Erarbeitung von Referat und Hausarbeit

von Matthias Kuchenbrod


Die Literatursuche:

Nach erfolgter Themenabsprache mit dem Dozenten sollte die Arbeits stets mit einem "Dreischritt" beginnen:

Bibliographien erscheinen als Reihen oder in Form von Monographien, die dann gelegentlich aktualisierte Neuauflagen erleben. Heute gibt es auch eine Reihe von elektronischen Bibliographien, die als CD-ROMs erscheinen (z.B. WISO etc.). Neben allgemeinen, jeweils die gesamte wissenschaftliche Disziplin abdeckenden Bibliographien gibt es auch solche, die auf eine bestimmte Geschichtsperiode (das Mittelalter, die Antike etc.), ein bestimmtes Sachgebiet (die Geschichte des Nationalsozialismus etc.) oder die Geschichte eines bestimmten Landes, bzw. einer bestimmten Region spezialisiert sind. Derartige Publikationen enthalten i.a. auch Hinweise auf wirtschafts- und sozialgeschichtliche Titel, sofern diese die jeweiligen Spezialgebiete berühren.

Die wichtigste allgemeine Bibliographie für den Wirtschafts- und Sozialhistoriker ist die vom Kieler Institut für Weltwirtschaft herausgegebene

Diese erschien früher unter dem Titel "Bibliographie der Sozialwissenschaften". Die Bände dieser halbjährig erscheinenden Reihe reichen bis zur Jahrhundertwende zurück und enthalten nicht nur wirtschaftsgeschichtliche Titel, sondern vor allem wirtschaftswissenschaftliche Fachpublikationen, die als Quellen und Zeitzeugnisse für die historische Forschung genutzt werden können.

Die wichtigste deutsche Bibliographie für die gesamte Geschichtswissenschaft findet sich im

Diese Bibliographie enthält auch für den Wirtschaftshistoriker relevante Abschnitte, umfaßt jedoch nicht die aktuelle Literatur.

Wichtig sind daneben auch die

Diese Reihe erscheint seit 1955 und begreift sich als Bibliographie der Weltgeschichte seit ca. 1450, umfaßt also auch wirtschafts- und sozialgeschichtliche Literatur. Sie beschränkt sich allerdings auf die Erfassung von Zeitschriftenaufsätzen.

Erwähnenswert sind daneben noch die seit 1976 jährlich erscheinenden Bände der Reihe

Hinweise auf weitere allgemeine und spezielle Bibliographien findet man bei


Das Referat:

Die Dauer des Referats ist mit dem Dozenten abzusprechen. In der Regel werden 30 min angesetzt, die durch eine anschließende Diskussion des Themas ergänzt werden. Manche Dozenten legen wert darauf, daß frei gesprochen wird. Auch sollte man vor der Ausarbeitung des Referats klären, ob das Referat in die Gesamtnote eingeht, oder ob lediglich die Hausarbeit bzw. die Klausur benotet werden.

Das Referat sollte zwei Funktionen erfüllen:

Um diesen Funktionen gerecht zu werden, sollte das Referat stets durch ein "paper" begleitet werden, das eine grobe, aber nicht zu kurze Gliederung des Themas, Kurzdefinitionen von Kernbegriffen und die wichtigsten Quellen und Sekundärtitel enthält. Der Argumentationsgang des Referats sollte anhand der Gliederung nachvollziehbar sein. Grundsätzlich gilt, daß die Mühe, die in die Erstellung des Referats und des "papers" gesteckt wird, später bei der Ausarbeitung des Aufsatzes eingespart wird.

Das Referat kann - wo immer möglich - durch konkretes Anschauungsmaterial, welches man etwa mit Hilfe von Folien an die Wand wirft oder als Kopien austeilt, interessanter gestaltet werden. Statistische Daten sollten dabei, um der besseren Anschaulichkeit willen, stets in graphische Darstellungen übersetzt werden (Säulendiagramme etc.). Nützlich sind hierbei moderne Anwenderprogramme (z.B. Excel).


