweigen. Der Antisemitismus, wie auch der Glaube an die "schöpferische" und "reinigende" Wirkung der Gewalt gehören von Beginn an zum Genom der Linken, wie auch ihres feindlichen Bruders, des Faschismus.

Man könnte meinen, das Adjektiv "menschenleer" würde jenen Zustand der äußerlich betriebsamen inneren Leere bezeichnen, zu dem nur das menschliche Dasein entarten kann.

Unser aller Leben läuft darauf hinaus, dass wir unser eigenes Grab schaufeln. Die Wacheren unter uns legen dabei, wie ein Archäologe, mit Staunen Schicht für Schicht unserer Existenz frei.

Das Leben stellt im Universum einen Tropfen auf einem kalten Stein dar.

Vieles am Menschen mag verachtenswert sein, doch nicht aus den Gründen, die die Menschenverachter aller Couleur anzutreiben pflegen.

"Die Weisheit besteht nur darin, weder das Nichts, das der Mensch ist, noch die Schönheit, die manchmal in seinen Händen entsteht, jemals zu vergessen."
NICOLÁS GÓMEZ DÁVILA

Das Projekt einer anderskatholischen Kirche ist in seinem innersten Kern nichts weiter als der Versuch der Angliederung der Katholischen Kirche in Deutschland an den modernen Parteienstaat. Die aggressiven und ausgewieften Methoden der populistischen Bewegung, die dieses Projekt vorantreibt, sind der Tatsache geschuldet, dass heute die Konkurrenz innerhalb der Parteiensphäre größer ist, als vor Jahrzehnten anläßlich der Erbeutung der lutherischen Kirchen. Man ist also angehalten, als erster den Claim abzustecken.

"Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben."
WALTER ULBRICHT

Die Wüste ist in der Bibel der Ort der Klärung. Wo wenig im Raum steht, hat der Gedanke seinen Platz.

"Wenn die 'Rechten' morden, schreit die Linke empört auf wie angesichts eines usurpierten Privilegs."
NICOLÁS GÓMEZ DÁVILA

Die Linke und der Faschismus konvergieren im Massengrab.

Die "woke" westliche Linke meistert vorbildlich den traditionellen Spagat zwischen intellektueller Radikalität und beruhigendem Pensionsanspruch.

Die Bedeutung eines Menschen misst sich in der Länge der Zeitspanne, in welcher er nach seinem Ableben im Getratsche unbedeutender Menschen gegenwärtig bleibt.

Im Getratsche verhandeln die Leute die Verwerflichkeit von Menschen, die das verwerfliche Leben der Leute nicht teilen.

Heute scheint es schon ausgemacht, dass Maßstäbe, denen man nicht gerecht werden kann oder auch mag, falsch sein müssen.

Die deutschen Bischöfe lamentieren mit unschuldiger Miene über den Schwund eines Glaubens, welchen sie selber nicht mehr verkünden, meinen aber den Schwund der Kirchensteuer.

Wer heute als Katholik innerhalb Deutschlands umzieht, erhält von seiner neuen Kirchengemeinde als erstes Lebenszeichen eine Geldforderung.

Ein Priester sollte wie ein Marterl der Witterung standhalten und nicht wie eine rote Fahne im Winde klirren.

Das Theologiestudium richtet sich heute durchgängig auf das Berufsbild des Kirchenkritikers aus.

Wir schaufeln uns unser Grab selber. Aber zuschaufeln muss es schon ein anderer.

Über die Gewalt: Die westliche Linke vermag es heute den islamistischen Terror mit dem gleichen eifrigen Sophismus zu legitimieren und zugleich zu camouflieren, mit dem sie einst Stalin oder Mao eilfertig zu Diensten stand. Was der Linken als konstituierendes Charakteristikum über die Zeiten hinweg verbleibt, ist die sakrale Erfurcht vor der Gewalt, die man insgeheim hofft, dereinst zu gegebener Zeit auch selber wieder praktizieren zu können.

Unbestreitbar dient das Adjektiv "umstritten" inzwischen ausschließlich dem Zweck, der Linken die Mühe zu ersparen, um die von ihr eingenommenen Positionen und Pfründen streiten zu müssen.

Die Heiligen Kühe der Linken sind in der freien Wildbahn nicht überlebensfähig. Dies erklärt die charakteristische nervöse Grundaggressivität der Linken.

Was als nicht mehr zeitgemäß denunziert wird, erscheint bei näherer Betrachtung oft nicht als überkommenes sperriges Gerümpel, sondern als Spanischer Reiter, der dem Durchgriff jener im Wege steht, die die Macht ergreifen wollen.

Heute werden allerorten die Verfassungen von Staaten, die einst der Einschränkung ihrer Macht gegenüber den von ihnen umfassten Bürgern dienten, zu säkularen Ersatzreligionen umfunktioniert, die weniger dem Staat, als vielmehr seinen Bürgern Verpflichtungen auferlegen, die bis hin zur Explizierung ihrer Gesinnungen und deren Anpassung an einen offiziellen Kanon gehen. Getragen wird diese Entwicklung von Staatsgebilden, die sich für immer mehr zuständig erklären und zugleich immer weniger zu leisten vermögen. So füllt sich das normative Vakuum, welches die schwindenden Religionen zurücklassen, mit dem Geist und zunehmend auch mit den Methoden totalitärer Systeme. Indem die Menschen das Versprechen Jesu, laut dem uns die Wahrheit befreien wird, verächtlich liegen ließen, kehren sie in die ägyptische Knechtschaft zurück.

Der in der westlichen Welt so virulente Hass auf das Eigene, das Überkommene der eigenen Kultur, läßt sich deuten als ein bis ins Rentenalter perpetuierter pubertärer Aufstand gegen Eltern, welche so konturlos waren wie ein Stück schmelzende Butter.

Soviel Nichts war noch nie. Heidegger wäre verblüfft.

Moralpacht: Die Linken und Progressiven säen Moral aus, um Macht zu ernten.

Dem schlechten Katholiken verbleibt, sofern er sich als treuer Katholik weiß, die Hoffnung, sich wie einst der Schächer Dismas ins Himmelreich mogeln zu können. Der Beschreiter des Synodalen Weges hingegen gibt sich mit der Hoffnung auf das Bundesverdienstkreuz zufrieden.

Wenn der linke Sozialingenieur und Volkspädagoge mit seiner Weisheit am Ende ist, ruft er die Polizei.

Misanthropie, welche nicht das zumindest fahle Licht einer dereinst erlösten Menschheit auf die Menschen der Gegenwart wirft, versickert sinnfrei zwischen Altherrenwitz und Pöbelei.

"Ich habe einen Fuß im Paradies; so wie andere einen in der Hölle haben."
E.M. CIORAN

Die große Aufmerksamkeit, die den Ergebnissen des Umfragewesens stets geschenkt wird, rührt daher, dass hier die Effizienz der allgegenwärtigen und pausenlosen Propaganda gemessen wird.

Die progressiven Priester pflegen sich gerne den Nimbus des rührigen Seelsorgers zuzulegen, welcher in theologischen Fragen immer und stets Fünfe gerade sein läßt und dafür lieber den Nöten und der oft zitierten "Lebenswirklichkeit" der Menschen gegenüber offen ist. In der Realität dominiert daher folgerichtig unter ihnen jener Typus, der "voll und ganz im Leben steht", statt vor dem Kreuz oder dem Tabernakel zu knien, und der seinen Beruf ergriffen hat, weil er "immer schon mit Menschen arbeiten wollte", die er dann auch effizient wie Objekte zu manipulieren und zu bearbeiten weiß, statt sie als Kinder Gottes zu betrachten, die neues Gottvertrauen bräuchten und keine küchenpsychologischen Ratschläge aus der Glückskeksfabrik. Seelsorge, die nicht aus der Glaubenslehre und dem überlieferten Wort heraus statt hat, wird zum routiniert beackerten Feld der Geschäftstüchtigen und Geschäftsmäßigen. Praxis ohne Anleitung durch begreifende und erfahrende Theorie wird zum seelenlosen und selbstläufigen Betrieb, welcher sich selber genügt.

Ein Christentum, welches sich nicht länger von der Welt unterscheiden will, in der Hoffnung so eine Zukunft zu gewinnen, wird genausowenig eine Zukunft haben, wie die Welt, an die es sich angleicht.

Alles Schöne zeichnet aus, dass es dem beschädigten Leben entronnen ist.

Empörte Missbilligung beruht nicht selten auf empörender Missgunst.

Wenn die auf geteilten Werten beruhende Diskursgemeinschaft zur abgeschlossenen herrschenden Clique wird, nannte man das früher Oligarchie.

Das, was wir legitimerweise als unser Ich bezeichnen dürfen, sind jene Fragmente des Bildes, welches sich Gott von uns gemacht hatte, die sich bis zum Ende unseres Lebens erhalten haben.

Man kann heute die eigenen Lebenslügen, gleichwie Patente, gesetzlich schützen lassen.

