BIBLIOGRAPHIE DER PRIMÄRLITERATUR
Die besondere Neigung reformierter Glaubensanhänger zur unternehmerischen Betätigung war nicht erst Weber aufgefallen. Bereits im 18. Jahrhundert hatten verschiedene Schriftsteller dieses Phänomen beschrieben, darunter auch so prominente Autoren wie etwa der englische Ökonom W. Petty (1623-1687) oder der französische Philosoph Voltaire (1694-1778). In der wissenschaftlichen Literatur der Jahrhundertwende galt der Zusammenhang zwischen Protestantismus und Unternehmertum als eine "zu bekannte Tatsache" (W. Sombart). Doch vor Weber hatte, mit der wichtigen, von Weber gewürdigten Ausnahme Eduard Bernsteins (1850-1932), niemand versucht, diesen Zusammenhang zu erklären. Bernstein allerdings nimmt in seiner Studie von 1895 (s. Sekundärliteratur) Weber in wichtigen Punkten vorweg. Er arbeitete bereits am Beispiel der Quäkersekte die Bedeutung der religiösen Askese für das wirtschaftliche Handeln heraus und er betonte, ähnlich wie später Weber, daß diese Askese erst nach der mit dem Ende des englischen Bürgerkriegs einsetzenden Entpolitisierung des protestantischen Glaubens zum Tragen kam. Auf methodischer Ebene stimmt Bernstein mit Weber darin überein, daß die religiösen Dogmen, will man ihre Bedeutung für das Wirtschaftsleben erkennen, nicht losgelöst von der Situation der Gläubigen, speziell der bürgerlichen Mittelschichten, betrachtet werden dürfen. Eine ähnlich große Bedeutung für die Formulierung der Protestantismus-These kommt auch dem zum engsten Freundeskreis Webers zählenden Heidelberger Juristen Georg Jellinek (1851-1911) zu, der in einer Arbeit von 1895 über die Ursprünge der modernen Menschenrechtskonzeption (s. Sekundärliteratur) die protestantischen Sekten und Denominationen, die bis dato in der deutschen Geschichtsschreibung gegenüber den großen Kirchen nur eine Randstellung eingenommen hatten, in den Mittelpunkt seines Interesses stellte.
Max Weber selber stellte nach eigenem Bekunden seine These zum erstenmal 1898 in einem Seminar der wissenschaftlichen Öffentlichkeit zu Diskussion. Der entscheidende Text wurde jedoch erst 1904/05 veröffentlicht:
Diese ursprüngliche Fassung ist wiedergegeben in:
In einer überarbeiteten Form wurde der Text wiederabgedruckt in:
In vier sogen. >Antikritiken< hatte Weber die erste Fassung gegen Einwände verteidigt. Lesenswert sind heute noch vor allem:
Eine wichtige Ergänzung ist außerdem zu finden in:
Weber plante, seine Protestantismusstudie durch eine umfangreiche vergleichende Analyse der Weltreligionen zu ergänzen. Von dieser >Wirtschaftsethik der Weltreligionen< konnte Weber aber nur die Studien über China, Indien und das antike Judentum weitgehend fertigstellen, während die Studie über den Islam und eine abschließende Studie über das okzidentale Christentum nicht mehr begonnen wurden. Die letztere Studie hätte sich vor allem mit der "Vorgeschichte" der protestantischen Ethik, also mit dem mittelalterlichen Katholizismus (einschließlich dem Klosterleben und der mittelalterlichen Sekten) in seinem Zusammenhang mit den feudalen Herrschaftsformen, sowie der mittelalterlichen Stadt beschäftigt. Daneben wollte Weber auch den Nachwirkungen der protestantischen Ethik in der Aufklärung und dem ökonomischen Denken des 18. Jahrhunderts nachspüren. Die ausgeführten Studien sind abgedruckt in:
Als weitere Ergänzungen, vor allem bezüglich der wirtschaftsgeschichtlichen Ansichten Webers und seiner Typologie des Kapitalismus sind nützlich:
Eine arbeitswissenschaftliche bzw. betriebssoziologische Studie von 1908/09 an der Weber beteiligt war, zeigte, daß auch in der Arbeiterschicht religiösen Impulsen eine entscheidende Rolle in der Entwicklung von Arbeitsdisziplin und Effizienzstreben zukommt. Pietistische Arbeiterinnen in Württemberg erwiesen sich in diesen Punkten ihren katholischen Kolleginnen überlegen. Webers Beitrag zu der Studie ist abgedruckt unter dem Titel:
Für Webers Zeitdiagnose, die seine Sicht des Kapitalismus wie des Protestantismus beeinflußte s. außerdem:
Leicht zugängliche Auswahlausgaben:
Englische Übersetzungen der Studien Max Webers:
Französische Übersetzungen:
Italienische Übersetzungen:
Spanische Übersetzungen:
Seit 1984 ist eine Max-Weber-Gesamtausgabe im entstehen begriffen, doch sind die für den Themenkomplex >Kapitalismus und Protestantismus< bedeutsamen Schriften Webers im Rahmen dieser Ausgabe noch nicht erschienen.
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