Die Hausarbeit:

Der Umfang der Hausarbeit richtet sich nach dem angestrebten Leistungsnachweis bzw. "Schein" und nach den Gepflogenheiten des jeweiligen Lehrstuhls. Will man einen Übungsschein erhalten, sollte die Arbeit in der Regel ca. 12 Seiten umfassen. Strebt man dagegen einen Proseminarschein an, sind 15 bis 20 Seiten angebracht. Die Arbeit sollte zusammengeheftet sein und einen angemessenen Korrekturrand besitzten. Der eigentliche Text der Arbeit sollte, wie der klassische Schulaufsatz, aus einer kurzen Einleitung, einem Hauptteil, der in mehrere Unterkapitel zerfallen kann, und einem Schluß mit einem kurzen Fazit bestehen. Daneben sind folgende Elemente unabdingbar:


Das Zitieren:

Grundsätzlich sollte das Zitieren ernst genommen werden. Die moderne Wissenschaft versteht sich als kumulativer Prozeß, weshalb der einzelne Autor stets "auf den Schultern von Riesen" oder zumindest auf breiten Vorleistungen anderer aufbaut. Dies zu dokumentieren gebietet schon die Achtung vor dem Recht auf geistigem Eigentum. Darüberhinaus demonstriert man durch den Literaturapparat den Grad der Intensität der eigenen Auseinandersetzung mit der jeweiligen Thematik. Publikationen, die den Forschungsstand nicht beachten, wirken amateurhaft. Die eigene fachliche Leistung spiegelt sich erst im bereits erreichten Forschungsstand wieder, welcher problematisiert und auf die eigenen Resultate hin neugeordnet werden muß. Deshalb ist es wichtig, daß die "Tugend" des richtigen Zitierens bereits während des Studiums eingeübt wird.

Eine Titelangabe in einer Fußnote oder in der Bibliographie sollte stets den Namen und Vornamen des Autors, den Titel, eventl. den Untertitel, den Erscheinungsort und das Erscheinungsjahr enthalten. Bei Zeitschriftenaufsätzen wird der Name des Autors und der Aufsatztitel durch den Titel der Zeitschrift, sowie den Jahrgang, das Erscheinungsjahr und die Seitenzahl ergänzt. Die einzelnen Arten von wissenschaftlichen Texten sollten in der Bibliographie, alphabetisch nach den Namen der Verfasser geordnet, in folgender Weise aufgeführt werden:

Monographien:

BRUNNER, Otto: Neue Wege der Verfassungs- und Sozialgeschichte. 3. Aufl. Göttingen 1980

Der Vorname des Verfassers kann auch abgekürzt werden. Wahlweise können auch Untertitel mit angeführt werden. Bei Erstauflagen entfällt der Verweis auf die Auflage. Mehrbändige Werke erhalten nach dem Titel einen Hinweis auf die Bandzahl (z.B. "3 Bde."). Zitierte man mehrere Publikationen des selben Verfassers, so ordnet man sie in der Reihenfolge ihres Erscheines an. Bände aus Gesamt- bzw. Werkausgaben erhalten einen entsprechenden Hinweis:

WEBER, Max: Die römische Agrargeschichte in ihrer Bedeutung für das Staats- und Privatrecht. Studienausgabe der Max Weber-Gesamtausgabe. Bd. I/2. Hrsg. v. J. Deininger. Tübingen 1988

Ist die Monographie Teil einer Buchreihe, kann auch diese in den Titel integriert werden:

EHLERS, Joachim: Die Entstehung des deutschen Reiches. Enzyklopädie Deutscher Geschichte. Bd. 31. München 1994

Disserations- und Habilitationsschriften, die nicht als reguläre Buchtitel erschienen sind, sind als solche kenntlich zu machen:

SCHWIERCZ, L.: Beziehungen zwischen verschiedenen Formen der Normvermittlung und der Identifizierungsbereitschaft der Gruppenmitglieder. Jena, Diss. 1971

Aufsatzsammlungen mit Beiträgen verschiedener Autoren werden unter dem Namen des Herausgebers abgelegt:

BRAUDEL, Fernand / LABROUSSE, Ernest (Hrsg.): Wirtschaft und Gesellschaft in Frankreich im Zeitalter der Industrialisierung. 1789-1880. 2 Bde. Frankfurt a.M. 1986ff

Einzelne Aufsätze aus derartigen Sammlungen werden folgendermaßen angeführt:

MITTERAUER, Michael: Zur Problematik des Begriffs >Familie< im 17. Jahrhundert. In: Seminar: Familie und Gesellschaftsstruktur. 4. Aufl. Hrsg. v. H. Rosenbaum. Frankfurt a.M. 1988, S. 73ff

Handbuchartikel:

ABEL, Wilhelm: Art. >Agrarkonjunktur<. In: Handwörterbuch der Sozialwissenschaften. Bd. 1. Hrsg. v. E. v. Beckerath u.a. Stuttgart 1956, S. 49ff

oder abgekürtzt:

ABEL, Wilhelm: Art. >Agrarkonjunktur<. In: HdSW. Bd. 1, S. 49ff

Zeitschriftenartikel:

HONIGSHEIM, Paul: Katholizismus und kapitalistische Mentalität. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 13 (1961), S. 685ff

Bei gängigen Zeitschriften ist eine Abkürzung üblich. In diesem Fall: "KZSS".