Pfadabhängigkeit: Unser Handeln nimmt uns, zumal in seiner Schlechtigkeit, für alle Zukunft in Haft. Umkehr ist nicht zuletzt auch deshalb so schwer, weil sie eine Abkehr von dem bedeutet, was wir durch unser Handeln als unser Ich definieren liesen. "I am in blood / Stepped in so far, that, should I wade no more, / Returning were as tedious as go o'er." (Shakespeare, "Macbeth")

Eine Anwendung der historisch-kritischen Methode auf das Werk und die Person Hans Küngs müsste auch die radikale Frage aufwerfen, ob Hans Küng überhaupt existiert hat. Vielleicht war er nur eine Kunstfigur, die übermütige Priesteramtskandidaten in einer Schnapslaune während des römischen Karnevals ersonnen hatten.

Der moderne Mensch hofft, indem er sich die Zeit vertreibt zugleich den Tod verjagen zu können, verscheucht dabei aber lediglich das Leben.

"Ein Mensch, dem nicht jeden Tag wenigstens eine Stunde gehört, ist kein Mensch."
MARTIN BUBER

Die Individuen sind nicht, wie es die modernen narzisstischen Ideologien behaupten, Schöpfer ihrer selbst, sondern Palimpseste, welche die Zeit zum Vorschein bringt.

Die Hoffnung, dass die Freiheit, die Menschlichkeit und die Wahrheit die kommenden Zeiten überdauern werden, kann einzig auf der inhärenten Ineffizienz und Korruptheit der Institutionen gründen.

Die Lügen und Ideologien kriechen heute über die Sprache hinaus bis in die Mimik und Gestik der Menschen, ja sogar bis in die Dinge selber. Die Wirklichkeit wird von Tag zu Tag unwirklicher.

Der Kampf des Synodalen Weges gegen die Hierarchien und Lehren der Katholischen Kirche werden den ohnehin schon seit längerem zu konstatierenden Zug zum Kommunitarismus innerhalb der Kirche noch verstärken und beschleunigen. Im Rahmen dieser Tendenz setzen sich die Kirchengemeinden zunehmend absolut und dulden die Kirche, also den manifesten Überlieferungsweg der Worte Christi, nur noch als übel beleumundetes, aber vorläufig noch unumgehbares Finanzinstitut. Es kommt zu jener heute überall in den westlichen Ländern dominierenden geistigen und geistlichen Verkommenheit der Gemeinden, die in der Hand von überschaubaren "engagierten" Cliquen und unter der Führung von kleinen Dorfpaffen, die sich als Inkarnation Luthers oder zumindest als neuen Käßmann gerieren, nur noch narzisstisch um sich selber kreisen und an die Stelle eines lebendigen und tiefen Katholizismus eine neue "weltoffene" und "zeitgemäße" provinziell-spießige Muffigkeit rücken, die sich kreativ am Messritus vergreift, die Sakramente wie Freibier verramscht und sich in die Privatesoterik früh erleuchteter Küng-Leser versteigt.

Gebilde und Institutionen, die aus ihnen inhärenten Gründen nicht demokratisch organisiert und kontrolliert werden können, sind das bevorzugte Kriegstheater von vorgeblich demokratisch gesinnten, radikal linken oder neoliberalen Lobbygruppen. Man kann das an der EU, der UNO oder auch der katholischen Kirche beobachten.

Im Begriff "Zeitgenosse" schwingt zu manchen Zeiten eine mehr als unangenehme übergriffige Vertraulichkeit mit.

Auch das geistige Leben folgt letztlich einer Pareto-Verteilung: Achtzig Prozent der Population wiederkäuen die Phrasen, die zuvor von zwanzig Prozent der Population gedroschen wurden.

Wer sich lautstark auf die Suche nach sich selber begibt, geht wohl davon aus, dass ihn das Ergebnis der Suche nicht enttäuschen wird.

Scheuklappen sind ein probates Mittel zur Erzeugung von  Zuversicht.

Die Speisung der Fünftausend wird durch die Politische Theologie der Demokratie in den Schatten gestellt. Diese vermag es, durch parlamentarische Mehrheitsbeschlüsse ökonomische, soziologische und sogar biologische Grundtatsachen außer Kraft zu setzen.

Da die anderskatholische Kirche schwarwenzelnd jede Eskapade der Linken nachvollzieht, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Judenhass wieder in den Kirchbänken sitzen wird - selbstredend in seiner "legitimen israelkritischen" Gestalt.

"Der Antisemitismus als moderne Erscheinung ist die ärgste Ohrfeige, die der Herr in seiner immer dauernden Passion erhalten hat; die blutigste und unverzeihlichste, weil er sie auf dem Antlitz seiner Mutter erhält, und dies von der Hand von Christen."
LÉON BLOY

Der überlieferte Glaube ist noch immer stark genug, durch die Kirchenfenster in das bürgerliche Heldenleben hineinzuscheinen. Der Bürger als Held aber läßt die Kirchenfenster zumauern, da er eigene Gestaltungswünsche umgesetzt sehen will.

Der progressive Geist vermag das Wort Jesu von dem Licht, welches in Wirklichkeit eine Finsternis ist, nicht zu fassen. Dies muss man wohl als Selbstschutz interpretieren.

Die sogenannten Entwicklungsländer mit ihren unfähigen, korrupten und dennoch anmaßenden Eliten sind den Industrienationen in ihrer Entwicklung um ein bis zwei Jahrzehnte voraus.

Lügen, die zum Allgemeingut geworden sind, übernehmen zumeist eine staatstragende Funktion.

Das bürgerliche Ideal des Christentums läuft auf eine Kirche voller reicher und bigotter Kamele hinaus.

Der Angestellte kennt kein äußeres Objekt, in welchem er sich durch seine Arbeit vergegenständlichen könnte. Statt dessen macht er sich selber zum Gegenstand seiner Tätigkeit, indem er sich in eine Charaktermaske verwandelt, die mit ihrer versteinerten und geistlosen wichtigen Miene an primitive Götzenfiguren erinnert. Diesen Götzen stellt er dann ins Schaufenster, ihn feilbietend.

"Ich halte jeden Menschen für voll berechtigt, auf die - von den Ingenieursgesichtern und Betriebswissenschaftlern herbeigeführte - derzeitige Beschaffenheit unserer Welt mit schwerstem Alkoholismus zu reagieren, so weit er sich nur was zum Saufen beschaffen kann."
HEIMITO von DODERER

Spießer sind nicht konservativ. Sie hängen lediglich an den progressiven Phrasen von vorgestern. Ein Spießer zu werden ist das natürliche Schicksal eines jeden progressiv gesinnten Menschen, der den Anschluss an den Fortschritt verliert.

Er schrieb seine theologische Dissertation im Geiste der historisch-kritischen Methode über die Frage, ob die Jünger den Esel, auf welchem Christus in Jerusalem einritt, jemals wieder, wie versprochen, zurückgebracht hatten und brüstete sich nun damit, einem niemals geahndeten Viehdiebstahl auf die Schliche gekommen zu sein.

Das Widerwärtige an einem Klerus, welcher den Glauben verloren hat, ist nicht sein Beharren auf seine überkommenen Geldbezüge, denn Schmarotzer hat es immer gegeben. Das Widerwärtige an einem Klerus, welcher den Glauben verloren hat, ist vielmehr, dass er sich neue Herren sucht und sich bei neuen Herren anbiedert, um dort die Fähigkeiten, die ein Kleriker erlernt hat, zu missbrauchen. So dient man sich eben als bewußtseinsschaffender "Mahner" an, deutet das Evangelium als Parteiprogramm, erklärt die Leugnung und Verspottung Gottes zu Offenbarungen des Heiligen Geistes und natürlich den Juden Jesus zum "Palästinenser". Überhaupt wird man endlich wieder in der ersten Reihe stehen, wenn es gegen die Juden geht.

"Wenn die Pfaffen nicht Tyrannen der Fürsten sein können, begnügen sie sich damit, ihre Schmeichler zu werden."
BARON de MONTESQUIEU

Das moderne Individuum glaubt sich zu finden, indem es seine Seele verliert.

Es gibt nichts Lächerlicheres als einen Opportunisten, der den Wechsel der Opportunitäten verschlafen hat.

Der rigorose Hass des progressiven Theologen auf den eigenen Glauben in seiner überlieferten Gestalt ist die Kehrseite seiner übergriffigen und vereinnahmenden Hochachtung für den fremden Glauben.

In der Gestalt der Dienstleistungsgesellschaft kehrt die Moderne zu dem kulturellen Standard der vorchristlichen Antike zurück: Arbeit gereicht zur Schande.

Er hatte eine ehrfurchtgebietende Sammlung protestantischer Reliquien zusammengetragen, wie etwa den Geifer Martin Luthers in Kristallphiolen, den eingerahmten Führerschein Margot Käßmanns und das von Bedford-Strohm abgelegte Kreuz.

Politik nennt man den Kampf der Cliquen um die öffentlichen Gelder. Als Demokratie bezeichnet man diesen Vorgang, wenn die herrschenden Cliquen es dem Volk gestatten, dabei aus der ersten Reihe heraus zuzuschauen.

