"Die Auswürfe unaufhörlicher Tätigkeit türmen sich wie eine Schutthalde. MaHinter den Blätternn geht auf
 ihr gelegentlich umher und findet den oder jenen schönen Krystall glitzernd zu Tage
 liegen."

 HEIMITO von DODERER, >Repertorium< (1969)

 

Lesefrucht der Woche

"Ich wundere mich nie darüber, wenn ich sehe, daß Menschen schlecht sind,  doch wundere ich mich oft darüber, daß sie sich nicht schämen."
JONATHAN SWIFT, >Gedanken über verschiedene  Gegenstände erbaulicher und ergötzlicher Art< (1711)

 

 

 

 

 

Lesefrüchte

"Der Mensch hat nur drei Möglichkeiten, dem Tadel der Welt zu begegnen: ihn  zu verachten, ihn mit gleicher Münze heimzuzahlen oder bemüht zu sein, so zu  leben, daß er ihn sich nicht zuzieht. Der erste Weg wird gewöhnlich  vorgetäuscht, der dritte ist fast unmöglich, der zweite aber stellt die  allgemeine Praxis dar."
JONATHAN SWIFT, >Gedanken über verschiedene  Gegenstände erbaulicher und ergötzlicher Art< (1711)

“So fällt der typische Bürger auf eine tiefere Stufe der gedanklichen Leistung, sobald er das politische Gebiet betritt. Er argumentiert und analysiert auf eine Art und Weise, die er innerhalb der Sphäre seiner wirklichen Interessen bereitwillig als infantil anerkennen würde. Er wird wieder zum Primitiven. Sein Denken wird assoziativ und affektmäßig."
JOSEPH A. SCHUMPETER, >Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie< (1950)

”Europa ist nun einmal nur als christliche Schöpfung denkbar, und im Augenblick, da es sich seiner christlichen Substanz entledigt - was wir in der Französischen, Russischen und Deutschen Revolution sahen -, fällt es in eine Barbarei zurück, die wir nur von anderen Weltteilen kennen."
ERIK von KUEHNELT-LEDDIHN, >Kirche und Moderne - moderne Kirche?< (1993)

”... je schwächer jedoch das logische Element in der öffentlichen Meinung ist und je vollständiger die rationale Kritik und der rationalisierende Einfluß persönlicher Erfahrung und Verantwortlichkeit fehlt, desto größer sind die Chancen für Gruppen, die Privatinteressen verfolgen. Diese Gruppen können aus berufsmäßigen Politikern bestehen oder aus Exponenten wirtschaftlicher Interessen oder aus Idealisten der einen oder anderen Art oder aus Menschen, die einfach an der Inszenierung und Leitung politischer Schaustellungen ein Interesse finden ... Wir sehen uns bei der Analyse politischer Prozesse weithin nicht einem ursprünglichen, sondern einem fabrizierten Willen gegenüber."
JOSEPH A. SCHUMPETER, >Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie< (1950)

”Gerade unser Lob der Einmütigkeit ist deshalb als Gefahr für die Freiheit  anzusehen ... Die Liebe zum Gemeinwohl und der Respekt vor den Gesetzen, das  sind die Punkte, in denen die Menschen einig sein müssen. Wenn aber in  strittigen Fragen die Ansicht eines einzelnen oder irgendeiner Partei  unabänderlich befolgt wird, dann ist die Sache der Freiheit bereits verraten."
ADAM FERGUSON, >Versuch über die Geschichte der  bürgerlichen Gesellschaft< (1767)

”Man darf sich also nicht in Sicherheit wiegen, indem man denkt, die Barbaren seien noch weit von uns entfernt; denn gibt es Völker, die sich das Licht aus den Händen reißen lassen, so gibt es andere, die es mit ihren Füßen selbst zertreten.”
ALEXIS de TOCQUEVILLE, >Über die Demokratie in Amerika Bd. II< (1840)

“Wer sich zum Christentum bekehrt, tut dies nie, weil er glaubt, daß es sich stets dem Zeitgeist angleicht, sondern weil er ganz im Gegenteil davon überzeugt ist, daß es Ewigkeitswerte vertritt.”
ERIK von KUEHNELT-LEDDIHN, >Kirche kontra Zeitgeist< (1997)

“Ich bin 'fortschrittlichen', von Mutter Natur stiefmütterlich behandelten Geistern begegnet, die auch die Kirche demokratisieren wollten - schließlich ist der 'moderne Mensch' höchst totalitär. Bischofskandidaten sollten Wahlreden halten, und bei einer Briefwahl des Papstes durch das Kirchenvolk würde der photogenste und 'weitherzigste' Kandidat mit Hilfe der finanzkräftigsten Lobby gewählt werden.”
ERIK von KUEHNELT-LEDDIHN, >Kirche und Moderne - moderne Kirche?< (1993)

“Außerhalb des Christentums geht alles Menschentum zugrunde. Sie haben keine Maßstäbe und keine Grundlagen. Wer Mensch sein will, muß Christ sein.”
ALFRED DELP, >Was ist der Mensch?< (1936)

“An die 2000 Jahre existiert sie, unsere heilige Kirche. Völker tauchten auf aus dem Dunkel ihrer Vorgeschichte, gingen durch die Mittagshelle ihres Lebens und verschwanden im blassen Grau der Erinnerung: sie aber war und ist immer noch die gleiche sieghafte Kirche. Und mag man immerhin und immer wieder mit Fingern auf die Schwäche ihrer Menschen aufmerksam machen: ist es nicht eine neue Offenbarung göttlicher Kräfte, daß sie all die Zeiten der Schwäche und all die versagenden Kräfte überdauerte und immer wieder überwand?”
ALFRED DELP, >Kirche in Menschenhänden< (1936)

“Auch das Volk hat seine Heimat in Gott. Es ist ein Werk des letzten Schöpfungstages und so wie es ist, in seiner Rasse und seiner Eigenart, von Gott geformt und gewollt. Auch über unser deutsches Volk sprach Gott das Segenswort: Und es war gut so, wie es war. Auch das Volk kann eigentlich nicht untergehen. In immer neuen Generationen lebt es auf und wandelt es sich und bleibt es doch das gleiche. Wenn es sich  nicht selbst zerstört, geht es nicht unter. Noch kein Volk wurde von außen vernichtet. Selbst wenn ein Volk sein physisches Dasein verlieren würde: es lebt weiter in den Werken, die es schuf, sein Geist wirkt formend und segnend auf die Erben seines Bodens und seiner Kultur.”
ALFRED DELP, >Kirchlicher und völkischer Mensch< (1935)

“In nichts ausgenommen von den Geschicken irdischer Institutionen, in allem dem Schicksal menschlicher Gemeinschaften gleichgestellt und den Schwankungen irdischer Geschichte ausgeliefert. Und dennoch: die innere Linie bleibt. Schlagt doch ihre Geschichte auf, blättert doch in ihrem Lebensbuche: Tausendmal ändern sich die Formen, tausendmal wird sie in Staub und Schmutz getreten und tausendmal ist sie wieder die alte Kirche, in der Christus lebt! Und so oft auch die Menschen und selbst ihre Diener und Hüter auf ihr Wesen zu vergessen schienen und sie zu weit hineinzwangen in die Gassen des rein Weltlichen: sie fand immer wieder zurück zu sich, zu ihren Aufgaben. Sie war nicht zu erschüttern und war nie so zu erschrecken, daß sie um die Grundlagen ihres Seins bangen mußte.”
ALFRED DELP, >Die moderne Welt und die Katholische Aktion< (1935)

“Auch das gehört mit zur Demoralisierung, daß man so im privaten Gespräch verrät, daß man sehr gut weiß, wie verrückt alles ist; aber offiziell - nein, so verrückt ist man denn nicht, daß man es offiziell sagen würde.”
Søren Kierkegaard, >Tagebücher<

“Gerade dies zeigt, wie grundverdorben das Ganze ist, daß es jeder mehr oder weniger deutlich weiß - aber daß es keiner sagen will, daß sie alle, in unterschiedlichem Grade schuld, als Verschworene redlich darin zusammenhalten zu verhindern, daß es gesagt wird, wie unwahr das Bestehende ist.”
Søren Kierkegaard, >Tagebücher<

“In einer Zeit sittlicher Auflösung wie der unseren muß der Begriff >Mitschuldiger< sehr bedeutend verschärft werden. Es ist so bequem zu erzählen, daß es aus Eifer und Ernst geschieht, daß man teilnimmt und durch seinen kleinen Anteil dem Verkehrten entgegenzuarbeiten strebt, d.h. man läßt die totale Verdorbenheit stehen und bringt höchstens ein kleines Amendement an. Und hierbei profitiert man: sich gut mit der Verdorbenheit zu stellen, da man doch, total verstanden, an ihr partizipiert, und zugleich sich selbst mit der Einbildung zu schmeicheln, daß man besser als die Zeit ist.”
Søren Kierkegaard, >Tagebücher<