Zeitungsartikel:

SCHMIDT, Gernot: Effizienz durch Vertrauen: Das Hawala-System. In: "Junge Freiheit" Nr. 37 vom 08.11.2006, S. 12

In den Fußnoten der Hausarbeit wird ähnlich zitiert:

H.J. Berman: Recht und Revolution. Die Bildung der westlichen Rechtstradition. Frankfurt a.M. 1995, S. 613ff

Der Seitenverweis zielt in der Fußnote stets auf die konkrete Seite, aus der zitiert wird, oder auf die verwiesen werden soll. Dies gilt auch für Zeitschriftenaufsätze.

Zitiert man die selbe Publikation in der nächsten Fußnote wieder, kann man in folgender Weise abkürzen:

ebenda, S. 116ff

Zitiert man die Publikation einige Fußnoten später erneut, bildet man einen einheitlichen, über die ganze Länge der eigenen Arbeit durchzuhaltenden Kurztitel, der aber Autor und Werk eindeutig kennzeichnen muß:

Berman, Recht und Revolution, S. 125

In der sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Literatur findet man häufig ein regelrechtes Kürzelsystem, in dem die Literaturangaben auf den Autor bzw. Herausgeber und das Erscheinungsjahr reduziert werden:

SIMMEL 1992

Hier ist eine Großschreibung des Namens unbedingt erforderlich, damit klar ist, daß auf einen Buchtitel verwiesen wird. Der entsprechende Titel wird dann in der Bibliographie folgendermaßen angeführt:

SIMMEL, G. 1992: Soziologie. Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung. Gesamtausgabe. Bd. 11. Frankfurt a.M.

Diese Zitierweise spart innerhalb des Textes Platz, macht aber für den Leser die Zuordnung oft umständlich, besonders wenn mehrere Arbeiten des selben Autoren zitiert werden.

Die Textzitate selber kann man in den eigenen fortlaufenden Text oder in die Fußnoten einfügen. Will man Quellenzitate näher auslegen, so sollten diese auch in den eigenen Textkörper eingefügt werden. Man hebt sie dann üblicherweise durch eine besondere Schriftweise von den eigenen Formulierungen ab (z.B. kleinerer Schriftgrad, Kursivdruck etc.). Will man dagegen nur die eigenen Formulierungen durch ein Zitat näher illustrieren oder einen Forschungsstandpunkt kurz zusammenfassen, so genügt ein Zitat in einer Fußnote. Man wählt dann üblicherweise pointierend zusammenfassende Passagen für das Zitat aus. Generell gilt, daß die Geschichtswissenschaften das Dokumentieren durch Zitate stärker gewichten als die Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Pauschale Verweise auf ganze Buch- oder Aufsatztitel sind daher - wenn möglich - zu vermeiden. Die Verweise sollten stets auf eine konkrete Passage im Quellentext hinzielen.


Literatur:

BÜNTING, K.l-D. / BITTERLICH, A. / POSPIECH, U.: Schreiben im Studium. Darmstadt 1996

FABER, E. / GEISS, I.: Arbeitsbuch zum Geschichtsstudium. Heidelberg u. Wiesbaden 1983

FELDMANN, R.: Wie finde ich Literatur zur Geschichte. 2.Aufl. Berlin 1994

FREYTAG, N. / PIERETH, W.: Kursbuch Geschichte. 2. Aufl. Paderborn u.a. 2006

GOERTZ, H.-J. (Hrsg.): Geschichte. Ein Grundkurs. 2.Aufl. Reinbek bei Hamburg 2001

GRUND, U. / HEINEN, A.: Wie benutze ich eine Bibliothek ? Basiswissen, Strategien, Hilfsmittel. 2. Aufl. München 1996

HOWELL, M. / PREVENIER, W.: Werkstatt des Historikers. Eine Einführung in die historischen Methoden. Köln u.a. 2004

STANDOP, E. / MEYER, M. L.G.: Die Form der wissenschaftlichen Arbeit. 16. Aufl. Wiebelsheim 2002

STARY, J. / KRETSCHMER, H.: Umgang mit wissenschaftlicher Literatur. Darmstadt 1994


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