Der Begriff Selbstmord ist irreführend. Wer sich selber tötet, tut dies letztlich wohl, um den Fremden zu ermorden, in welchen er sich, zu seinem Schrecken, schleichend verwandelt hat.

Den progressiven Priestern kann keiner mehr vorwerfen, sie predigten Wasser und tränken Wein. Aber der Wein, den sie nun predigen, ist gepanscht.

Conditio humana: Die Zukunft ist beängstigend, die Gegenwart unbegreiflich und die Vergangenheit deprimierend.

Man sollte einen Philosophen oder Dichter nicht mit der Erwartung lesen, dort Lösungen oder gar die Erlösung zu finden, sondern mit der Hoffnung, jemanden zu entdecken, der der Unerlösbarkeit und Hoffnungslosigkeit einen präziseren und ansprechenderen Ausdruck verleiht, als wir selber es vermögen.

Die modernen Kleriker, die bei jeder Gelegenheit die Herkunft der Idee der Menschenrechte und der "Werte" der Aufklärung aus dem Geiste des Christentums betonen, hoffen, durch das Pochen auf die Urheberrechte noch für eine Weile Tantiemen einstreichen zu können.

Was der Bürger unter Würde versteht, ist eine künstliche Fassade, die die Distanz der Individuen zu ihrer Aufrechterhaltung voraussetzt. Was das Christentum unter Würde versteht, offenbart sich erst auf kurzer Distanz bei der mitleidigen Betrachtung des Elends und der Verletzlichkeit des Menschen, wie ein Knochen, der aus einer offenen Wunde hervorschimmert.

Manche Menschen bewegen sich in den Hierarchien dieser Welt mit der gleichen Virtuosität, wie sie Ratten in der verwinkelten Kanalisation an den Tag legen.

Mit der Zahl der Bücher, welche man studiert hat, wächst in einem ein Unmut heran, Texte, die mehr als zwei oder drei Sätze umfassen, noch zu lesen, nicht weil die eigene geistige Spannkraft nachgelassen hätte, sondern weil man den Autoren deren bequemliche Geschwätzigkeit nicht länger verzeihen mag.

Die Linke verwechselt die Hermeneutik mit Kriminologie.

Der "Ballast", den die Kirche gemäß dem Rat ihrer progressiven Kleriker zurücklassen soll, ist letztlich das Kreuz, welches diese Kleriker nicht mehr geneigt sind zu tragen.

Zu hoffen meint, darauf zu setzen, dass unsere Erfahrungen statistisch nicht signifikant sind.

Die große Mehrzahl der Menschen vermag es nur im und als Plural zu existieren. Daher der Hass auf die Wenigen, die für sich den Singular beanspruchen. Daher die Empörung über den eigenen Tod, der uns unweigerlich und unabwendbar als Individuum ergreift.

Die antiken Christen erkannte man daran, wie sehr sie einander liebten. Die modernen Christen erkennt man daran, wie sehr sie einander bekriegen.

Der christliche Glaube ist, anders, als es seine modernen Manager verkünden, wenig lebensdienlich. Menschen, wie etwa Bloy oder Kierkegaard, die sich radikal für den Glauben entschieden haben, sind gemäß den Kategorien der lebens- und geschäftstüchtigen Bürger, als gescheiterte Existenzen zu betrachten.

Die Skepsis ist die natürliche Tochter des Glaubens. Wo diese Tochter an ihrem Herkommen festhält, schützt sie vor Demagogie und Aberglauben und bleibt die Voraussetzung wirklicher Autonomie. Wo sie ihr Herkommen verwirft, wird sie zum billigen Flittchen, welches leicht zu haben ist.

Gedanken, die in der Luft liegen, haben das Odeur billigen Parfüms.

Man muss Verständnis mit all den linken und progressiven Intellektuellen haben: Wo es um Propaganda zu tun ist, da ist intellektuelles Niveau nur hinderlich.

Nachdem die Religion aufgehört hat, das Opium des Volkes zu sein, ist nun endlich wieder das Opium das Opium des Volkes.

Die Freiheit eines Christenmenschen, seine wirkliche Autonomie, beruht auf der Gewissheit, dass nur Gott ihn mit Autorität verwerfen darf, dass Gott dies wohl auch mit gutem Grund tun wird und dass Gott ihn auch in seiner Barmherzigkeit wieder aufheben wird.

Auch in der Katholischen Kirche verdrängt nun der Jargon der Achtsamkeit das Wort Gottes. In diesem Jargon vollendet sich die Verdinglichung des modernen Menschen, der sich nunmehr, getrieben von euphorischer Flachheit, zu sich selber und zu seinen Mitmenschen mittels kulturindustriell vorgestanzter Phrasen verhält. Das beschädigte Leben maßt sich an, sich selber heilen zu können, wo doch nur Gott das Heil noch schenken könnte.

Verwunderlich ist die Klaglosigkeit, mit der die Toten die Enge und Intimität mit Fremden, welche wir ihnen auf dem Friedhof dauerhaft aufzwingen, hinnehmen, vermöchten wir Lebenden doch Gleiches nicht einmal für eine Stunde mit unseren Liebsten und Nächsten auszuhalten.

Die Äste, an die wir Ertrinkenden uns klammern, haben wir mitunter zuvor selber abgesägt.

Menschen, die ihres Glückes Schmied sind, nehmen sich tatsächlich oft so grob wie ein Schmied aus.

Nur ein flacher Geist wird sich nicht an den vielen Untiefen unserer Zeit reiben.

Das letzte verbliebene Sakrileg innerhalb der Katholischen Kirche ist es, einen der vielen von ihr bestallten Kirchenkritiker zu kritisieren.

Die Moderne erweitert kontinuierlich den Kreis jener Leute, die niemals in ihrem Leben eigene Gedanken hatten, die diese aber dennoch zwanghaft mit ihren Mitmenschen teilen müssen.

Der Schalk, der Autoren wie Jean Paul oder Doderer im Nacken sitzt, residiert bei Kafka in einer endlosen Zimmerflucht.

Kafkas Sprache: Ausgefeilte Präzision, durch deren Zeilen überall eine beunruhigende Dubiösität hervorlugt.

Den christlichen Glauben ins Lebensdienliche verbiegen zu wollen, meint ihn misszuverstehen. Der christliche Glaube macht nur für denjenigen Sinn, der sich von der abgrundtiefen Sinnlosigkeit dieser Welt überzeugt hat.

Die philosophische These, dass es keine Wahrheit gäbe, kommt denen gelegen, die um für sie unangenehme Wahrheiten wissen.

Schönheit geschieht, man kann sie nicht erstellen.

Politiker, die Interessen durchzusetzen suchen, haben konkurrierende Gegner. Politiker hingegen, die Ideen zu verwirklichen suchen, haben verachtenswerte Todfeinde.

Die Menschen lassen ihre Empfindungen in sich wuchern wie Pilze. Wenn sie dann, nach Orientierung verlangend, umherirren, so stoßen sie überrascht auf diese Empfindungen wie ein Pilzsucher im dunklen Wald auf leuchtend weise Parasole, um sich nun für erleuchtet zu halten.

Der Judenhass ist der kleinste gemeinsame Nenner allen Gesindels.

Die Avantgarde ist mitunter nur die Nachhut des Teufels

Den wahren Konservativen treibt weniger die Ehrfurcht vor der Vergangenheit an, als vielmehr die Befürchtung, dass es in der Zukunft noch schlimmer kommen könnte.

Sein Biograf schloß mit der Feststellung, dass er zu jenen Menschen gehörte, die durch ihre Enthauptung in ästhetischer Hinsicht hinzugewonnen hatten.

Philosophieren heißt sterben lernen: Der emeritierte Philosophieprofessor Heinrich Krautschnebler, den das Ansinnen umtrieb, sich bedeutungsvolle und vor allem zitierwürdige letzte Worte zurechtzulegen, um für die dereinst ihm schlagende Stunde gerüstet zu sein, wurde, vertieft in diesen ans Eschatologische grenzenden Gedanken, beim Überqueren der Straße vom Bus überfahren.

"Sterben:

 Sich drehn
 von der Seite der
 Erfahrung auf die
 
 der Leere, un-
 geängstet, ein
 Wechseln der Wange,
 
 nichts weiter."
ERNST MEISTER




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NACHRUF AUF EINE DEUTSCHE GEISTESGRÖSSE

von

Ferdinand Friedlos


 
“Vor dem Tode ist kein Kraut gewachsen, auch der Lorber nicht.”
JEAN PAUL
                   

Wie der Max Fischtruebber-Verlag in Zotenburg heute bekannt gab, ist der renommierte Philosoph  Professor Dr. Leo Flappsiger gestern überraschend verstorben.