“Es leben in jeder Generation wohl kaum 10, denen - sokratisch - am meisten davor angst ist, eine unrichtige Meinung zu haben; aber es leben 1000 und Millionen, denen vor allem davor angst ist, mit einer Meinung allein zu stehen; und wäre es auch die richtigste.”
Søren Kierkegaard, >Tagebücher<

“Man sagt, daß die Erfahrung einen Menschen klug macht. Das ist sehr unvernünftig gesprochen. Gäbe es nichts Höheres als Erfahrung, dann würde sie ihn gerade verrückt machen.”
Søren Kierkegaard, >Tagebücher<

“Es gibt keinen Menschen, den die Seele nicht unablässig belehrte.”
MARTIN BUBER, >Die Erzählungen der Chassidim< (1949)

“In der Tat sehen wir, daß die außerordentliche Vervollkommnung der Technik mit einer maximalen Verarmung des inneren Lebens verbunden ist. Das Mißverhältnis zwischen der Ausrüstung, die dem Menschen zur Verfügung gestellt wird, und den Zielen, die dieser zu realisieren hat, erscheint immer deutlicher.”
GABRIEL MARCEL, >Bemerkungen über die gegenwärtige Religionslosigkeit< (1930)

“Ich glaube, daß diejenigen, die mit großer Treuherzigkeit annehmen, daß das Christentum zuerst und vor allem sozial sein müsse, vor allem eine Lehre des Beistands, eine Art von sublimierter Philanthropie, einen schweren und gefährlichen Irrtum begehen.”
GABRIEL MARCEL, >Bemerkungen über die gegenwärtige Religionslosigkeit< (1930)

“Das Land, wo die Kirchen schön und die Häuser verfallen sind, ist so gut verloren, als das, wo die Kirchen verfallen und die Häuser Schlösser werden.”
GEORG CHRISTOPH LICHTENBERG, >Sudelbücher<

"Er handelte mit anderer Leute Meinungen. Er war Professor der Philosophie."
GEORG CHRISTOPH LICHTENBERG, >Sudelbücher<

"Was man feine Menschenkenntnis nennt, ist meistens nichts als Reflexion,  Zurückstrahlung eigener Schwachheiten von anderen."
GEORG CHRISTOPH LICHTENBERG, >Sudelbücher<

"Der Mann machte sehr viel Wind. B. O nein! wenn es noch Wind gewesen wäre,  es war aber mehr ein wehendes Vakuum."
GEORG CHRISTOPH LICHTENBERG, >Sudelbücher<

"Man hat heutzutage mehr Magister der Rechtschaffenheit als rechtschaffene  Menschen."
GEORG CHRISTOPH LICHTENBERG, >Sudelbücher<

"Am vernünftigsten ist es, es bei Streitigkeiten so zu machen wie der  berühmte Fourcroy, der alle Gegner der franz. Chemie in 2 Klassen bringt, 1.)  Solche die die Sache nicht verstehen und 2.) die die von Parteigeist verleitet  werden."
GEORG CHRISTOPH LICHTENBERG, >Sudelbücher<

"Nicht Größe des Geistes sondern des Windes hat ihn zu dem Manne gemacht."
GEORG CHRISTOPH LICHTENBERG, >Sudelbücher<

"Die menschliche Haut ist ein Boden, worauf Haare wachsen; mich wunderts daß  man noch kein Mittel ausfindig gemacht hat, ihn mit Wolle zu besäen, um die  Leute zu scheren."
GEORG CHRISTOPH LICHTENBERG, >Sudelbücher<

"Wie glücklich würde mancher leben, wenn er sich um anderer Leute  Sachen so wenig bekümmerte, als um seine eigenen."
GEORG CHRISTOPH LICHTENBERG, >Sudelbücher<

"Nur ja keine Materie für erschöpft ansehen; es gibt überall noch etwas."
GEORG CHRISTOPH LICHTENBERG, >Sudelbücher<

"Als er am Kirchhofe vorbei ging, sagte er: Die da können nun sicher sein,  daß sie nicht mehr gehenkt werden, das können wir nicht."
GEORG CHRISTOPH LICHTENBERG, >Sudelbücher<

"Wovon das Herz nicht voll ist, davon geht der Mund über, habe ich öfters  wahr gefunden, als den entgegengesetzten Satz."
GEORG CHRISTOPH LICHTENBERG, >Sudelbücher<

“Was man von dem Vorteile und Schaden der Aufklärung sagt, ließe sich gewiß gut in einer Fabel vom Feuer darstellen. Es ist die Seele der unorganischen Natur, sein mäßiger Gebrauch macht uns das Leben angenehm, es erwärmt unsere Winter und erleuchtet unsere Nächte. Aber das müssen Lichter und Fackeln sein, die Straßenerleuchtung durch angezündete Häuser ist eine sehr böse Erleuchtung. Auch muß man Kinder nicht damit spielen lassen.”
GEORG CHRISTOPH LICHTENBERG, >Sudelbücher<

“Eine seltsamere Ware, als Bücher, gibt es wohl schwerlich in der Welt. Von Leuten gedruckt, die sie nicht verstehen; von Leuten verkauft, die sie nicht verstehen; gebunden, rezensiert und gelesen von Leuten, die sie nicht verstehen; und nun gar geschrieben von Leuten, die sie nicht verstehen.”
GEORG CHRISTOPH LICHTENBERG, >Sudelbücher<

“Man muß zuweilen wieder die Wörter untersuchen, denn die Welt kann wegrücken, und die Wörter bleiben stehen.”
GEORG CHRISTOPH LICHTENBERG, >Sudelbücher<

“Es ist fast unmöglich, die Fackel der Wahrheit durch ein Gedränge zu tragen, ohne jemandem den Bart zu sengen.”
GEORG CHRISTOPH LICHTENBERG, >Sudelbücher<

“Wer willens ist seine Kinder zu Huren und Spitzbuben zu erziehen, und so etwas kann zuweilen nützlich sein (besser), der muß hauptsächlich Sorge tragen sie mit den Anfangsgründen bekannt zu machen ehe die Kinder erfahren, daß es Laster sind.”
GEORG CHRISTOPH LICHTENBERG, >Sudelbücher<

“Bei den meisten Menschen gründet sich der Unglaube in einer Sache auf blinden Glauben in einer anderen.”
GEORG CHRISTOPH LICHTENBERG, >Sudelbücher<

“Condamine soll in Amerika einige Affen gesehen haben, die seine Operationen nachmachten: nach einer Uhr liefen, dann nach einem Perspektiv, dann taten, als schrieben sie etwas auf, u. dergl. m. - Solcher Philosophen gibt es viele.”
GEORG CHRISTOPH LICHTENBERG, >Sudelbücher<

“In jedes Menschen Charakter sitzt etwas, das sich nicht brechen läßt - das Knochengebäude des Charakters; und dieses ändern wollen heißt immer, ein Schaf das Apportieren lehren.”
GEORG CHRISTOPH LICHTENBERG, >Sudelbücher<

“Es kommt nicht darauf an, ob die Sonne in eines Monarchen Staaten nicht untergeht, wie sich Spanien ehedem rühmte; sondern was sie während ihres Laufes in diesen Staaten zu sehen bekommt.”
GEORG CHRISTOPH LICHTENBERG, >Sudelbücher<

“Daß in den Kirchen gepredigt wird macht deswegen die Blitzableiter auf ihnen nicht unnötig.”
GEORG CHRISTOPH LICHTENBERG, >Sudelbücher<

“Es gibt 100 Witzige gegen einen der Verstand hat, ist ein wahrer Satz, womit sich mancher witzlose Dummkopf beruhigt, der bedenken sollte, wenn das nicht zuviel von einem Dummkopf gefordert heißt, daß es wieder 100 Leute, die weder Witz noch Verstand haben, gegen einen gebe, der Witz hat.”
GEORG CHRISTOPH LICHTENBERG, >Sudelbücher<

"Lesen heißt borgen, daraus erfinden, abtragen."
GEORG CHRISTOPH LICHTENBERG, >Sudelbücher<

"Das Recht auf Selbsterhaltung ist in jeder Person unveräußerlich, mehr  noch in jeder Gemeinschaft."
DAVID HUME, >Über Staatskredit< (1752)

"Wer die Gebrechen seiner Gedanken in eine dunkle Sprache einkleidet und verhült, ahmet klüglich die Wirthe nach, die gerne trübes Bier in einem undurchsichtigen Gefäs auftragen."
JEAN PAUL, >Grönländische Prozesse< (1783/1784)

