DESK RESEARCH

zusammengestellt von

Matthias Kuchenbrod


"Nicht weniger dienet... die Lesung der Zeitungen einem Kaufmanne zur Vermehrung seiner Handelswissenschaft, indem die Zeitungen gar viele Nachrichten ertheilen, die ein Kaufmann zu wissen nöthig hat, um seine Maaßregeln bey seinen Handelsgeschäfften darnach nehmen zu können: nicht zu gedenken, daß dergleichen Nachrichten ihn in den Stand setzen, aus ihrem glücklichen oder unglücklichen Erfolge immer mehr und mehr zu lernen; und besonders vermittelst des Speculirens... seine Handelswissenschaft zu verbessern und zu vermehren."

CARL GÜNTHER LUDOVICI, >Grundriss eines vollständigen Kaufmanns-Systems< (1768)

"Mit dem Worte Nachrichten bezeichnen wir die ganze Kenntnis, welche man von dem Feinde und seinem Lande hat, also die Grundlage aller eigenen Ideen und Handlungen. Man betrachte einmal die Natur dieser Grundlage, ihre Unzuverlässigkeit und Wandelbarkeit, und man wird bald das Gefühl haben, wie gefährlich das Gebäude des Krieges ist, wie leicht es zusammenstürzen und uns unter seinen Trümmern begraben kann... Ein großer Teil der Nachrichten, die man im Kriege bekommt, ist widersprechend, ein noch größerer ist falsch und bei weitem der größte einer ziemlichen Ungewißheit unterworfen. Was man hier vom Offizier fordern kann, ist ein gewisses Unterscheiden, was nur Sach- und Menschenkenntnis und Urteil geben können. Das Gesetz der Wahrscheinlichkeit muß ihn leiten."

CARL VON CLAUSEWITZ, >Vom Kriege< (1832)

"Daß wir in einer reich unterrichteten Weltfremdheit leben, ist schon von vielen Seiten beschrieben worden ... Als störend empfinde ich endlich, daß die Publizistik gegenüber den Massen eine penetrant pädagogische Haltung einnimmt, die in das Pflegerische übergeht, so daß ein lazaretthafter Zug die Publizistik wie auch die Gesetzgebung durchweht. Das Vertrösten, Abschwächen, Beschweigen, die schonende Diskretion und die Verabreichung von Placebos - dies alles hat sich wie von selbst aus der Taktik gewaltlosen, die Widerstände umgehenden Einwirkens ergeben. Das muß wohl so sein, wenn man Millionen ichbezogener, nicht mehr recht glaubensfähiger, aber rechnender und daseinsbilanzierender Menschen dennoch zusammenhalten und von Zeit zu Zeit richtungspolitisch ansprechen muß, damit der Wahlvorgang ungestört weiterläuft."

ARNOLD GEHLEN, >Die gewaltlose Lenkung< (1974)


Der Fachterminus Desk Research lässt sich am ehesten mit dem deutschen Begriff Sekundärmarktforschung übersetzen. Ziel des Desk Researchers ist es, unternehmensrelevante Informationen (Marktgröße, - entwicklung, -segmentierung, Konkurrenten, technologische Entwicklungen, rechtliche Belange etc.) in bereits vorhandenen externen und internen Sekundärquellen (Geschäftsberichte, Internet, kostenpflichtige Datenbanken, Archive, Printmedien etc.) zu finden und quellenkritisch zu hinterfragen, um diese dann aufzubereiten und zu präsentieren. Hauptadressat dieser Informationen ist die Geschäftsleitung und die Leitung der einzelnen Fachabteilungen, deren Gremien die Möglichkeit einer effizienteren Führung eröffnet werden soll. Der Hauptvorteil der Sekundärmarktforschung gegenüber der klassischen Primärmarktforschung (Field Research) liegt in den geringeren Kosten des Desk Research und in einem geringen Zeitaufwand. Als Nachteile sind die, gemessen am jeweiligen Forschungszweck, geringere Zielgenauigkeit der Sekundärdaten und ihre häufig unklaren erhebungsmethodischen Hintergründe zu nennen, die ihre Evaluierung für die eigenen Zwecke oft erschweren. In der Praxis sind die Übergänge jedoch fließend, erfordern doch auch Primärmarktforschungsprojekte eine vorausgehende Sichtung der bereits ermittelten und zugänglichen Informationen um Irrwege und unnötige Kosten (die berühmte zweite Erfindung des Rades) zu vermeiden. Umgekehrt weist die Sekundärmarktforschung aber auch oft auf mit dem bisherigen Informationsbestand nicht zu deckende Wissenslücken, die dann zielgerichtete Primärmarktforschung notwendig machen.