Der 1920 in Bad Salz-Schmockstein geborene Flappsiger hatte sich durch seine durch  Heidegger betreute Dissertation zum Thema 'Nietzsches Leben als Seinsquelle  seines Philosophierens' schon früh den Ruf eines großen Nietzsche-Kenners  erworben. So konnte er in seiner frühen Studie nachweisen, dass Nietzsches  letztes Werk, 'Der Wille zur Macht', nichts anderes darstellt als eine  intellektuelle Rebellion gegen eine herrschsüchtige neapolitanische Waschfrau,  mit der Nietzsche sich während seines Italienaufenthalts jahrelang über das  korrekte Stärken seiner Hemdkragen herumstreiten musste. Nachdem Nietzsche der  letzte seiner Kragen geplatzt war, setzte er sich hin und schrieb das berühmte  Werk. Auch hatte Flappsiger nach mühevoller Archivarbeit endlich das Rätsel lösen  können, wo Nietzsche sich die Syphilis geholt hatte, die ihm schließlich zum  Verhängnis wurde. Flappsiger konnte als Überträgerin der Krankheit die Klavierlehrerin von Nietzsches Nichte Edeltraud  identifizieren, die der stets etwas klamme Philosoph gezwungenermaßen in  Naturalien bezahlen musste. Die Begegnung mit dieser in Bayreuth für ihr staubtrockenes Largo bekannten und als spröde und verkniffen verschrieenen Musikpädagogin soll Nietzsche - laut Flappsiger - zur Niederschrift von ‘Jenseits von Gut und Böse’ inspiriert haben.

Später kreidete man Flappsiger allerdings an, dass er dem  damaligen braunen Zeitgeist im Vorwort seiner Dissertation das Zugeständnis gemacht hatte, Nietzsche zu unterstellen, er hätte in der seinerzeit alle tief bewegenden Frage: ”Wollt Ihr  Butter oder Kanonen?” für die Kanonen plädiert, hätte der große Philosoph noch  die bombastischen Zeiten des Dritten Reiches erlebt. Flappsiger konnte allerdings  geltend machen, dass er in persönlichen Gesprächen stets betont hatte, Nietzsche  wäre seiner Einschätzung nach weder der Typ für die Butter noch der Typ für die  Kanonen gewesen, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach der Typ für den Schinken,  also für eine dritte, damals gar nicht diskutierte Option. Mit dieser auch von  unabhängiger Seite bezeugten Aussage konnte Flappsiger nach 1945 wieder viel an  Boden gut machen, war er doch sogar im Gespräch für den hochdotierten Posten eines Sprechers des Verbandes deutscher Schinkenproduzenten.

Mit seinem Doktorvater Heidegger verband Flappsiger in dieser wohl für ihn  glücklichsten Zeit seines Lebens, ein herzliches, stets aber von schülerhafter  Ehrfurcht geprägtes Verhältnis. So erzählt man sich noch heute in Freiburg die  anrührende Anekdote, wonach Heidegger und Flappsiger eines Nachmittags durch  Freiburg philosophierend spazierten bzw. spazierend philosophierten, als sie  beide einem hungernden Bettler begegneten. Heidegger, dem seine Biographen noch  heute seinen ausgeprägten Geiz zum Vorwurf machen, murmelte nur: “Bin ich Jesus? ”, woraufhin sein Schüler antwortete: ”Wer sonst, wenn nicht Sie!”

Die Kriegswirren führten Flappsiger über verschlungene Wege an eine ostdeutsche  Universität, wo es ihm 1949 gelang sich bei dem damals sehr bekannten  SED-linientreuen Professor Kasimier Kaltschnäuzer zu habilitieren. Seine Arbeit  über 'Die Praxis der sozialistischen Geschichtsphilosophie' zog freilich nach  ihrer Veröffentlichung einen empfindlichen Eklat in der ostdeutschen  Intellektuellenlandschaft nach sich, hatte Flappsiger doch eindeutig anhand der  Schriften von Marx und Lenin nachgewiesen, dass der Kapitalismus auf der  Ausbeutung des Menschen basiert, der humanistische Sozialismus hingegen auf der  hingebungsvollen Praxis des Genickschusses. Flappsiger eckte im Besonderen bei  seinen ostdeutschen Philosophenkollegen an, da er außerdem die These aufstellte,  Marx habe stets für den unmittelbaren, direkt aufgesetzten Genickschuss plädiert  und damit dem authentischen Geist des Sozialismus Gestalt gegeben, wohingegen  der von Flappsiger als Abweichler gebrandmarkte Lenin stets einem Genickschuss aus  größerer Distanz (in der Regel ca. 30 cm vom Nacken des selbstkritischen  Delinquenten) das Wort geredet habe. Dies war freilich starker Tobak, und  Flappsiger konnte der am eigenen Leib bzw. Genick drohenden Exemplifizierung seiner eben erst  aus der Taufe gehobenen Theorie über den Genickschuss nur durch eine rasche  Flucht in den Westen entgehen.

Im Westen angekommen, so lässt sich rückblickend feststellen, kam Leo Flappsiger  nun endlich auch bei sich selber an. Nach kurzer Orientierungsphase trat Flappsiger  mit den Worten, er sei immer schon ein erzliberales Urgestein gewesen, in die  FDP ein und wäre über diese verdienstvolle Partei der Besserverdienenden auch  beinahe für den Wahlkreis Buxtehude in den Bundestag eingezogen, hätten sich  nicht vermutlich von der Stasi verstreute Gerüchte verbreitet, wonach Flappsigers stets übel gelaunter  und herrschsüchtiger Rauhaardackel Adi Mitglied der NSDAP gewesen sei. Nachdem sich seine Pläne für eine  politische Karriere zerschlagen hatten, nahm er doch wieder seine alte  Universitätslaufbahn auf. Es fand sich an der Provinzuniversität Zotenburg ein vakanter Philosophielehrstuhl, den niemand sonst haben wollte, da zum einen die zum Lehrstuhl gehörende und an ihm wie eine Zecke haftende Sekretärin für ihre Launigkeit berüchtigt war und noch jeden Lehrstuhlinhaber binnen kurzem hinter sehr enge und einschüchternde Schranken verwiesen hatte. Zum anderen stand der zugeteilte Vorlesungssaal nur am Freitag Nachmittag um eins zur Verfügung, also zu einer nach einstimmiger Meinung der Professorenschaft wie der Studenten dieser sehr christlichen Universität höchst unchristlichen Zeit. Flappsiger schreckten solche Fährnisse freilich nicht ab, denn in den Techniken, die man benötigt, um in totalitären Systemen unter großen oder kleinen Diktatoren zu überleben, war er geübt und Freitag Nachmittag kam er, was seinen Arbeitseifer anging, üblicherweise erst so allmählich in Fahrt, ließ er doch die Arbeitswoche seit seiner Jugendzeit immer sehr langsam angehen. Nach Annahme seiner Berufung genoss er bei seiner überschaubaren Studentenschar bald den Ruf eines liebenswerten akademischen Sonderlings, der niemandem sonderlich weh tat - weder als Publizist noch als Prüfer. Noch Jahre nach seiner Emeritierung erzählte mach sich zum Beispiel gerne und oft Anekdoten, wie die, dass Flappsiger die Universitätstoilette stets mit den Worten betrat: ”Schauen wir mal, was dabei herauskommt.” Unvergessen blieb auch der Tag, an dem Flappsiger mit dem  schmiedeeisernen Kopfteil seines Bettes pünktlich zur morgendlichen Vorlesung erschien, da  eine zwar ambitionierte aber auch etwas schusselige Studentin die Schlüssel für  die Handschellen verschlampt hatte. Durch diesen fesselnden Umstand fühlte sich der  Professor doch etwas behindert, als er mit seiner gewohnt gestenreichen  Ausdrucksweise den für diesen Tag anstehenden kategorischen Imperativ und die in diesem Konzept angedeutete  mögliche Versöhnung von Freiheit und Notwendigkeit erläutern wollte. Geschätzt wurde außerdem allgemein, wie mühelos und mit leichtem Sinne der ursprünglich auch als Schauspieler ambitionierte Flappsiger, trotz seiner chronischen geistigen Inkontinenz, die wichtige Miene zu wahren wusste, zu der er berufsbedingt verpflichtet war.

Privat gelang es Flappsiger rasch, Zugang in erlesene westdeutsche  Intellektuellenkreise zu bekommen. So pflegte er regelmäßig an Freitag Abenden  in dem für seine norwegischen Spezialitäten bekannten Zotenburger Restaurant ”Zum  lustigen Lemming” ein Treffen mit dem renommierten Lyriker Ernst Teslebens  und dem Dichterfürsten Reiner Maria Blanckhohn abzuhalten, wo die drei,  nachdem sie sich stets eine extra große Portion geschmorter Elchhoden und danach den obligatorischen Käseigel hatten servieren lassen, erlauchte  philosophisch-literarische Gespräche führten, die in der Regel bis in die tiefe Nacht anhielten, um dann in das etwas anrüchige  Intellektuellenszenelokal ”Zur platonischen Beziehung” verlegt zu werden, aus dessen im Keller gelegenen finsteren Eingang die drei, wie angebunden um ihren Tisch  sitzend, schließlich das Morgengrauen wahrnahmen, darüber streitend, ob die von der Morgensonne in den Kellereingang hinuntergeworfenen Schatten der ersten frühen Passanten nun bloßen Schein oder reales Sein darstellten. Der Diskurs über diese Frage wurde traditionellerweise irgendwann ergebnislos abgebrochen, indem man auf das Angebot des Kellners - eines gewissen Georg (genannt: “Ganymed”) Tschierling - noch einen letzten Becher vom Bettstädter Buchsbaumschneider, dem an fränkischen Südhängen gereiften Lieblingstropfen des Flappsigers, zu leeren, einging, um dann auf müden Schenkeln sich gegenseitig stützend nach Hause zu torkeln.