“Der Humor, als das umgekehrte Erhabene, vernichtet nicht das Einzelne, sondern das Endliche durch den Kontrast mit der Idee. Es gibt für ihn keine einzelne Torheit, keine Toren, sondern nur Torheit und eine tolle Welt; er hebt - ungleich dem gemeinen Spaßmacher mit seinen Seitenhieben - keine einzelne Narrheit heraus, sondern er erniedrigt das Große, aber - ungleich der Parodie - um ihm das Kleine, und erhöhet das Kleine, aber  - ungleich der Ironie - um ihm das Große an die Seite zu setzen und so beide zu vernichten, weil vor der Unendlichkeit alles gleich ist und nichts.”
JEAN PAUL, >Vorschule der Ästhetik< (1804)

"Alles Himmlische wird erst durch Versetzung mit dem Wirklichen, wie der  Regen des Himmels erst auf der Erde, für uns hell und labend."
JEAN PAUL, >Vorschule der Ästhetik< (1804)

“Der Realismus ist der Sancho Pansa des Idealismus.”
JEAN PAUL, >Gedanken< (1802)

“Die Poesie ist die Aussicht aus dem Krankenzimmer des Lebens.”
JEAN PAUL, >Gedanken< (1803)

“Die Leiden sind wie die Gewitterwolken; in der Ferne sehen sie schwarz aus, über uns kaum grau.”
JEAN PAUL, >Hesperus< (1795)

“Die Philosophen sehen vor lauter Möglichkeit die Wirklichkeit nicht...”
JEAN PAUL, >Hesperus< (1795)

“Es wäre aber ein Wunder, wenn die sparsame Natur das ... siebzigjährige Schwingen der weiblichen Zungen ohne Absicht veranstaltet hätte. Die Absicht mangelt aber nicht; es ist dieselbe, warum die Blätter wackeln; der ewige Pulsschlag der weiblichen Zunge soll der Erschütterung und Umrüttelung der Atmosphäre forthelfen, die sonst anfaulte.”
JEAN PAUL, >Siebenkäs< (1818)

“Die Wunden, die die Maschinen des Schicksals in uns schneiden, fallen bald zu; aber eine, die uns das rostige stumpfe Marterinstrument eines ungerechten Menschen reißet, fängt zu eitern an und schließet sich spät.”
JEAN PAUL, >Siebenkäs< (1818)

“Ich will mit geringern Schmerzen die Unsterblichkeit als die Gottheit leugnen: dort verlier’ ich nichts als eine mit Nebeln bedeckte Welt, hier verlier’ ich die gegenwärtige, nämlich die Sonne derselben; das ganze geistige Universum wird durch die Hand des Atheismus zersprengt und zerschlagen in zahlenlose quecksilberne Punkte von Ichs, welche blinken, rinnen, irren, zusammen- und auseinanderfliehen, ohne Einheit und Bestand. Niemand ist im All so sehr allein als ein Gottesleugner - er trauert mit einem verwaiseten Herzen, das den größten Vater verloren, neben dem unermeßlichken Leichnam der Natur, den kein Weltgeist regt und zusammenhält, und der im Grabe wächset; und er trauert so lange, bis er sich selber abbröckelt von der Leiche. Die ganze Welt ruht vor ihm wie eine große, halb im Sande liegende ägyptische Sphynx aus Stein; und das All ist die kalte eiserne Maske der gestaltlosen Ewigkeit.”
JEAN PAUL, >Siebenkäs< (1818)

"Trost: Staatschiffe, welche die Segel verloren, haben darum noch nicht die  Anker eingebüßt."
JEAN PAUL, >Politische Fastenpredigten< (1817)

“Die fast allgemeine Epidemie der Römer seiner Zeit war die nehmliche, woran wir heutzutage die vornehmsten Staaten in Europa krank liegen sehen, eine unmäßige Sucht sich zu bereichern.”
CHRISTOPH MARTIN WIELAND, >Horazens Satieren< (1804)

“Gibt es auf Erden noch eine zweite Kultur, die sich fortwährend so neugeboren fühlt wie die deutsche und jeden Augeblick Komiteebeschlüsse über ihre Umgangssprache faßt? Vorschriften erläßt, wie man zu sprechen, welche Worte man zu vermeiden hat? Die zu den hunderterlei Verboten, mit denen hier das Leben bespickt wird, weil der summarische Anstand kein Gebot ist, auch noch eine Sprechordnung beschließt, wie sie eine Gehordnung beschlossen hat. Und die, weil die Sprache nur ein Kleid, eine Konfektionsware ist, den größten Wert darauf legt, daß sie vor dem Verlassen der Anstalt in Ordnung gebracht werde, während man nichts dagegen hat, daß jeder Ladenschwengel öffentlich in den Sprachquell spuckt.”
KARL KRAUS, >Hier wird deutsch gespuckt< (1915)

“Wer offene Türen einrennt, braucht nicht zu fürchten, daß ihm die Fenster eingeschlagen werden.”
KARL KRAUS, >Sprüche und Widersprüche< (1909)

“Europa ist unsere Zukunft, das wird furchtbar.”
MATTHIAS BELTZ, >Balkanisierung in der Straßenbahn< (1998)

“Wer nicht dazu in der Lage ist, spontan (also ohne analytisch vorzugehen) den Unterschied zwischen dem Heiligen und dem Profanen wahrzunehmen, der wird nie verstehen, was Religion bedeutet. Er wird auch nicht in der Lage sein, das zu verstehen, was gemeinhin Kunst genannt wird. Letztlich versteht er überhaupt nichts.”
NASSIM NICHOLAS TALEB, >Kleines Handbuch für den Umgang mit Unwissen< (2010)

“Rationalisten träumen von einer Gesellschaft, die frei von Idioten ist; Empiristen träumen von einer Gesellschaft, die sicher vor Idioten ist - oder besser noch vor Rationalisten.”
NASSIM NICHOLAS TALEB, >Kleines Handbuch für den Umgang mit Unwissen< (2010)

“Es gibt Berufsbezeichnungen wie >Wirtschaftswissenschaftler<, >Prostituierte< oder >Berater<, deren Informationsgehalt durch ergänzende Zusätze nicht größer wird.”
NASSIM NICHOLAS TALEB, >Kleines Handbuch für den Umgang mit Unwissen< (2010)

“Dummköpfe glauben, Geiz sei mit Geld zu heilen, Sucht mit Drogen, Expertenprobleme mit Experten, das Bankwesen mit Bankern, die Wirtschaft mit Wirtschaftswissenschaftlern und Schuldenkrisen mit neuen Schulden.”
NASSIM NICHOLAS TALEB, >Kleines Handbuch für den Umgang mit Unwissen< (2010)

“Das größte Problem, das ich mit der Moderne habe, besteht wohl in der zunehmenden Kluft zwischen dem Ethischen und dem Legalen.”
NASSIM NICHOLAS TALEB, >Kleines Handbuch für den Umgang mit Unwissen< (2010)

“Die doppelte Strafe der Moderne besteht darin, uns vorzeitig altern und länger leben zu lassen.”
NASSIM NICHOLAS TALEB, >Kleines Handbuch für den Umgang mit Unwissen< (2010)

“Die Wirtschaftswissenschaft gleicht einem toten Stern, der immer noch Licht zu erzeugen scheint, dabei weiß man, dass er tot ist.”
NASSIM NICHOLAS TALEB, >Kleines Handbuch für den Umgang mit Unwissen< (2010)

"Wer sich respektiert, kann heute nur noch in den Zwischenräumen der  Gesellschaft leben."
NICOLÁS GÓMEZ DÁVILA, >Einsamkeiten< (1977)

"Dieses Jahrhundert versinkt langsam in einem Sumpf von Spermen und  Scheiße.
Wenn er mit den gegenwärtigen Ereignissen hantieren wird, wird der Historiker  der Zukunft Handschuhe tragen müssen."