Der Ausführende des Desk Research ist nicht an eine bestimmte Fachausbildung gebunden, doch ergeben sich bei näherer Betrachtung deutliche Parallelen zu den klassischen Methoden des historischen Forschungsprozesses. Der Desk Researcher muss:

 Neben diesen prozessualen Parallelen ist aber auch ganz allgemein zu betonen, dass der Desk Researcher ebenfalls auf jenen für den guten Historiker typischen Habitus der intelligenten Hartnäckigkeit angewiesen ist, durch die der Historiker von Quelle zu Quelle, von Spur zu Spur geleitet wird, gebremst nur durch das Gesetz des abnehmenden Grenznutzens und stets im Bewusstsein es mit einer durch irreduzibler Komplexität geprägten Welt zu tun zu haben, die in ihrer Gänze niemals zu erfassen ist. Es kommt also darauf an, im Desk Research eine Technik der Suchökonomie auszubilden, die, bei aller Leidenschaft für das anstehende Thema, erkennt, wann das Hinzuziehen zusätzlicher Quellen zu keinem Wissenszugewinn mehr führt, so dass von der Quellensuche und ersten Sichtung zur Ausarbeitung der Analyse überzuwechseln ist. Zentraler intellektueller Ausgangspunkt ist dabei stets die Frage des Cicero: "Cui bono fuit?" (Wem ist es nützlich gewesen?). Welche Person oder Institution könnte ein Interesse daran haben, Daten zu einem bestimmten Sachverhalt zu sammeln, zu archivieren und gegebenenfalls zu publizieren? Und wie könnte die Interessenlage der fraglichen Person oder Institution die Darstellung der Fakten beeinflusst haben? Dieser Weg erscheint erfolgversprechender als die einfache Eingabe von Suchbegriffen in die Masken der diversen Internetsuchmaschinen, da man so in der Regel nur eine Vielzahl von Treffern erzielt deren Relevanz und Stichhaltigkeit nur mühsam und zeitaufwendig (wenn überhaupt) zu evaluieren ist. Wie oben bereits bemerkt sind Primärerhebungen stets kostenaufwendig, weshalb sie relativ selten durchgeführt aber relativ häufig zitiert werden. Ziel muss es sein, möglichst nahe an die Originaldaten heranzukommen statt zitierte Zitate zu sammeln, die unter Umständen auch zu entscheidenden Bedeutungsveränderungen der Daten geführt haben, indem beispielsweise der Kontext verändert wurde, in den die fraglichen Angaben eingefügt wurden. Man sollte sich stets vor Augen halten, dass das Internet eine riesige Gerüchteküche darstellt, in der, anders als bei einer renommierten Zeitung oder Fachzeitschrift kein standardisiertes Überprüfungsverfahren der Publikation von Daten vorangeht.

Im folgenden werden eine Reihe von bewährten Links und darüberhinaus weiterführende Literaturhinweise zum Thema Recherche geboten. Die Listen werden in unregelmäßigen Abständen korrigiert und ergänzt werden.


LINKLISTE

Suchmaschinen:

Allgemeine Internetkataloge:

Portale:

Datenbankhosts:

Statistische Ämter:

Weitere statistische Quellen allgemeiner Natur

Banken und Börsen:

Internationale Organisationen:

Marktforschungsinstitute und -seiten:

Auskunfteien und Informationsdienste:

Verbände und Unternehmen:

Behörden:

Zeitungen und Zeitschriften:

 

Wirtschaftswissenschaften:

Andere Forschungsinstitute, -anstalten und -verbände:

Recht:

Länderstudien:

Nachschlagewerke:

Literatursuche:

Archive:

Branchen- und Adressverzeichnisse:

Informationswirtschaft und -wissenschaft

Internet allgemein:

EDV-technische Hilfsmittel:


WEITERFÜHRENDE LITERATUR

ALLGEMEINE METHODEN DER INFORMATIONSRECHERCHE UND - VALIDIERUNG

DATENANALYSE

Allgemeines zur Analyse von Daten

Allgemeine Statistik

Sondergebiete der Statistik

Prognoseverfahren

Empirische Wirtschafts- und Sozialforschung

Sozial- und Wirtschaftsindikatoren

EDV-technische Hilfsmittel der Datenanalyse

FIRMEN- UND KONKURRENZANALYSE

MARKT- UND UMFELDANALYSE

SÄKULARE TRENDS UND STRUKTURELLE VERGLEICHE

FAKTENSAMMLUNGEN

ADRESSBÜCHER

NÜTZLICHE NACHSCHLAGEWERKE


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Letzte Aktualisierung: 28.01.2012
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