Die Erlebnisse in diesem Szenelokal und im Besonderen mit dem Kellner Tschierling inspirierten Flappsiger auch zu dem hegelkritischen Kapitel ‘Gast und Kellner’ in seinem Spätwerk, den ’Zeitgemäßen Betrachtungen’, in welchem er Hegel vorwarf, er sei in der von ihm entworfenen Dialektik von Herr und Knecht den Anfängen der industriellen Gesellschaft zu sehr verhaftet geblieben, ohne noch analytische Ansatzpunkte für die moderne Dienstleistungsgesellschaft bieten zu können, in welcher nun der Kellner als der paradigmatische Mensch erscheine, der zwar dem Ruf des Gastes zu folgen habe, der sich aber in seinem berufenen Tun zugleich als der Herr über die Zeit eben des ewig wartenden und somit bloß passiven, nur auf das Konsumieren ausgerichteten Gastes erfahre, wodurch die Zeitlichkeit im Akt des Bestellens durch den Gast zum Keim eines kellnernden Selbstbewußtseins, also des sich seiner selbst geschichtlich bewußten Kellners wird und zugleich die Zeit des Gastes durch den Kellner autonom konsumiert wird.

Gestern nun verschied Leo Flappsiger nach einem langen und erfüllten Leben am  plötzlichen multiplen Organversagen, als es ihm an einer Imbissbude in der Zotenburger Fußgängerzone unterlief, gleichzeitig zu  niesen, zu rülpsen und einen fahren zu lassen - eine durch die traditionell sehr schwere fränkische Kost beförderte Koinzidenz von körperlichen Ereignissen, durch die die subjekt-objekthafte Einheit von Körper und Geist, die Flappsiger darstellte, ihr immer schon labiles Gleichgewicht verlor, so dass sich diese beiden Entitäten mit dem Geräusch eines Knallbonbons für immer trennten. Flappsigers letzte bezeugte Worte lauteten: “Das Glück ist ein Tun”, was einige seiner intellektuellen Weggefährten als finales Bekenntnis zur aristotelischen Ethik deuteten. Andere Stimmen hingegen vermuten, er hätte an der Imbissbude lediglich erleichtert "Zum Glück ist es kein Huhn." gesagt.

Seine Witwe, Traudel  Wiesengraß-Flappsiger wird seine Urne, die auf Wunsch des Philosophen nur mit der  schlichten Gravur ”Leo inside” versehen wurde, nächsten Mittwoch der ewigen  Ruhe übergeben.

Flappsigers langjähriger Freund Ernst Teslebens wird bei der Beerdigung eine  eigens gedichtete Ode vortragen, die wir hier, als würdiges Ende dieses  Nachrufes abdrucken wollen:


 ODE AN EINEN FREUND
 Es roch der olle Flappsiger,
 Wie mancher grauer Achtziger.
 Er war nun einmal inkontinent,
 Doch hat er auch so manch Talent,
 Sich anzupassen an der Zeiten Wende.
 Nichtsdestotrotz fand er sein Ende.
 Nun merke lieber Leser
 Östlich oder westlich der Weser:
 Ist dein Handeln auch noch so opportun,
 Du krepierst ja doch wie ein geköpftes Huh
n.
 
 

Publikationsverzeichnis von Leo Flappsiger:
- Der venerische Geist. Nietzsches Leben als Seinsquelle  seines Philosophierens (1943)
- Martin Heideggers ontologischer Dadaismus (1944)
- Die Praxis der sozialistischen Geschichtsphilosophie. Mit einem Exkurs zur Rolle des Genickschußes in der proletarischen Entdinglichung des Menschen (1949)
- Sein und Zeitgeist (1952)
- Das Gehöre der Häusigkeit. Ein Heideggerianer liest Max Weber (1953)
- Reise durch die Hegelei. Preußische Staatsräson und schwäbische Geschwätzigkeit in der Philosophie Hegels (1955)
- Mythos der Syphilis (1956)
- Nicht-Ich und Nichtigkeit. Zu Fichtes intransparenter Transzendentalphilosophie (1957)
- Über den Schmonzes in der Philosophie. Rede an die Gebildeten unter seinen Verächtern (1960)
- Phänomenologie des Schneuzens (1964)
- Metaphysik der Titten. Ein Essay über Freud und die Frauen (1965)
- Micky Maus und Mussolini. Faschistische Elemente in der amerikanischen Kulturindustrie (1969)
- Das Klo. Kritik der Politischen Ökonomie eines dringenden Bedürfnisses (1971)
- Die Pose des Denkers und andere philosophische Possen (1976)
- Der Sinn der Leber. Meditationen eines Trinkers (1978)
- Geschichte und Schicksal der Ironie (1979)
- Zur ästhetischen Theorie der Mettwurst (1980)
- Notdürftigkeit des Alltags und gekachelte Obszönität. Strukturalistische Hermeneutik am Beispiel einer Busbahnhofstoilettenwand (1985)
- Theorie des einträglichen Handelns (1987)
- Der philosophische Börsenkurs der Moderne (1988)
- Mythos Technik. Warum nur die Länge zählt (1990)
- Willis Welt in seiner Vorstellung. Eine Hinführung zur Philosophie für Kinder und Kindgebliebene (1991)
- Öffentlichkeit. Vom Nutzen und Nachteil der Philosophie für das Geschwätz (1992)
- Der umständliche Andere. Philosophische Anthropologie des hinderlichen  Mitmenschen (1995)
- Die Kunst der wichtigen Miene und ihre praktische Anwendung. Ratgeber für angehende Akademiker (1999)
- Was tun? Der Berater-Kapitalismus als höchstes und letztes Stadium des Kapitalismus (2003)
- Grass lesen. Über Zwiebelhäute und Zeitverschwendung (2005)
- Lob des Opportunismus. Eine neoliberale Ethik für unsere Zeit (2008)
- Flappsigers Bemerkungen. Zeitgemäße Betrachtungen (2010)
- Das Schicksal der menschlichen Hand im Zeitalter der Maus. Versuch einer Anthropologie des digitalen Zeitalters (2010)
- Also sprach Dieter Bohlen. Kommunikative Tiefendimensionen der Moderne (2012)
- Einer kroch aus dem Kuckucksnest. Eine philosophische Autobiographie (2013)

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PROSAISCHE POESIE

von

 FERDINAND FRIEDLOS




 

"An manchen Orten heißt der Abtritt 'Gelegenheit'. Daher vielleicht der Titel Gelegenheits Gedichte."
JEAN PAUL


 orientalische sinnlichkeit
 es sprach der schah von teheran,
 als man ihm trug den tee heran:
 ach eh ich es vergesse:
 ich hätt gern ne mätresse!
 zur not täts aber auch ne hetäre,
 wenn sie nur blond genug wäre.
 oder irgendeine konkubine:
 hauptsache eine blondine!

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 afrikanisches nachtlied
 über mogadischu ist ruh`.
 in allen hütten riechest du
 kaum einen rauch.
 die schimpansen schnarchen im walde.
 warte nur, balde
 schnarchest du auch.

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 viertel des lebens
 im andenken an die abiturfeier des leistungskurses deutsch
 des alexander-von-humbug-gymnasiums in zotenburg
 am örtlichen baggersee

 mit blonden dirnen hänget
 und voll mit bier aus dosen
 der bernd in den see.
 ihr holden schicksen,
 und trunken vom wodka
 tunkt ihr das bleiche haupt
 ins eisig-nüchterne wasser.

 weh mir, wo nehm ich, wenn
 es morgen wird, die kleider, und wo
 den horst beinstein,
 und den rest der freundesherde.
 die flaschen stehn
 sprachlos und leer, selbst rosalinde
 hat eine fahne.

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  physikalisches
 es heißt in einsteins diele
 stand das erste perpetuum mobile.
 dies wird auch von heisenberg bezeugt,
 der das gerät einst neidisch beäugt.
 doch ist es dann im nachlass verschwunden,
 was die physiker haben bis heut` nicht verwunden.

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 hommage an dada
 die zeiten zahnen, doch:
 es steint der tropfen hohl
 und mit ihm stumpft der stiel.
 es schopft das pack den pudelkern.
 den zar aber zerren zornige zeisige,
 während der pfahl den zäunen winkt.

 die athener tragen eulen und
 die roten verlieren ihre fäden.
 den raben fressen die reiter
 im verschwiegenen graben,
 während die waage noch züngelt.

 der pfeifer locht den letzten,
 der aber holt seinen löffel
 und am ende fassen die eigenen
 die verdrehte nase.

 oh weia, oh je:
 zum hohn klatscht der mohn!

 schwarz ist die nacht
 bei lichte besehen.

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 beschildertes weltenende
 dies ist das ende
 vom abschüssigen gelände.
 danach beginnt der freie fall,
 ins unbegrenzte weltenall.