NICOLÁS GÓMEZ DÁVILA, >Einsamkeiten< (1977)

"'Etre absolument moderne' ist der spezifische Ehrgeiz des Kleinbürgers."
NICOLÁS GÓMEZ DÁVILA, >Auf verlorenem Posten< (1986)

"Christ sein heißt, nicht allein zu sein, wie groß auch immer die  Einsamkeit sein mag, die uns umgibt."
NICOLÁS GÓMEZ DÁVILA, >Auf verlorenem Posten< (1986)

"An Gott glauben, auf Christus vertrauen, mit Schalkhaftigkeit schauen."
NICOLÁS GÓMEZ DÁVILA, >Auf verlorenem Posten< (1986)

"Das beste Mittel, um die Angst zu lindern, ist die Überzeugung, daß Gott  Sinn für Humor hat."
NICOLÁS GÓMEZ DÁVILA, >Einsamkeiten< (1977)

"Das Wuchern der Parasiten wird Wachstum des Dienstleistungssektors der  Wirtschaft genannt."
NICOLÁS GÓMEZ DÁVILA, >Auf verlorenem Posten< (1986)

"Tolerieren sollte nicht heißen, zu vergessen, daß das Tolerierte nicht mehr  als Toleranz verdient."
NICOLÁS GÓMEZ DÁVILA, >Auf verlorenem Posten< (1986)

"Heute heißt 'gesunden Menschenverstand haben' nicht gegen die  Niederträchtigkeit protestieren."
NICOLÁS GÓMEZ DÁVILA, >Einsamkeiten< (1977)

"Erst wenn die Kultur verfällt, wenn eine jener vorübergehenden Strukturen des Menschen zusammenbricht, offenbart sich unseren Augen aufs neue die wuchernde und formlose Vielfalt der menschlichen Natur."
NICOLÁS GÓMEZ DÁVILA, >Notas< (1954)

"Das Kriterium des ‘Fortschrittes’ ist, vergleicht man zwei Völker oder zwei Epochen, die größere Fähigkeit zum Töten."
NICOLÁS GÓMEZ DÁVILA, >Aufzeichnungen des Besiegten<  (1994)

“Europa ist nur ein Schatten im Winde.”
FRIEDRICH GEORG JÜNGER, >Aufmarsch des Nationalismus< (1926/1928)

"Nur im Wechsel bleibt ein Gleiches,
 Nur im Wandel lebt die Quelle."
FRIEDRICH GEORG JÜNGER, >Wasserspiele< (1940)

“So mächtig die Dämonen toben,
  Sie wüten doch in deinem Haus.
  Bist du ein Herr in Eignem, zeig`s!
  Was dir gemäß ist, lade zum Verweilen.
  Die andern wirf hinaus!”

FRIEDRICH GEORG JÜNGER, >Bewährung< (1947)

“So wie die Muttermilch für den Säugling Nahrung ist, so ist das Gedachte und Erinnerte Nahrung.”
FRIEDRICH GEORG JÜNGER, >Gedächtnis und Erinnerung< (1957)

“Wenn ich Schicksal sage oder Notwendigkeit oder Zufall, dann kürze ich ab.”
FRIEDRICH GEORG JÜNGER, >Gedanken und Merkzeichen< (1949)

“Die Tendenzen zur Ausbeutung des Menschen werden immer zentraler, immer wissenschaftlicher. Ihr Kennzeichen ist, daß sie allgemeiner Zustimmung begegnen.”
FRIEDRICH GEORG JÜNGER, >Gedanken und Merkzeichen< (1949)

“Exakt wird alles in dem Maße, in dem das Vorhandene abnimmt.”
FRIEDRICH GEORG JÜNGER, >Gedanken und Merkzeichen< (1949)

“Freiheitsliebende Völker dulden keine Pensionen.”
FRIEDRICH GEORG JÜNGER, >Gedanken und Merkzeichen< (1949)

“Wo die Grenzen enden, tauchen Ungeheuer auf.”
FRIEDRICH GEORG JÜNGER, >Gedanken und Merkzeichen< (1949)

“Das Tun der meisten Menschen ist nur ein Vorwand. Sie handeln nur in dem, was ihnen aufgezwungen und eingeredet wird.”
FRIEDRICH GEORG JÜNGER, >Gedanken und Merkzeichen< (1949)

“Einen Gott lästern, der nicht da ist, ist Unsinn.
Einen Gott lästern, der da ist, ist Wahnsinn.”

FRIEDRICH GEORG JÜNGER, >Gedanken und Merkzeichen< (1949)

“Wie der Schatten dem Körper folgt, so folgt die Dummheit der Macht.”
PAUL VALÉRY, >Cahiers<

“Es sind keineswegs die >Bösen<, die das größte Unheil in dieser Welt anrichten.
Es sind die Unbeholfenen und die Leichtgläubigen. Die Bösen wären machtlos ohne viele Gute.”

PAUL VALÉRY, >Cahiers<

“Politik ist die Kunst, die Leute daran zu hindern, sich um das zu kümmern, was sie angeht.”
PAUL VALÉRY, >Cahiers<

“Man redet ungeheuer viel über Moral. Aber ich behaupte, daß keiner wirklich seine eigene kennt, also streng aufzeigen kann, nicht was er an schaumigen Meinungen hat, sondern was das Gesetz seiner Handlungen ist.”
PAUL VALÉRY, >Cahiers<

”Furcht vor sich selbst ist der Auftakt zur Moral. Nicht wagen, das zu sein, was man ist.”
PAUL VALÉRY, >Cahiers<

“Denken ist Kommunikation mit einem anderen, der man selbst ist. Zu jemandem sprechen heißt, zu sich selbst als einem anderen sprechen.”
PAUL VALÉRY, >Cahiers<

“Wenn ihr euch fürchtet das schlimmste zu hören, so müßt ihr das schlimmste ungehört über euern Kopf einstürzen lassen.”
WILLIAM SHAKESPEARE, >König Johann< (Wielandsche Übersetzung)

“Wir wissen und setzen unseren Stolz darein zu wissen, daß der Mensch ein zur Religion geschaffenes Wesen ist ...”
EDMUND BURKE, >Betrachtungen über die Französische Revolution< (1790)

“Diese Leute sind so voll von ihren Theorien über die Rechte des Menschen, daß sie seine Natur gänzlich vergessen haben.”
EDMUND BURKE, >Betrachtungen über die Französische Revolution< (1790)

“Ich begreife nicht, wie es irgendein Mensch bis zu einer solchen Raserei des Eigendünkels gebracht haben kann, daß er sein Vaterland wie ein Stück weiß Papier ansieht, worauf er kritzeln kann, was ihm beliebt.”
EDMUND BURKE, >Betrachtungen über die Französische Revolution< (1790)

“Es gibt Narrheiten, die den Tadel mutlos machen, die weit über die Lächerlichkeit hinaus sind und keine andere Empfindung mehr wecken - als Ekel.”
EDMUND BURKE, >Betrachtungen über die Französische Revolution< (1790)

“Ein Staat, dem es an allen Mitteln zu einer Veränderung fehlt, entbehrt die Mittel zu seiner Erhaltung.”
EDMUND BURKE, >Betrachtungen über die Französische Revolution< (1790)

“Ich muß menschliche Gebrechen so lange ertragen, bis sie zu Verbrechen heranwachsen.”
EDMUND BURKE, >Betrachtungen über die Französische Revolution< (1790)

“Unglücklicherweise wird Macht in einer oder der anderen Gestalt immer vorhanden sein und alle Erschütterungen überleben, in welchen Sitten und Meinungen untergehen: nimmt man ihr daher die Mittel, durch welche sie sich bisher erhielt, so wird sie andere suchen und schlimmere finden.”
EDMUND BURKE, >Betrachtungen über die Französische Revolution< (1790)

“Der Mensch kann nicht die Rechte eines ungeselligen und eines geselligen Zustandes zu gleicher Zeit genießen.”
EDMUND BURKE, >Betrachtungen über die Französische Revolution< (1790)

“Doch was ist Freiheit ohne Weisheit und Tugend? Das größte aller möglichen Übel; nichts weiter als Torheit, Laster und Wahnsinn ohne Aufseher und Zügel.”
EDMUND BURKE, >Betrachtungen über die Französische Revolution< (1790)

“Selten haben zwei Zeitalter in dem, was sie Verderbliches taten, einerlei Methode befolgt und einerlei Vorwand benutzt. So arm an Erfindungen ist die menschliche Bosheit nicht. Indem Ihr noch über ihr Gewand vernünftelt, ist das Gewand längst abgelegt: das nämliche Laster, das Ihr vertilgen wollt, nimmt einen neuen Körper an. Der Geist wandert hinüber; und weit entfernt, seine Lebenskraft bei der Veränderung der Gestalt einzubüßen, tritt er vielmehr seine neue Laufbahn in aller Frische und Fülle einer verjüngten Tätigkeit an; er zieht umher, er verwüstet Eure Länder, während daß Ihr sein Gerippe zum Richtplatz schleppt oder sein leeres Grabmal darniederreißt. Ihr malt Euch tausend Schreckensbilder von Geistern und Geistererscheinungen, unterdessen daß jeder Winkel Eures Hauses voll von unfabelhaften Räubern ist. So geht es allen denen, die nur an der äußeren Rinde und Schale der Geschichte nagen und sich einbilden, sie kämpften mit Intoleranz, Stolz und Grausamkeit, wenn sie die verworfenen Grundsätze abgelebter Parteien verdammen, da sie doch dieselben Laster, womit jene die Welt vergifteten, in anderen, vielleicht in schlechteren Faktionen gutheißen und unterstützen.”
EDMUND BURKE, >Betrachtungen über die Französische Revolution< (1790)

