WEBSITE VON MATTHIAS KUCHENBROD
"Was wir vielleicht nur ein einziges Mal, und flüchtig, und aus dem Augenwinkel gesehen haben, das haben wir wirklich erblickt.
Aber was dem Blicke ein häufiger Gebrauch wurde, das wetzte er gleichsam ab, es ward trüb und stumpf.
Überhaupt erleben wir in tieferer Weise nicht das, was unserem aufmerksamen Blicke gerade gegenüberliegt: sondern was sich
in der Aura drum herum befindet, die allerdings um so eher sich bildet, wenn ihr ein konzentriertes Schauen die Mitte macht."

"Statik des Seienden - also tiefste Ruhe - ist das äußerste Gegenteil von Langeweile.
Wenn die Zeit überwunden ist, braucht man sie nicht zu vertreiben."
HEIMITO von DODERER
AUCH EIN LOB DES HERKOMMENS


Wegstück



"Zwei Kräfte herrschen über das Weltall: Licht und Schwere."
SIMONE WEIL

"Es ist des Menschen Jammer,
dass er nicht fertig wird mit dem,
was der Schöpfer vollbrachte."
ELAZAR BENYOËTZ


Meine Bildergallerie zeigt eine Auswahl von Landschaftsaufnahmen, welche ich seit den 1980er Jahren vorwiegend im mainfränkischen Raum angefertigt habe.

Umfänglicher habe ich meine Bilder auf der Plattform
Flickr veröffentlicht.

Im Fokus stehen weniger die dem Auge unmittelbar genehmen Naturidyllen, welche freilich nicht ganz fehlen, sondern jene ausgeformten und dem ersten Blicke öde erscheinenden Gebrauchslandschaften, in die sich die aufeinanderfolgenden Generationen der Menschen hineingegraben und vergegenständlicht haben, um ihr Leben fristen und weitergeben zu können.

"Du, Erde, ein wie
unsäglich Tatsächliches."
ERNST MEISTER

Bekritzelter Himmel


Auch wenn meine Bilder menschenleer sind, wollen sie von dieser jahrhundertealten Last und jenen Menschen künden, die, ohne dies zu intendieren, eine Bühne für das große und immerwährende Schauspiel des Lichtes geschaffen haben.

Das innere Thema dieses Schauspiels, um welches es schweigend zu kreisen scheint, versucht der Begriff des "nunc stans", des "stehenden Jetzt", zu erfassen, mit welchem die christlichen Metaphysiker und Mystiker die Ewigkeit, die "semper praesentis aeternitatis" (Hl. Augustinus), zu umschreiben pflegten, für die gilt: "Semper enim est, quoniam 'semper' praesentis est in eo temporis" - Ewig ist sie, weil in ihr das "Immer" der Gegenwart ist (Boethius).

AETERNITAS NON EST TEMPORIS SINE FINE SUCCESSIO, SED NUNC STANS


"Das Sichtbare ist die Fußspur des Unsichtbaren."
LÉON BLOY

Hieroglyphen


Mein programmatisches Ansinnen, sofern denn die Photographie, welche ja stets auf ein Vorfindliches und Vorgegebenes angewiesen und beschränkt bleibt, einem solchen zu folgen vermag, sucht jene Momente festzuhalten, in denen eine kalte und nüchterne Sonne, welche nichts Neues kennen will, diese Ewigkeit aufscheinen läßt: "Alles schon immer. Nie was anderes" (Samuel Beckett). Doch zugleich wollen meine Bilder, indem sie die Spuren der Bearbeitung fokussieren, die das mühselige Leid und die duldsam abgeleistete Plagerei in diesem ewigen Karsamstag hinterlassen haben, eingedenken, dass dieser Ewigkeit ein Unabgeschlossenes eignet, welches sich in dem trotzigen Satz Charlie Browns geltend macht: "Ich hoffe immer noch, dass das Gestern besser wird".


"Was ist denn euer Leben?
Nur ein Hauch seid ihr, der kurze Zeit sichtbar ist und dann verschwindet."
JAKOBUS 4,14


Tellurisch 2




Einige programmatische Maximen mögen meine Intentionen noch näher umreißen:

Das Schöne ist wie ein Riss in der Wirklichkeit, durch den das Licht einer anderen Welt dringt.

Alles Schöne ist dem allgemeinen Verhängnis entronnen, dessen Schattenwurf es noch trägt.

Die gelungene Schwarzweißphotographie hält jene eigentümliche Stille fest, die dann eintritt, sobald die Dinge der Dinge harren.

"die trauer aller dinge, auch
wenn sie gar kein gesicht haben,
aus dem zu lesen wäre"
WULF KIRSTEN


Tauben über Beton



Kunst, durch deren Schönheit nicht die Ödnis, das Verhängnis und Grauen dieser Welt zumindest gebrochen hindurchscheinen ist entweder Ideologie oder Kitsch, oder aber beides.
Das Kunstwerk muss mit seinen Wundmalen seine Wahrheit bezeugen.

Das Schöne stellt in dieser Welt lediglich eine Marginalie dar, die aber den Haupttext erst erträglich macht.

Gelungene Schwarzweißphotographien vermögen es, das milde und gnädige Licht aufzuzeichnen, welches über der öden Gottesfinsternis dieser Welt erstrahlt. Sie wirken wie Illustrationen eines Romans von Graham Greene.

Gute Schwarzweißphotografie vermag es, dass auf ihrer Oberfläche verborgene Wesen der Dinge sichtbar zu machen.

"Ich weiß
nichts Dunkleres
denn das Licht."
ERNST MEISTER

Melancholia



Kunst ist eine ambiguente Form der negativen Theologie. Indem sie das Geschwätz flieht und statt dessen das Schweigen umkreist, bringt sie Erfahrungen zum Ausdruck, die sich dem Begriff verweigern und ihn zugleich locken.

Kunst ist die Fortsetzung der Religion mit anderen Mitteln
.

Das Schöne hat gleichsam die Stelle des Wächters inne, der dem beschädigten Leben verkündet:
"Der Morgen kommt, doch noch ist es Nacht" (Jesaja 21,12).



"Daß der Nachbar des Schönen der Tod ist."
ROMANO GUARDINI

Nachtwache