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 homo homini lupus
 ich würd` ihnen gern den hals umdrehn.
 sie werden dieses anliegen sicherlich verstehen?

 ihr vorhaben - das ist angebracht,
 und auch überzeugend vorgebracht.
 doch lassen sie mich noch fragen:
 darf ich ihnen zuvor den kopf abnagen?

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 anachronismus
 belauscht während einer after-work-party der kulturredaktion der >zeit<
 
 einst stand der philosoph hegel
 am berliner flughafen tegel.

 ich glaube wohl sie spinnen!
 das kann doch nicht stimmen!
 wie hätt er denn über die berliner mauer kommen wollen,
 ohne den ethischen impetus des kantianischen sollens.

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 tool making animal
 es sprach der greise marquis de sade:
 geh, was ist mir heut wieder fad!
 hätt ich noch meine alte rute,
 die lange, oft bewährte, gute.
 hart und fest und doch biegsam,
 dabei in der pflege genügsam.
 dann könnt ich die magd versohlen
 und so ein wenig glück mir holen.
 aber das biest hat die rute versteckt.
 ach das sie an ihrer tugend verreckt!
 ich ging ja in den garten zu den weiden,
 mir eine neue, schöne rute zu schneiden.
 aber ich greis schaff die treppe nicht mehr.
 dank der libertinage altert man eben sehr.
 so werd ich halt bloß ein buch drüber schreiben
 und im reiche meiner phantasie verbleiben.

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 sinnfreies
 sie werden es nicht glauben!
 ich wollt sie heut nacht berauben.

 bei mir ist doch nichts zu holen,
 außer einem paar ausgestopfter dohlen.

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 kontrastmittel
 die schönheit deiner glieder,
 die ist mir sehr zuwider.
 ich hätt lieber ne potthäßliche frau,
 neben der ich dann gut ausschau.

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 existenzialismus
 inmitten einer tiefdruckrinne
 ward er seiner existenz nun inne.
 durchnässt vom regen bis auf die knochen
 hat er wie ein nasser hund gerochen.
 den dumpfen mief, das triefende haar
 nahm er als grenzsituation war.
 nun steht er einsam und allein,
 halt ein wirklich armes schwein.

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 ikarus
 so eine fliege wirkt recht abgehoben,
 kommt sie durch die lüfte angeflogen.
 doch trifft sie auf die windschutzscheibe,
 so tut sie einem doch auch leide.

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 ontologie
 der punkt ist
 ich aber bin
 das wird es sein
 sokrates war sterblich

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 idylle
 einst diente die alte linde des winters als krähenbaum.
 vor lauter krähen, da sah man sie kaum.
 doch wurde vom bauern gift ausgestreuet
 und so die linde von krähen befreiet.
 jetzt blüht die linde sommers überm krähengrab
 und dient so dem wandersmann als seelenlab.

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 arglosigkeit
 jan-torben war voller moralischer entrüstung,
 als man ihn warf über die balkonbrüstung.
 dabei hatte er nur nach der herrentoilette gefragt,
 auf dem genderisten-jahreskongress ganz unverzagt.

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 klageruf des alten libertin
 wohin nur ist entfleucht meine jugend?
 sie ging wohl flöten mit meiner tugend.
 jetzt spielt die lust die erste geige,
 bis zur allerletzten bitteren neige.

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 zotenburger grabinschriften
 die andrea hier, die war ein böses mädl,
 drum wurd gespalten ihr der schädel.
 drauf ward sie schleunigst tief vergraben
 und dann versoffen ihr bankguthaben.
 
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 zotenburger grabinschriften ii
 der karl hier war ein schmutzger bube,
 nun liegt er sauber in der grube.
 es schweigt sein hämisch-böses lachen
 beredt jetzt unter dem boden der tatsachen.

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 in der fußgängerzone
 einst sammelte ich edle uhren
 und liebte teure edelhuren.
 jetzt bin ich finanziell am ende
 und bitte nun um eine kleine spende.

 ----
 
 diskriminierung
 es heißt das hungrige raben
 verschmähen selbst keinen toten schwaben.
 wie anders wir menschen uns da betragen,
 die auch keinen lebenden ertragen.

 ----

  das prinzip hoffnung
  es stehen die marxisten
  herum auf grünen skipisten.
  auf schnee und sozialismus warten sie vergeblich.
  nächstes jahr kommt beides angeblich.
 
----

 ostpreußisches symposion
 es kommen kant und klopse aus königsberg -
 ein geistiger riese und ein kulinarischer zwerg.
 der riese sucht die grenzen der vernunft zu erhellen,
 der zwerg hingegen zu vereinen kapern und sardellen.
 wir wünschen beiden viel glück bei ihrem bemühen,
 während wir uns den nötigen verdauungstee aufbrühen.

  ----

 stadtverderben
 am rhein im schönen städtchen bingen,
 da erfreuten sich die bürger gern beim singen.
 dies ward vom stadtherrn als unangenehm empfunden,
 wie mittelalterliche akten es bekunden.
 drum hat der herr seine stadt niedergebrannt
 und wurd so als erster musikkritiker bekannt.

----

 zotenburger grabinschriften iii
 sie hängten hannes schon in jungen jahren.
 so konnt er sich so manche ausgabe sparen.
 schuldig, aber schuldenfrei wurd er ins grab gelegt,
 von seinen reichen erben, welche tief bewegt.
 
 ----

 zotenburger grabinschriften iv
 der hans hier wollt werden drachentöter.
 gereicht hats nur zum schwerenöter.
 so mancher frau hat er ruchlos das herz gebrochen.
 die letzte hat ihm das seine mit ner scher durchstochen.
 
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 sinnfreies ii
 morgen in der früh werd ich sie erschießen.
 ich hoff, das wird ihnen die stimmung nicht vermiesen.

 aber nein - in keinster weise,
 da ich noch heute abend verreise.
 
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 zotenburger grabinschriften v
 der wilhelm hier, der war ein protestant.
 geendet aber ist er als arrestant.
 es zählte für ihn allein und einzig der glaube.
 drum seht hinweg über seine morde und den bankraube.
 
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 die leiden des werten herrn goethe
 geheimrat goethe war ein armer tropf,
 der stets nur hatte verse in seinem kopf.
 selbst beim warten an der käsetheke
 suchte er nach einem reim auf faustens grete.

 ----

 entdeckerfreuden
 man muss oft hören von dummen toren,
 die sich werktags in den ohren bohren.
 doch hat man bisher nicht vernommen,
 dass einer bis zum hirn ist durchgekommen.

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  letze worte auf dem schafott
  haben sie noch etwas zu sagen,
  bevor es ihnen geht an den kragen?
  nun, die unterbringung, die war ziemlich schlecht.
  und die matratze, die war mir nicht recht.
  das frühstück war hundsmiserabel
  und für den koch eher blamabel.
  kurz: ich kann es ihnen nicht verhehlen,
  ihre einrichtung werd ich nicht weiterempfehlen.
 
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 selbstgespräch
 noch viele schöne grüße
 an meine lieben füße.
 seit jahren ward ihr nicht gesehn,
 dank kilogramm zweihundertzehn.
 
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 zotenburger grabinschriftenen vi
 beim duschen war der horst hier ausgeglitten
 und hat danach an genickbruch gelitten.
 zu viel reinlichkeit ist ungesund,
 tat abschließend der leichenbeschauer kund.

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 memento mori
 es klebt ne tote amsel auf der straße.
 welch motiv für eine meissner vase.
 ein schwarzer klecks auf grauem grund:
 so gedenke deiner letzten stund.

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 zotenburger grabinschriften vii
 hier ruht der wortgewandte paul.
 die erde stopft ihm nun das maul.
 für sein leben gern drosch er phrasen,
 jetzt liegt er wortkarg unterm rasen.

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 zotenburger grabinschriften viii
 hier liegt der lange uwe
 in einer viel zu kurzen grube.
 man musst ihn in der mitte falten.
 dafür durft er den hut aufbehalten

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 zotenburger grabinschriften ix
 der thorsten hier gehörte zu den ornithologen
 und es wurden daher, wahrhaft ungelogen,
 zwei ausgesprochen schwarze raben
 mit dem thorsten tief vergraben.
 
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 zotenburger grabinschriften x
 der walther hier der lebte auf großem fuße.
 jetzt leistet er hierfür reuige buße.
 aus dem grabe lugen heraus seine schuhe.
 die passten wohl nicht in die sargtruhe.
 
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 zotenburger grabinschriften xi
 hier liegen vom alten, blassen jochen
 seine müden und bleichen knochen.
 seine witwe hört man jubilieren,
 denn es sind ja nicht die ihren.
 
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 zotenburger grabinschriften xii
 der ernst hier war in seiner jugend
 ein wahrer ausbund an tugend.
 mit dem alter aber hat er nachgelassen.
 dies muster findet sich bei allen rassen.
 
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 zotenburger grabinschriften xiii
 es trügt hier nicht der schein:
 hier ruht des peters gebein.
 irgendwo musste man es verstauen.
 man wollt es nicht haben in litauen.
 