"Wo die Gesetze irgendeinen wirklichen Einfluß auf die Erhaltung der Freiheit haben, dort beruht dieser Einfluß nicht auf einer magischen Kraft, die  von bücherbeladenen Regalen herabsteigt, er ist in Wirklichkeit vielmehr im  Einfluß von Menschen verkörpert, die entschlossen sind, frei zu sein. Dies sind  Menschen, welche schriftlich die Bedingungen festgelegt haben, unter denen sie  mit dem Staat und mit ihren Mitmenschen leben wollen, die zugleich aber aufgrund  ihrer Wachsamkeit und ihrer Gesinnung entschlossen sind, dafür zu sorgen, daß  diese Bedingungen eingehalten werden."
ADAM FERGUSON, >Versuch über die Geschichte der  bürgerlichen Gesellschaft< (1767)

“Ich glaube, eine unumschränkte und despotische Regierung läßt sich leichter in einem Volke einsetzen, wo die gesellschaftlichen Bedingungen gleich sind, als in einem andern, und ich denke, daß eine derartige Regierung, wenn sie einmal in einem solchen Volke bestünde, nicht nur dessen Menschen unterdrücken, sondern mit der Zeit jeden von ihnen mehrerer Haupteigenschaften des Menschentums berauben würde.
In den demokratischen Zeitaltern ist daher, wir mir scheint, der Despotismus besonders zu fürchten.
Ich hätte, denke ich, die Freiheit in allen Zeiten geliebt; in der heutigen Zeit aber neige ich dazu, sie zu vergöttern.”

ALEXIS de TOCQUEVILLE, >Über die Demokratie in Amerika II< (1840)

“Demokratische Gesellschaften, die nicht frei sind, können reich, raffiniert, gebildet, ja sogar glänzend und durch das Gewicht ihrer großen Masse mächtig sein; man kann dort Privattugenden begegnen, guten Familienvätern, ehrlichen Kaufleuten und sehr achtbaren Grundbesitzern; man wird dort sogar gute Christen finden, denn deren Vaterland ist nicht von dieser Welt, und der Ruhm ihrer Religion besteht darin, sie inmitten der größten Sittenverderbnis und unter den schlechtesten Regierungen hervorzubringen ...; was man aber in derartigen Gesellschaften niemals sehen wird, das sind, ich wage es zu sagen, große Bürger und namentlich ein großes Volk, und ich nehme keinen Anstand zu behaupten, daß das Durchschnittsniveau der Herzen und Geister unablässig sinken wird, solange Gleichheit und Despotismus sich miteinander verbinden.”
ALEXIS de TOCQUEVILLE, >Der alte Staat und die Revolution< (1856)

“In den Aristokratien besitzen die Menschen oft eine ihnen eigentümliche Größe und Stärke. Stehen sie mit der Mehrzahl ihrer Mitmenschen in Widerspruch, so ziehen sie sich zurück, finden in sich selber Halt und Trost. In den demokratischen Völkern verhält es sich anders. Dort erscheint die öffentliche Gunst ebenso nötig wie die Luft, die man atmet, und mit der Masse nicht im Einklang sein, heißt sozusagen nicht leben. Diese braucht nicht die Gesetze anzuwenden, um die Andersdenkenden unterzukriegen. Die Mißbilligung genügt. Das Gefühl ihrer Vereinsamung und ihrer Ohnmacht übermannt sie alsbald und raubt ihnen jede Hoffnung.”
ALEXIS de TOCQUEVILLE, >Über die Demokratie in Amerika II< (1840)

"Es ist wirklich schwer einzusehen, wie Menschen, die der Gewohnheit, sich selbst zu regieren, vollständig entsagt haben, im Stande sein könnten, diejenigen gut auszuwählen, die sie regieren sollen."
ALEXIS de TOCQUEVILLE, >Über die Demokratie in Amerika II< (1840)

"So genügt es dem Staat nicht, alle Geschäfte an sich zu ziehen, er gelangt auch mehr und mehr dazu, sie alle unkontrolliert und ohne Rechtsmittel selbst zu entscheiden."
ALEXIS de TOCQUEVILLE, >Über die Demokratie in Amerika II< (1840)

“Die Menschen sind hier nicht mehr durch Kasten, Klassen, Korporationen und Geschlechter miteinander verbunden und sind daher nur zu sehr geneigt, sich bloß mit ihren besonderen Interessen zu beschäftigen, immer nur an sich selbst zu denken und sich in einen Individualismus zurückzuziehen, in dem jede öffentliche Tugend erstickt wird. Der Despotismus, weit entfernt, gegen diese Neigung zu kämpfen, macht sie vielmehr unwiderstehlich, denn er entzieht den Bürgern jede gemeinsame Begeisterung, jedes gemeinschaftliche Bedürfnis, jede Notwendigkeit, sich miteinander zu verständigen, jede Gelegenheit zu gemeinschaftlichem Handeln; er mauert sie sozusagen im Privatleben ein. Sie waren bereits zur Absonderung geneigt: er isoliert sie; sie erkalteten füreinander: er läßt sie vollends erstarren.”
ALEXIS de TOCQUEVILLE, >Der alte Staat und die Revolution< (1856)

“Dieser in der Geschichte so neue Umstand, daß die ganze politische Erziehung eines großen Volkes ausschließlich durch Schriftsteller geschah, trug vielleicht am meisten dazu bei, der Französischen Revolution ihren eigentümlichen Geist zu geben und aus ihr das hervorgehen zu lassen, was wir vor uns sehen.
Die Schriftsteller gaben dem Volke, das diese Revolution machte, nicht nur ihre Ideen, sondern auch ihr Temperament und ihre Stimmung. Unter ihrer langen Disziplin, in Ermangelung aller anderen Führer und in ihrer vollständigen Unbekanntheit mit der Praxis, nahm die ganze Nation, indem sie diese Schriftsteller las, endlich deren Neigungen, Anschauungen, Vorlieben, ja sogar die natürlichen Verkehrtheiten an, so daß sie, als sie endlich zum Handeln kam, alle Gewohnheiten der Literatur in die Politik hinübernahm.
Studiert man die Geschichte unserer Revolution, so sieht man, daß sie genau in demselben Geiste geleitet worden ist, der so viele abstrakte Bücher über die Regierung hervorgebracht hat: gleicher Geschmack an allgemeinen Theorien, vollständigen Systemen der Gesetzgebung und genauer Symmetrie in den Gesetzen; gleiche Verachtung des tatsächlich Bestehenden; gleiches Vertrauen auf die Theorie; gleiche Vorliebe für das Originelle, Sinnreiche und Neue in den Institutionen; gleiche Lust, auf einmal die ganze Verfassung nach den Regeln der Logik und nach einem einheitlichen Plan neu zu bilden, anstatt zu versuchen, sie in ihren Teilen zu verbessern. Schreckensvolles Schauspiel! Denn was beim Schriftsteller ein Vorzug ist, wird beim Staatsmann manchmal zum schweren Fehler, und dieselben Dinge, die oft schöne Bücher entstehen lassen, können zu großen Revolutionen führen.”

ALEXIS de TOCQUEVILLE, >Der alte Staat und die Revolution< (1856)

“Seit dem Augenblick, wo die Steuer darauf zielte, nicht diejenigen zu treffen, die am fähigsten waren, sie zu bezahlen, sondern diejenigen, die am unfähigsten waren, sich dagegen zu wehren, mußte man zu der scheußlichen Konsequenz hingeführt werden, sie dem Reichen zu ersparen und den Armen damit zu belasten.”
ALEXIS de TOCQUEVILLE, >Der alte Staat und die Revolution< (1856)

"Weil die Moral nicht in den großen Handlungen des Lebens herrscht, deshalb  dringt sie auch nicht zu den geringeren herab. Weil im öffentlichen Leben das  Interesse an die Stelle der uneigennützigen Gesinnung getreten ist, deshalb ist  auch im privaten Leben das Interesse zum Gesetz geworden."
ALEXIS de TOCQUEVILLE, >Kammerrede vom 27. Januar  1848<

"Es gibt fast kein menschliches Wirken, so persönlich man es sich auch geartet denke, das nicht hervorgeht aus einer sehr allgemeinen Vorstellung, die die Menschen sich von Gott, von seinen Beziehungen zum Menschengeschlecht, vom Wesen der Seele und von ihren Pflichten gegen ihren Nächsten machen. Diese Vorstellungen sind unvermeidlich die gemeinsame Quelle alles übrigen."
ALEXIS de TOCQUEVILLE, >Über die Demokratie in Amerika II< (1840)

"Erlaubt also das Gesetz dem amerikanischen Volk, alles zu tun, so  hindert die Religion es, alles auszudenken, und verbietet ihm, alles zu wagen.
Darum muß die Religion, die sich bei den Amerikanern niemals unmittelbar in die  Regierung der Gesellschaft einmischt, als die erste ihrer politischen  Einrichtungen gelten; wenn sie ihnen auch nicht den Hang zur Freiheit gibt, so  erleichtert sie ihnen doch bedeutsam deren Gebrauch."