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 zotenburger grabinschriften xiv
 der heinz liegt hier zur letzten ruhe
 in einer massiven holztruhe.
 die musst man mit uhu zukleben:
 so sehr hing der heinz am leben.
 
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 zotenburger grabinschriften xv
 der ernst hier hatte ein heiteres wesen
 und verbrachte sein leben fröhlich vorm tresen.
 dann aber hat er ausgezecht
 was er fand ziemlich ungerecht.
 
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  zotenburger grabinschriften xvi
  hier ruht mein werter gatte,
  der wenig freude an mir hatte.
  das leben durft ich ihm mit aller macht vermiesen.
  dafür muss ich nun die begonien auf dem grabe gießen.
 
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 zotenburger grabinschriften xvii
 der leif hier war ein psychopath
 und erstickte am radieschen im salat.
 jetzt muss er hohe temperaturen aushalten,
 wie sie nunmal in der hölle walten.

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 zotenburger grabinschriften xviii
 hier ruht die nette, liebe inge
 die verstarb unverrichteter dinge.
 ihren mann wollt aus dem eigenheim sie ekeln.
 der darf sich nun allein im doppelbette räkeln.

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 zotenburger grabinschriften xix
 hier ruht der rote johannes,
 das ideal eines parteimannes.
 er war aller menschen bruder.
 am ende erschlug ihn irgendein luder.

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 zotenburger grabinschriften xx
 hier liegt der junge arno
 der so sehr liebte den porno.
 drum war er auch ganz ausgezehrt
 als man ihn hier mit erd beschwert.

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 zotenburger grabinschriften xxi
 der knut hier war ein wackrer däne
 doch hatte er am ende eine pechsträhne.
 erst fiel er durch die falltür mit missgeschick
 daraufhin brach ihm die schlinge das genick.

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 zotenburger grabinschriften xxii
 die andrea hier, die war ein böses luder.
 dies wird bezeugt von ihrem bruder.
 doch auch andre haben dies bekundet,
 womit unser bild von ihr ist abgerundet.

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 zotenburger grabinschriften xxiii
 hier ruht der umfangreiche matthias
 der galt als gewaltiger vielfrass.
 die ganze welt hätt er wohl verschlungen
 hätt sie ihm nicht dies grab aufgedrungen.

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 zotenburger grabinschriften xxiv
 hier ruht vom fischer seine fru
 in einer simplen hölzernen truh.
 so manchen wunsch hatte sie frei.
 nun ist ihr alles einerlei.

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 zotenburger grabinschriften xxv
 hier ruht der sparsame ingomar
 der verstarb zufällig in seinem todesjahr.
 lange hatte er die bestattungspreise verglichen
 und ist dann kostengünstig verblichen.

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 zotenburger grabinschriften xxvi
 hier ruht der gute murat.
 er verstarb beim verzehr seines salat.
 der war aus maiglöckchen angerichtet.
 dies oder das majodressing hat ihn vernichtet.


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 zotenburger grabinschriften xxvii
 hier liegt der unglückselige lars.
 er musste niesen und das wars.
 ein jäger hat ihn irrtümlich erschossen
 und seine lenden als hirschragout genossen.

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 zotenburger grabinschriften xxviii
 hier ruht nun friedlich die chantal
 die immer gut war für einen skandal.
 sie brach so manches tabu
 und war pastorin noch dazu.

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 zotenburger grabinschriften xxix
 hier ruht der umtriebige ignatz.
 der machte zeitlebens viel umsatz.
 die ganze welt hat er beschissen.
 seine erben werden ihn vermissen.

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 zotenburger grabinschriften xxx
 hier ruht die eitle katrine
 gekürzt durch die guillotine.
 sie dachte, dass diese maschine
 der pflege ihrer frisur diene.

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 zotenburger grabinschriften xxxi
 hier ruht die garstige greta
 sie war überall persona non grata.
 ihren lieben hat sie das leben vergällt.
 wir wünschen ihr ein herzliches vergelt.

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 zotenburger grabinschriften xxxii
 hier liegt die nette melanie
 sie war in der küche ein wahres genie.
 stets hat nach knoblauch sie gerochen.
 drum hat ihr gatte sie erstochen.
 
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 zotenburger grabinschriften xxxiii
 hier ruht die schusslige trude
 man fand sie tot in ihrer bude.
 leider hatte sie verwechselt das aspirin
 mit dem für den gatten bestimmten strychnin.
 
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 zotenburger grabinschriften xxxiv
 hier ruht die kalte elfriede
 sie galt allgemein als frigide.
 ihr gatte lies läuten die glocken.
 dazwischen hörte man ihn frohlocken.

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 zotenburger grabinschriften xxxv
 hier ruht die wilde margareth
 die untergrub stets jede autorität.
 die autoritäten kehrten sie unter den teppich.
 ihre letzte mahlzeit war ein rettich.
 
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 zotenburger grabinschriften xxxvi
 hier liegt der nervöse michael
 der war im leben recht heikel.
 nun ruht er aber tief entspannt
 unter zwei meter hohem sand.
 
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 zotenburger grabinschriften xxxvii
 hier ruht müllers lieschen
 tief unter den radieschen.
 der hannes hat ihr das herz gebrochen
 als sie ihn ertappte mit dem jochen.
 
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 zotenburger grabinschriften xxxviii
 hier ruht die arme irene
 die hatte häufig migräne.
 ihr gatte durft sich mit elise vergnügen
 die irene musst sich mit aspirin begnügen.
 
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 zotenburger grabinschriften xxxix
 hier ruht der brave bauer huber.
 man fand ihn ertrunken im zuber.
 er hatte sämtliche äpfel des hofes vermostet
 und dann das resultat alleine ausgekostet.

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 zotenburger grabinschriften xl
 hier ruht der störrische gunther
 er liegt hier platt wie eine flunder.
 der dampfwalze wollt er den platz nicht einräumen.
 nun darf er zweidimensional die ewigkeit verträumen.

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 zotenburger grabinschriften xli
 hier liegt die charismatische konstanze
 die ging im leben immer aufs ganze.
 manchmal ging sie aber auch nur aufs klo
 und war auch dort ihres lebens froh.
 
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 zotenburger grabinschriften xlii
 hier ruht die rastlose monica.
 zu lebzeiten, da war sie niemals da.
 stets zog sie fröhlich um die ecken
 doch am ende musste auch sie verrecken.

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 zotenburger grabinschriften xliii
 hier liegt die dämliche ninive
 man fischte sie tot aus dem baggersee.
 bei gewitter sollte man nicht schwimmen gehen.
 das hat sie am ende dann auch eingesehen.
 
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 zotenburger grabinschriften xliv
 hier ruht die schusselige susanne
 sie verstarb in ihrer badewanne.
 sie hatte verwechselt wein und shampoo.
 ihre haare rochen stark nach bordeaux.
 
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 zotenburger grabinschriften xlv
 hier ruht der brave pfarrer wenzel
 der fiel schlafend von der kanzel.
 seine predigten, die waren streng synodal
 und daher folgerichtig inhaltlich banal.
 
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 zotenburger grabinschriften xlvi
 hier liegt der arme willibald
 dank seines mäkligen weibs wurd er nicht alt.
 sie hat ihn in den tod getrieben
 ihr ist die lebensversicherung verblieben.
 
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 zotenburger grabinschriften xlvii
 hier liegt der alte waldemar
 er lebte weit über 100 jahr.
 mit dem sterben hatte ers nicht eilig.
 am ende war ihm aber doch langweilig.
 
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 zotenburger grabinschriften xlviii
 hier ruht der fröhliche karl
 er war stets ein heiterer kerl.
 man hat ihn in der früh erschossen.
 er guckte danach sehr verdrossen.
 
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 zotenburger grabinschriften xlix
 hier ruht der exaltierte heinz
 er wurde geboren in mainz.
 das leben hat ihn dann geerdet
 und mit ner grabplatte beschweret.

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 zotenburger grabinschriften l
 hier ruht die giftmischerin gerda
 geboren im idyllischen liebenwerda.
 der henker hat ihr das wort abgeschnitten.
 auch die position ihres kopfes hat gelitten.
 
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 zotenburger grabinschriften li
 hier liegt der brave neander
 er war verwaltungsbeamter.
 nun hat er getauscht die amtsstube
 mit dieser nicht minder ruhigen grube.
 
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 zotenburger grabinschriften lii
 hier ruht der brandwein franz
 der saufkumpan vom alten hans.
 der muss nun allein die zeche zahlen.
 deren höhe bereitet ihm höllenqualen.
 
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 zotenburger grabinschriften liii
 der josef hier war ein friseur
 das lebensende fiel ihm schwer.
 denn nun muss er es entbehren
 widerborstge bärte glatt zu scheren
 
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 erzählung vom pferd
 so finster die stunde,
 so bitter die kunde:
 verdüstert ist das gemüt,
 kommt der pferdemetzger ins gestüt.
 doch gleitet auf dem pferdeapfel aus der blutge henker,
 dankt es die wiehernde pferdeschar dem weltenlenker.