ALEXIS de TOCQUEVILLE, >Über die Demokratie in Amerika I<  (1835)

“Hat der Mensch immer, wie heute, eine Welt vor Augen gehabt, wo sich nichts zueinander fügte, wo die Tugend ohne Geist, der Geist ohne Ehre ist; wo die Liebe zur Ordnung sich mit der Neigung zur Tyrannei verbündet, der geheiligte Kult der Freiheit sich dem Mißachten der Gesetze gesellt; wo das Gewissen nur zwielichtigen Schein auf das menschliche Tun wirft; wo etwas weder verboten noch erlaubt, weder ehrenhaft noch schimpflich, weder wahr noch falsch erscheint?”
ALEXIS de TOCQUEVILLE, >Über die Demokratie in Amerika I<  (1835)

“Wo die echte Unwissenheit aus allen Schlupfwinkeln gründlich vertrieben ist und dafür eine seichte Halbbildung sich über alle ohne Unterschied ergossen hat, da verwandelt die Selbstsucht das Wissen in Schlauheit; und je mehr diese letzte Eigenschaft bei einem Volke überhandnimmt, desto mehr werden die Menschen ihre Interessen und all ihr Sinnen und Trachten an die Gegenwart heften, ohne, was später einmal werden soll, zu berücksichtigen oder jemals über die nächste Generation hinauszudenken.”
BERNARD MANDEVILLE, >Die Bienenfabel< (1724)

“Denn schlimm steht es um ein Volk und seine Verfassung, wenn sein Wohlergehen auf die Tugend und das Gewissen der Minister und Diplomaten angewiesen ist.”
BERNARD MANDEVILLE, >Die Bienenfabel< (1724)

“Von all den herrlichen Ländern und Reichen, von denen die Geschichte bis jetzt zu berichten weiß, kam keines je zu Fall, an dessen Untergang nicht hauptsächlich die politische Unfähigkeit, Nachlässigkeit oder Mißwirtschaft der Regierenden schuld war.”
BERNARD MANDEVILLE, >Die Bienenfabel< (1724)

“Es ist ein kommuner Irrtum zu glauben, daß die Menschen von ihren eigenen Einfällen leben, wo sie doch von den Torheiten anderer profitieren, eine Anlage, die bei weitem die besten Zinsen trägt und auch die größten Sicherheiten bietet.”
BERNARD MANDEVILLE, >Eine bescheidene Streitschrift für öffentliche Freudenhäuser< (1726)

“Wir können hieraus den Schluß machen, daß keine Beschäftigung unangenehmer und widerwärtiger für einen Menschen sein kann, dessen Hauptvergnügen in der Bewunderung seiner eigenen Vortrefflichkeit besteht, als wenn er in sich selbst eindringen, und alle geheimen Winkel seines Herzens ausspüren, oder dessen Falten auseinander legen soll.”
BERNARD MANDEVILLE, >Anti-Shaftesbury oder die Entlarvte Eitelkeit< (1761)

"Wenn man regiert, gilt es die Menschen so zu sehen, wie sie sind und die  Dinge, so wie sein sollten."
LOUIS de BONALD (1754-1840)

"Die Schwachen begeistern sich für die Menschen und die Starken für die  Dinge."
LOUIS de BONALD (1754-1840)

“Pflicht ist, was man von den anderen verlangt.”
ANTOINE de RIVAROL (1753-1801)

“Die Notwendigkeit bekümmert den Menschen nicht wie der Zwang. Sie verbindet sich mit der Freiheit, die nicht zusammen mit Zwang existieren kann: Es gehört zum Wesen der menschlichen Vernunft, das Joch der Notwendigkeit zu tragen.”
ANTOINE de RIVAROL (1753-1801)

“Die Vernunft besteht aus Wahrheiten, die man sagen, und aus Wahrheiten, die man verschweigen muss.”
ANTOINE de RIVAROL (1753-1801)

“Die Form des Zügels wird von den Proportionen des Menschen und des Pferdes erzwungen, so wie die Form der Regierung von den Proportionen des Territoriums und der Bevölkerung erzwungen wird.”
ANTOINE de RIVAROL (1753-1801)

“Die Religion beugt den Menschen und gibt ihm einen Stock.”
ANTOINE de RIVAROL (1753-1801)

“Aber beweisen die Feigheit der Völker und die Anmaßung der Tyrannen etwas gegen das Gewissen?”
ANTOINE de RIVAROL (1753-1801)

“Die Franzosen haben die Freiheit über die Sicherheit gestellt. Doch der Mensch verlässt die Wälder, in denen Freiheit mehr gilt als Sicherheit, um in die Städte zu kommen, wo Sicherheit mehr gilt als Freiheit.”
ANTOINE de RIVAROL (1753-1801)

“Mit den Worten Ordnung und Freiheit wird man das Menschengeschlecht immer wieder vom Despotismus zur Anarchie führen und von der Anarchie zurück zum Despotismus.”
ANTOINE de RIVAROL (1753-1801)

“In der Moral geht man durch Verbrechen zugrunde und in der Politik durch Fehler.”
ANTOINE de RIVAROL (1753-1801)

“Unsere Sitten sind in noch größerer Unordnung als unsere Finanzen.”
ANTOINE de RIVAROL (1753-1801)

“Man muss zwischen der arithmetischen und der politischen Mehrheit eines Staates deutlich unterscheiden.”
ANTOINE de RIVAROL (1753-1801)

“Der Pöbel glaubt, die Freiheit besser zu erreichen, wenn er die der anderen beeinträchtigt.”
ANTOINE de RIVAROL (1753-1801)

“Verändert man den Sinn der Wörter einer ausgebildeten Sprache, ist es gleichermaßen, als verschlechtere man den Wert des Geldes in einem Reich; man stiftet Verwirrung, Ungewissheit und Misstrauen mit den Instrumenten der Ordnung, der Klarheit und des öffentlichen Vertrauens: Wenn man die Möbel im Zimmer eines Blinden verstellt, verdammt man ihn dazu, sich ein neues Gedächtnis aufzubauen.”
ANTOINE de RIVAROL (1753-1801)

“Vergessen wir nie, dass jedes Prinzip, dessen Folgerungen man weder ziehen kann noch zu ziehen wagt, kein Prinzip ist.”
ANTOINE de RIVAROL (1753-1801)

"Die andern Welttheile haben Affen; Europa hat Franzosen. Das gleicht sich  aus."
ARTHUR SCHOPENHAUER, >Spicilegia< (1840)

"Was nun andrerseits die Menschen gesellig macht ist ihre Unfähigkeit, die  Einsamkeit, und in dieser sich selbst, zu ertragen."
ARTHUR SCHOPENHAUER, >Parerga und Paralipomena I<  (1851)

"Gewissermaaßen sind die größten, uns ganz nahe liegenden Probleme, Lachen,  Weinen und Musik."
ARTHUR SCHOPENHAUER aus einem Manuskript von 1814

"Alle ächte Liebe ist Mitleid: und jede Liebe die kein Mitleid ist, ist  Selbstsucht."
ARTHUR SCHOPENHAUER aus einem Manuskript von 1816

"Auch die vollendeteste Gelehrsamkeit verhält sich zum Reichthum des eignen  Geistes, wie ein Herbarium zur stets sich neu erzeugenden, ewig frischen, ewig  jungen, ewig wechselnden Pflanzenwelt."
ARTHUR SCHOPENHAUER aus einem Manuskript von 1815

"Die sogenannten Menschen sind fast durchgängig nichts andres als  Wassersuppen mit etwas Arsenik."
ARTHUR SCHOPENHAUER aus einem Manuskript von 1816

“Das Leben eines jeden Menschen ist wenn man es im Ganzen übersieht ein Trauerspiel; im Einzelnen betrachtet aber ein Lustspiel. Das Leben des Tags, die Plage des Augenblicks, das Wünschen und Fürchten der Woche, die Unfälle jeder Stunde sind lauter Komödienscenen. Aber das vergebliche Streben, die zertretene Hoffnung, die unseligen Irrthümer des ganzen Lebens, und der Tod am Schluß, sind immer ein Trauerspiel.”
ARTHUR SCHOPENHAUER Manuskript von 1814

“Der Tod ist die große Zurechtweisung, welche der Wille zum Leben, und näher der diesem wesentliche Egoismus, durch den Lauf der Natur erhält; und er kann aufgefaßt werden als eine Strafe für unser Daseyn. Er ist die schmerzliche Lösung des Knotens, den die Zeugung mit Wollust geschürzt hatte, und die von außen eindringende, gewaltsame Zerstörung des Grundirrthums unsers Wesens: die große Enttäuschung. Wir sind im Grunde etwas, das nicht seyn sollte: darum hören wir auf zu seyn.”
ARTHUR SCHOPENHAUER, >Die Welt als Wille und Vorstellung Bd. II< (1859)

“Das gewöhnliche Menschenleben von ungefähr fünfundzwanzig Jahren nimmt alle Sorgen der Gesetzgeber in Anspruch. Sie denken lediglich an die Wissenschaften, die Künste, den Ackerbau, den Handel usw. Sie getrauen sich nicht, ausdrücklich zu sagen: Für uns ist die Religion ein Nichts. Aber alle ihre öffentlichen Handlungen setzen es voraus, und ihre ganze Gesetzgebung ist materialistisch, weil sie für den Geist und die Zukunft nichts wirket.”
JOSEPH de MAISTRE, >Die spanische Inquisition< (1836)

“Wären die Nationen klug, sie würden sich nicht mehr kritisieren und ihre Einrichtungen gegenseitig tadeln, gerade als hätten sie sich alle in den nämlichen Umständen befunden, und als hätte nicht diese oder jene Gefahr die eine oder andere Nation zu gewissen Maßregeln bewogen, die Andere entbehren zu können glaubten.”
JOSEPH de MAISTRE, >Die spanische Inquisition< (1836)

“Wer glaubt, muß barmherzig sein, daran ist kein Zweifel; aber er kann nicht unbedingt tolerant sein.”
JOSEPH de MAISTRE, >Die spanische Inquisition< (1836)

“Überall dort, wo die individuelle Vernunft dominiert, kann es nichts Großes geben, denn alles Große beruht auf einem Glauben, und der Zusammenprall sich selbst überlassener privater Meinungen produziert nur Mißtrauen, das alles zerstört. Universelle und private Moral, Religion, Gesetze, verehrte Bräuche, nützliche Vorurteile, nichts bleibt bestehen, alles löst sich vor ihr auf; sie ist der universelle Zerstörer.”
JOSEPH de MAISTRE, >Von der Souveränität<

“Der Zynismus liegt in der Sache und nicht in den Worten, welche die Sache  bezeichnen."
KARL MARX, >Das Elend der Philosophie< (1847)

"Eine Nation, noch mehr eine Zivilisation, verschwindet, wenn in ihr die  Verbote verschwinden."
E.M. CIORAN, >Notizen< (1969)

"Alle westlichen Nationen - opulente Leichen."
E.M. CIORAN, >Notizen< (1960-1962)

“Feststellen, ab wann ein Volk sein Genie verliert.”
E.M. CIORAN, >Notizen< (1968)

"Die schlimmste Verdammnis wäre für mich, unter einem ewig heiteren Himmel  zu leben: für mich sind die Wolken die einzige Quelle der Poesie."
E.M. CIORAN, >Notizen< (1969)

"Der Mensch ist ein Tier, das sich übernimmt."
E.M. CIORAN, >Notizen< (1965)

“Angesichts derer, die obsiegen, kann ich der Vorsehung nur danken, mir Geschmack an der Niederlage verliehen zu haben.”
E.M. CIORAN, >Notizen< (1971)

"Die Dinge so zu belassen, wie sie sind, anstatt immer hinter neuen  Irrtümern herzulaufen, das ist das Heil."
E.M. CIORAN, >Notizen< (1972)

"wo aber fülltest, färbtest, reiftest du?”
GOTTFRIED BENN, >Ebereschen< (1954)

“u dann ist es vorbei, das ganze Leben ist
 vorübergegangen wie
 ein Nachmittag”

GOTTFRIED BENN (1952)

“sich selbst als Staub von den Stiefeln schütteln
 heller Staub, von Sommerwegen -  “

GOTTFRIED BENN

“Es ist höchst lächerlich, dem heutigen Hochkapitalismus, ... dieser ‘Unvermeidlichkeit’ unserer wirtschaftlichen Entwicklung, - Wahlverwandtschaft mit ‘Demokratie’ oder gar mit ‘Freiheit’ (in irgend einem Wortsinn) zuzuschreiben, während doch die Frage nur lauten kann: wie sind, unter seiner Herrschaft, alle diese Dinge überhaupt auf die Dauer ‘möglich’? Sie sind es tatsächlich nur da, wo dauernd der entschlossene Wille einer Nation, sich nicht wie eine Schafherde regieren zu lassen, dahinter steht. Wer Wetterfahne einer ‘Entwicklungstendenz’ sein will, der möge, so schnell wie nur möglich, diese altmodischen Ideale verlassen.”
MAX WEBER, > Zur Lage der bürgerlichen Demokratie in Rußland< (1906)

"Alle früheren Zeitalter fühlten sich irgendwo verankert und waren es  infolgedessen auch."
HANS FREYER, >Revolution von rechts< (1931)

"Mit dem Tod und seinem Sinn im System der Sittlichkeit ist es so bestellt:  daß wir Lebendigen nicht die rechten Philosophen sind, über den Tod nachzudenken  - das Leben kommt uns immer wieder dazwischen. Und dennoch, da er ja doch gar  sehr unsre Angelegenheit ist, lieben wir ihn als ein äußerstes Problem, fast als  wäre er das eigentliche Rätsel des Lebens. Wir können ihn nicht ringsum wie  andre Gegenstände, sondern immer nur von einer Seite betrachten, darum bleibt er  etwas Grenzenhaftes, ein Schleier, ein Schemen. Und dennoch wissen wir, er ist  auch noch Leben: letztes Erlebnis der befreundeten Glieder, letzter Zug aus dem  Becher des Seins, letzte Tat oder letztes Schicksal. Wir können ihn frei  erwählen, frei erleiden, frei mit ihm spielen. Und doch ist keine andre Macht so  Herr über uns wie er, und alles Lebendige auf Erden ist ein Totentanz nach  seiner grausamen Pfeife."
HANS FREYER, >Antäus. Grundlegung einer Ethik des  bewussten Lebens< (1922)

“Denn oft entdeckt man handelnd Auskunftsmittel und Wege, die man stillestehend nimmer finden würde.”
NICCOLÒ MACHIAVELLI, >Geschichte von Florenz< (1532)

“Der Intellektuelle soll die Menschen am Denken hindern, wozu ist schließlich die Arbeitsteilung da.”
MAX HORKHEIMER, >Notizen 1949-1969< (1974)

“Wer immer die Demokratie bejaht, mißtraue ihr.”
MAX HORKHEIMER, >Notizen 1949-1969< (1974)

“Zwischen Achtung und Verachtung des Lebendigen verläuft die Trennungslinie, nicht zwischen dem sogenannten Links und Rechts, dem schon veralteten bürgerlichen Gegensatz. Die Cliquen mögen sich bekämpfen, wo ihre Interessen es fordern, ihre wirklichen Gegner sind die sich ihrer selbst bewußten Einzelnen.”
MAX HORKHEIMER, >Notizen 1949-1969< (1974)

“Massenauflagen von Philosophen beweisen ihre Harmlosigkeit.”
MAX HORKHEIMER, >Notizen 1949-1969< (1974)

“Das zu entwickeln, blieb unserem Jahrhundert vorbehalten: die Moral, nämlich die humanitäre des ethisierten Wohlstandes, in großartigem Siegeszug, und die Sitten in vollem Verfall.”
ARNOLD GEHLEN, >Moral und Hypermoral< (1969)

“... ein Volk gewaltsam von seiner Geschichte abzutrennen oder zu entehren bedeutet dasselbe, wie es zu töten.”
ARNOLD GEHLEN, >Moral und Hypermoral< (1969)

“Wer jeden Menschen schlechthin in seiner bloßen Menschlichkeit akzeptiert und ihm schon in dieser Daseinsqualität den höchsten Wertrang zuspricht, kann die Ausbreitung dieses Akzeptierens nicht mehr begrenzen, denn auf dieser Bahn gibt es keinen Halt. Die Handlungen und Gedanken der Menschen, ihre Bosheiten, Tugenden und Laster, Künste und Spiele, Klugheiten und Narrheiten - nichts wird von der Geltung ausgenommen, außer allein die Behauptung und Haltung, die erkennen läßt, daß irgendetwas nicht gelten soll - wer das sagt, hat ‘Vorurteile’ und kommt nicht in Betracht. Der politische Nutzen dieses Ethos ist eklatant, er besteht in der Chance, vom künftigen Sieger verschont zu werden, wenn man es ihm beibringen kann; über den unmittelbaren Kassennutzen braucht man kein Wort zu verlieren.”
ARNOLD GEHLEN, >Moral und Hypermoral< (1969)