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 zotenburger grabinschriften liv
 hier liegt der schwerenöter florian
 ihm brannte im leben nie was an.
 doch hatte er so seine probleme
 das letzte von ihnen hieß helene.
 
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 zotenburger grabinschriften lv
 hier ruht der strenge lord dartmore
 er war ein mann ohne jeglichen humor.
 man hielt ihn für wenig umgänglich
 zum glück war auch er vergänglich.
 
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 zotenburger grabinschriften lvi
 hier liegt der böse pavel
 man fischte ihn aus der havel.
 er hatte viel dreck am stecken
 mit dem konnte man ihn hier bedecken.
 
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 zotenburger grabinschriften lvii
 hier ruht der spleenige sir alexander
 betrauert von seiner gattin wanda.
 er hatte so seine marotten.
 jetzt schläft er unter den karotten.
 
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 zotenburger grabinschriften lviii
 hier ruht die wackre kunigunde
 gen mittag schlug ihre letzte stunde.
 drum durft sie länger pause machen
 man hört noch immer ihr freudenlachen.
 
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 zotenburger grabinschriften lix
 hier ruht die leiche des guidos
 man begrub ihn jedoch kopflos.
 der henker hat sein haupt einbehalten
 bis er den rechnungsbetrag hat erhalten.
 
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 zotenburger grabinschriften lx
 hier ruht die liebe brave ute
 sie glaubte stets an das gute.
 ihr mörder hat sie am spieß gebraten
 die kruste, hieß es, war gut geraten.
 
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 zotenburger grabinschriften lxi
 hier liegt die feiste renate
 sie war prall wie eine tomate.
 nun düngt sie mir ihrer üppigen leiche
 eine schöne alte friedhofseiche.
 
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 zotenburger grabinschriften lxii
 hier ruht die unglückliche edeltraut
 ihr gatte hat ihr das leben verbaut.
 er hat sie hier lebendig eingemauert.
 sie hatte die ehe stets bedauert.
 
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 zotenburger grabinschriften lxiii
 hier liegt der arme konstantin.
 man schoß auf ihn,
 man hing ihn auf.
 am ende ging er dabei drauf.
 
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 zotenburger grabinschriften lxiv
 hier ruht der orientierungslose björn
 er verstarb auf einer segeltörn.
 segeln wollte er nach bali
 man fand seine leiche in mali.

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 zotenburger grabinschriften lxv
 hier liegt der rote eberhard
 er war der parteikassenwart.
 außerdem war er auch ein marxist
 und liegt hier, weil er verstorben ist.

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 scheidung auf österreichisch
 strychnin, strychnin,
 das kauft man günstig in wien.
 dazu ein paar gramm cadmium:
 schon fällt der lästge gatte um.

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 zotenburger grabinschriften lxvi
 hier ruht nun friedlich, es sei gedankt,
 mein weib, welches oft mit mir hat gezankt.
 lauf lieber rasch fort von hier
 sonst fängt sie an und zankt mit dir.

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 zotenburger grabinschriften lxvii
 hier ruht der trinkfeste peter
 seine frau folgte ihm wenig später.
 sie haben sich beide tot gesoffen
 und sich dann hier auf ein bier getroffen.

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 zotenburger grabinschriften lxviii
 hier ruht der einsame jäkel
 der fand hier schließlich seinen festen deckel.
 die grabplatte, mit der man ihn belegt
 hat sich seitdem nicht mehr bewegt.

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 heiligenlegende
 was ich gar nicht akzeptiere,
 so sprach der hl. franziskus zum hühnertiere,
 das sind hühnerfedern in meinem haferbreie
 oder gar vogelkot in meiner weizenkleie.
 drum endete das huhn als sonntagsbraten.
 das sind wahrhaft heilige taten.
 
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 zotenburger grabinschriften lxix
 hier ruht der liebe, brave herr walter
 er verstarb genau im richtgen alter.
 viel länger hätt ihn keiner ertragen
 hört man die leute heute noch klagen.

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 zotenburger grabinschriften lxx
 hier ruht der vorsichtige leander
 zeitlebens war er versicherungsbeamter
 stets hat das risiko er minimiert
 das restrisiko hat ihn dann eliminiert
 
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 zotenburger grabinschriften lxxi
 hier liegt der unbeständige cohn
 sein leben war ein einziger hohn
 es gab darin keine konstanten
 nun trauern um ihn cohns tanten
 
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 zotenburger grabinschriften lxxii
 hier ruht die modische esther
 gewandet in grünem polyesther
 viel lieber wäre ihr seide gewesen
 nun muss sie im kunststoff verwesen
 
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 zotenburger grabinschriften lxxiii
 hier ruht der feiste hendrik
 der war wirklich sehr dick.
 man musst dieses doppelgrab mit ihm belegen
 vom pfarrer gabs aber nur den einfachen segen.

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 zotenburger grabinschriften lxxiv
 hier ruht der aufgeweckte gunther
 der war bis zuletzt recht munter.
 er hat den galgenhumor erfunden
 wie es die gerichtsakten bekunden

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 zotenburger grabinschriften lxxv
 hier liegt die tröge gudrun
 die hatte das gemüt eines supphuhn
 doch traf sie den schönen franz
 dann wurde sie zur eitlen gans.

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 zotenburger grabinschriften lxxvi
 der wilhelm hier war ein großer philosoph
 und ruht nun im gedanken auf dem kirchhof.
 das leben erschien ihm wenig plausibel
 der tod hingegen war für ihn infallibel.
 
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 zotenburger grabinschriften lxxvii
 hier liegt die schauspielerin sue
 für sie ging auch der vorhang zu.
 sie rezitierte oft faustens grete
 erstickt ist sie an einer fischgräte.

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 zotenburger grabinschriften lxxviii
 hier ruht der hypochonder bruno
 verblichen ist er im letzten juno.
 er hatte zuviel aspirin eingenommen
 und war daher zum aspiranten verkommen.
 
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 zotenburger grabinschriften lxxix
 hier ruht die unglückselige adelheid
 sie war zum sterben noch nicht bereit
 sie wollt noch den krimi zu ende schauen
 und sich ergötzen an tod und grauen

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 zotenburger grabinschriften lxxx
 hier ruht nun der dicke willibald
 das cholesterin, das machte ihn kalt
 von gebratenen hähnchen war er angetan
 jetzt kräht nach ihm kein einziger hahn

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 zotenburger grabinschriften lxxxi
 hier liegt der duldsame jürgen
 nur der tod konnt ihm erlösung verbürgen
 er litt an chronischen hämorrhoiden
 seit seiner reise zu den hebriden

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 zotenburger grabinschriften lxxxii
 hier ruht die drahtige valerie
 welche noch steckt voller energie
 sie war wohl völlig zugedröhnt
 als sie sich beim duschen geföhnt

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 nestwärme
 man lebt ganz gut in dinkelsbühl.
 doch sind die abende recht kühl.
 drum wird allabendlich ne hex verbrannt,
 denn die menschliche wärme - die entspannt.

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 zotenburger grabinschriften lxxxiii
 hier ruht die glückreiche chantal
 begünstigt vom gewogenen schicksal
 sie hatte die abfahrt der titanic verpasst
 und wurde auf dem heimweg vom bus erfasst

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 zotenburger grabinschriften lxxxiv
 hier ruht andrea die böse
 sie war keine geistige größe.
 auch charakterlich war sie als giftzwerg bekannt
 drum wurd sie in diese kleine urne verbannt.

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 zotenburger grabinschriften lxxxv
 hier ruht der haarige hans mayer
 er verstarb im fernen himalaya
 man hatte in ihm den yeti erkannt
 und ihm eins auf den pelz gebrannt

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 kunstgeschichtliches
 es sagte der piccasso zu dalí
 beim gemeinsamen urlaub auf bali:
 jetzt mach doch daraus einen akt,
 und mal die schickse endlich nackt!

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 zotenburger grabinschriften lxxxvi
 hier ruhen hinz und kunz
 in gegenseitiger missgunst
 nun müssen sie dies grab sich teilen
 man hört sie dort unten zanken zuweilen

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 zotenburger grabinschriften lxxxvii
 hier liegt der bittere gerold
 dem war das glück wenigt hold
 er galt als überzeugter pessimist
 sein letztes wort war: so ein mist

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 zotenburger grabinschriften lxxxviii
 hier ruht die liebe elke
 die alte, graue, welke.
 einstmals war sie blond gewesen
 als luther anschlug seine thesen.

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 endgültigkeit
 ich werd den heiko morgen in der früh erschießen
 um ihm den rest des tages gehörig zu vermiesen.
 das leben werde ich ihm grausam rauben
 dann wird er vor wut wochenlang schnauben.

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 zotenburger grabinschriften lxxxix
 hier ruht die grandiose gundel
 die ähnelte stark einer grundel
 ein großes maul und nichts dahinter
 sie soff sich tot im letzten winter
 
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Anmerkung:
Der unter der Rubrik "Aus dem FF" veröffentlichte Teil meiner Webseite ist literarisch-künstlerischer Natur. Die enthaltenen Erzählungen und Berichte sind rein fiktional.
Alle Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind rein z
ufä
llig.