“Die aus der Ethik des Massenlebenswertes an den Staat zu richtenden Ansprüche sind bekanntlich unbegrenzbar und in sich nicht widerspruchsfrei, sie setzen ihn unter einen nicht mehr kontrollierbaren Sozialdruck, und schließlich soll er möglichst viel leisten, um den Wohlstand Aller zu garantieren, und zugleich möglichst verschwinden, um die Freien mit Pflichten zu verschonen; so wird er immer allgegenwärtiger und zaghafter ...
Jenes Ideal des größten Glücks der größten Zahl und des Massenlebenswertes, so könnte man folgern, ist nicht allen Herausforderungen gewachsen, denen eine Gesellschaft sich ausgesetzt sehen kann; denn es sind Situationen denkbar, in denen man mit einer solchen Einstellung ohmächtig wird oder erblindet. Dächte man sich eine hochentwickelte, politisch aber aufgabenlose und sonstwie hinfällig gewordene Überflußgesellschaft, so würde eine Hypertrophie des privatisierten Wohlstandes schließlich das Organ für die Risiken verkümmern lassen, und die euphorische Mythologie einer Kultur für Alle könnte ihre bekannten Folgen in Richtung der Farce entfalten. Dem frivolen Jargon der Publizisten ließe sich die Sachdeckung kaum noch bestreiten, und man wäre im öffentlichen Leben zuweilen in Verlegenheit, ob karnevalistische oder psychiatrische Kategorien angemessener wären. Wer dann unzeitgemäß auf Risiken aufmerksam machte, stieße wohl auf die Antwort, die in antiker Drastik schon Metrodor von Lampsakos fand: ‘Es lohnt sich nicht, die Griechen zu retten, sondern essen soll man und Wein trinken.’”

ARNOLD GEHLEN, >Moral und Hypermoral< (1969)

“Mir scheint... die zivilisierte Bevölkerung Europas, wenn sie sich so dynamisch in das wohlfahrtsstaatliche Gefüge hineinlebt, insofern fahrlässig zu handeln, als sie den Zustand des ewigen Friedens vorwegnimmt. Es kann kaum bezweifelt werden, daß man sich durch Eingewöhnung an einen steigenden Lebensstandard und durch die sogenannte Konsumorientierung seelisch wehrlos macht. Denn bekanntlich geht eine solche Bevölkerung eine steigende Abhängigkeit vom ungestörten Funktionieren der überpersönlichen Versorgungseinrichtungen ein. Wir sind in einem Grad in der baren Chance des Weiterlebenkönnens vollkommen daseinsabhängig vom Weiterfunktionieren der großen Versorgungseinrichtungen.”
ARNOLD GEHLEN, >Der Mensch in der westlichen Wohlstandsgesellschaft< (1958)

"Daß wir in einer reich unterrichteten Weltfremdheit leben, ist schon von vielen Seiten beschrieben worden ... Als störend empfinde ich endlich, daß die Publizistik gegenüber den Massen eine penetrant pädagogische Haltung einnimmt, die in das Pflegerische übergeht, so daß ein lazaretthafter Zug die Publizistik wie auch die Gesetzgebung durchweht. Das Vertrösten, Abschwächen, Beschweigen, die schonende Diskretion und die Verabreichung von Placebos - dies alles hat sich wie von selbst aus der Taktik gewaltlosen, die Widerstände umgehenden Einwirkens ergeben. Das muß wohl so sein, wenn man Millionen ichbezogener, nicht mehr recht glaubensfähiger, aber rechnender und daseinsbilanzierender Menschen dennoch zusammenhalten und von Zeit zu Zeit richtungspolitisch ansprechen muß, damit der Wahlvorgang ungestört weiterläuft."
ARNOLD GEHLEN, >Die gewaltlose Lenkung< (1974)

“Das Privatinteresse wird so wenig zum Gesetzgeben befähigt dadurch, daß man es auf den Thron des Gesetzgebers setzt, als ein Stummer, dem man ein Sprachrohr von enormer Länge in die Hand gibt, zum Sprechen befähigt wird.”
KARL MARX, >Debatten über das Holzdiebstahlsgesetz< (1842)

“Das Interesse hat kein Gedächtnis, denn es denkt nur an sich. Das eine, worauf es ihm ankommt, sich selbst, vergißt es nicht. Auf Widersprüche aber kommt es ihm nicht an, denn mit sich selbst gerät es nicht in Widersprüche. Es ist ein beständiger Improvisator, denn es hat kein System...”
KARL MARX, >Debatten über das Holzdiebstahlsgesetz< (1842)

"In manchen Staaten hat es der Parlamentarismus schon dahin gebracht, daß sich alle öffentlichen Angelegenheiten in Beute- und Kompromißobjekte von Parteien und Gefolgschaften verwandeln und die Politik, weit davon entfernt, die Angelegenheit einer Elite zu sein, zu dem ziemlich verachteten Geschäft einer ziemlich verachteten Klasse von Menschen geworden ist.“
CARL SCHMITT, >Die geistesgeschichtliche Lage des heutigen Parlamentarismus< (1923)

"Die Parteien treten heute nicht mehr als diskutierende Meinungen, sondern als soziale oder wirtschaftliche Machtgruppen einander gegenüber, berechnen die beiderseitigen Interessen und Machtmöglichkeiten und schließen auf dieser taktischen Grundlage Kompromisse und Koalitionen. Die Massen werden durch einen Propaganda-Apparat gewonnen, dessen größte Wirkungen auf einem Appell an nächstliegende Interessen und Leidenschaften beruhen. Das Argument im eigentlichen Sinne, das für die echte Diskussion charakteristisch ist, verschwindet.“
CARL SCHMITT, Die geistesgeschichtliche Lage des heutigen Parlamentarismus (1923)

"Das Parlament ist jedenfalls nur solange 'wahr', als die öffentliche  Diskussion ernst genommen und durchgeführt wird. 'Diskussion' hat hier aber  einen besonderen Sinn und bedeutet nicht einfach Verhandeln... Diskussion  bedeutet einen Meinungsaustausch, der von dem Zweck beherrscht ist, den Gegner  mit rationalen Argumenten von einer Wahrheit und Richtigkeit zu überzeugen oder  sich von der Wahrheit und Richtigkeit überzeugen zu lassen... Zur Diskussion  gehören gemeinsame Überzeugungen als Prämissen, Bereitwilligkeit, sich  überzeugen zu lassen, Unabhängigkeit von parteimäßiger Bindung, Unbefangenheit  von egoistischen Interessen... Verhandlungen dagegen, bei denen es nicht darauf  ankommt, die rationale Richtigkeit zu finden, sondern Interessen und  Gewinnchancen zu berechnen und durchzusetzen und das eigene Interesse nach  Möglichkeit zur Geltung zu bringen, sind natürlich auch von mancherlei Reden und  Erörterungen begleitet, aber nicht im prägnanten Sinne Diskussion... Die Lage  des Parlamentarismus ist heute so kritisch, weil die Entwicklung der modernen  Massendemokratie die argumentierende öffentliche Diskussion zu einer leeren  Formalität gemacht hat."
CARL SCHMITT, >Die geistesgeschichtliche Lage des  heutigen Parlamentarismus<  (1923)

“In einer überaus systematischen Weise umgeht oder ignoriert das liberale Denken den Staat und die Politik und bewegt sich statt dessen in einer typischen, immer wiederkehrenden Polarität von zwei heterogenen Sphären, nämlich von Ethik und Wirtschaft .... Der Staat wird zur Gesellschaft, und zwar auf der einen, der ethisch-geistigen Seite, zu einem ideologisch-humanitären Begriff der Menschheit; auf der anderen zur ökonomisch-technischen Einheit eines einheitlichen Produktions- und Verkehrs-Systems.“
CARL SCHMITT, >Der Begriff des Politischen< (1927)

"Dadurch, daß ein Volk nicht mehr die Kraft oder den Willen hat, sich in der Sphäre des Politischen zu halten, verschwindet das Politische nicht aus der Welt. Es verschwindet nur ein schwaches Volk.“
CARL SCHMITT, >Der Begriff des Politischen< (1927)

Wer 'Menschheit' sagt, will betrügen.“
CARL SCHMITT, >Der Begriff des Politischen< (1927)

"Obgleich sich unser Verstand immer zur Klarheit und Gewißheit  hineingedrängt fühlt, so fühlt sich doch unser Geist oft von der Ungewißheit  angezogen."
CARL von CLAUSEWITZ, >Vom Kriege< (1832)

“Es ist alles im Kriege sehr einfach, aber das Einfachste ist schwierig.”
CARL von CLAUSEWITZ, >Vom Kriege< (1832)

 

 

 

 

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